TEXT|LIFE of KAWEI •|highlights •|web •|print •|books •|krimi •|postreport •|werbegang •|mail-besteller


BEST OF VERÖFFENTLICHT:

»KAWEIS POSTREPORT – DER MISSBRAUCH DES AUFRECHTEN GANGES«

[Leseprobe, Seite 182]

Membership has its privileges
[ÖGB-Mitgliedschaft bringt Vorteile]

So nebenbei hatte ich in Erfahrung gebracht, dass zwei Fahrscheine für den Dienstweg zum Postarzt beim Wirtschaftsbeamten erhältlich wären. Diese wollte ich nun holen. Der Wirtschaftsbeamte Staudinger wusste natürlich von nichts. Sein Adlatus Beck hing am Diensttisch und telefonierte sicher dienstlich. Wahrscheinlich Eiertandler oder Weinbauer.
Personalchef Egger kam als Höchster der dreieinfaltigen Amtsräumlichkeit zu Hilfe. Er wiegte den Kopf und sagte, indem er jedes Wort einzeln herausschüttelte: »Muss. Erst. Nachsehen. Ob. S’. Überhaupt. Beim. Postkontrollarzt. Gewesen. Sind.« Nur ein Manöver, um Zeit zu gewinnen, da es alle Briefträger um diese Zeit besonders eilig hatten. Ich nahm mir die Zeit und riskierte, mit meiner Kartiertätigkeit gehörig in Verzug zu geraten. Egger blätterte und nickte ein Zwischendurch, das nicht zum normalen Programm gehörte. Im Falle meines Nichterscheinens hätte es schon längst ein paar Schriftliche Ermahnungen gegeben.

Nun wurde Gewerkschafter Blazina zu Rate gezogen. Alle waren sich einig wie zu Beginn der Geschichte im Alten Testament (Genesis 11, 1-9), bei der von den Nachfahren Noahs auf der Ebene im Land Sinear in Babylonien ein babyleichter/himmelhoher Turm errichtet werden sollte. Staudinger stellte mir keinen Turm zu Babel auf, sondern nur einen Baum. Er verweigerte die Auszahlung meiner mir rechtlich zustehenden sechsundzwanzig Schilling, ohne dafür Gründe zu nennen oder mich auch nur im geringsten verstehen zu wollen.
Argumentierte mit Dienstweg. Nichts!

Behauptete, dass ich ein Recht auf Fahrtspesen hätte. Nada!
Zitierte die Bibel: Gebt dem Postler, was des Postlers ist. Njet!
Verlangte schriftliche Begründung, um dagegen Einspruch zu erheben... Oui! Das wirkte –[die Sprache der Post ist Französisch]. Wahrscheinlich war die Ausstellung eines solchen Schriftstückes zuviel Arbeit für Staudinger. No, ausserdem könnte ich ja Recht haben, und wie stünde er dann da, net?

Nach einer halben Stunde Streit bekam ich meine mir zustehenden, heiss erkämpften sechsundzwanzig Schilling. Mit diesem Vabanque-Spiel hatte ich nun endgültig (alle Beteiligten) überreizt. Es sollte der Auftakt zu einem langen Gefecht gegen die Gewerkschaft werden, denn als Unruhestifter war ich längst ein Dorn im Auge der Personalvertretung.

Zu Weihnachten verteilte Gewerkschafter Blazina das Springergeld. – Jenes Geld, das die etablierten Kollegen, die auf ihren Zustellbezirken Neujahrs-Trinkgelder bis zum dreifachen Monatsgehalt erhielten, den jüngeren Kollegen spendierten, die noch keinen ständigen Rayon hatten. Vier Jahre hindurch war ich immer wieder als Verstärker zur Expresspost gekommen und hatte jede Menge Schrott und etliche Schriftliche Ermahnungen produziert. Nach der hektischen Weihnachtszeit, Mitte Jänner, kam ich wieder zur Zustellabteilung. Aber nie kam ich in den Genuss dieses Geldes!

Dafür bekam ich den 12er Rayon, auf dem ich nun schon lange ging, fix. Ohne Ausschreibung und offizielle Vergabe, wie es sich gehört hätte. Das trickste Obergewerke Blazina für mich, ohne dass ich es eigentlich gewollt hätte. Um seine Macht spielen zu lassen oder mir etwas Gutes zu tun? Egal. War schon okay! Ausserdem hatte ich genug Dienstzeiten als Springer. Als »Fixer« zahlte ich dann meinen obligatorischen Hunderter Springergeld und fragte Obergewerkschafter Blazina schnell noch, warum ich all die Jahre zuvor nie einen Schilling von diesem Geld erhalten hatte, als ich den Schein aus meinen Taschen schälte und auf den speckigen Tresen legte. Er musterte argwöhnisch den zerknüllten Schein, als müsste er augenblicklich die Echtheit überprüfen. Wäre es kein Geld gewesen, hätte er die Annahme verweigert, nahm ich an.
Die lapidare Antwort: »Du hättest dich rühren müssen.«

Danach fragte er mich, ob ich nicht auch noch etwas aussertourlich für die Verteilerbeamten und/oder für die Gewerkschaft hergeben möchte. »Und warum?«
»Weil a jeda wos hergibt. Jeder gibt mindestens an Hunderter her.« Manche Briefträger spendeten sogar einen Tausender.

Das hatte gewisse Vorteile – besonders bei der internen Begradigung der Zustellbezirke. Begonnen vom seligen Veit und beendet von der unseligen Gewerkschaft. Natürlich konnte man die Trinkgeld-Ader nicht versiegen lassen und die zahlreichen Kollegen verärgern. Die Protektionskinder gaben – ausser dem Tausender – noch mehrere Häuser und Gassen ab. Dadurch verkleinerten sich ihre Rayone beträchtlich. Im Gegenzug dazu mussten Böcke für Sünden/Gassen/Strassen gefunden werden, die gezwungen wurden, Häuser dazuzunehmen. Must be me, myself and I.

Wir, mein Rayon und ich, bekamen sechsundfünfzig Haushalte dazu. Einen ganzen Wohnblock mit sieben Bauten. Ungefähr ein Sechstel meiner täglichen Arbeitsleistung. Me, myself and I (pluralis postalis americanis), freuten uns riesig, sodass wir daraufhin unseren alleinzigen verbliebenen Schutz, das Gewerkschaftsbuch, vom Verteiler holten (wie den Taufschein vom Pfarramt) um schon recht bald austreten zu können. Ein folgenschwerer Fehler, wie sich schon recht bald zeigen sollte. Denn Privilegierte konnten sich sogar bei Gewerkschafter Blazina krank melden.

Tschechengustl gab auch einen Blauen her. Abgesehen von der Begradigung seines Rayons konnte er einem Postpraktikanten grundlos ein blaues Auge schlagen. Der arme Junge wollte nach Hause gehen und unterwegs Anzeige erstatten. Noch bevor er seinen Platz geräumt hatte, eilte Tschechengustl zu seinem bezahlten Gewerkschafter um Hilfe. Sofort trat die Hotline in Action. Haslinger war schon in der Amtsvorstehung und rief den abmarschbereiten jungen Kollegen zu sich. Es wurden ihm ernsthafte Konsequenzen angedroht, weil er noch nicht pragmatisiert worden war. Wie nicht anders zu erwarten, liess er sich einschüchtern und verzichtete auf die verhängnisvolle Anzeige. Als Belohnung für sein kollegiales Verhalten durfte er augenblicklich einen Tag blau machen.

Gewerkschafter Blazina konnte sich wieder rühmen, etwas für seine Kollegen getan zu haben. Noch lieber tat er etwas für seine Genossen. Es war in der Wahlzeit, und eine grosse politische Partei stellte eine Massensendung ohne Anschrift »nur« im Postamt unter. (Ich will nicht unterstellen, dass sie diese Massensendung nicht zustellen lassen wollte.) Man wollte später vorbeikommen, um zu bezahlen. Der Leiter der Paketpost traute seinen Augen nicht, als er am nächsten Tag die selbe Wahlreklame in seinem Postkasten fand. Neugierig wie er war, sah er im Nachweis über aufgegebene Massensendungen nach. Seltsamerweise hatte man vergessen, diese Reklamesendungen im Gesamtwert von etwa dreissigtausend Schilling einzutragen...

Oder vielleicht hatte man doch vergessen, zu bezahlen?
Der Vorfall klärte sich rasch als Versehen auf. Schuldiger wurde keiner gefunden. Irrtum vom Amt. Natürlich war das nur ein Zufall (das Aufsehen und das Auffallen). Aber was sind für die Post schon dreissig Blaue? Nicht mehr als ein gutes gewerkschaftliches Neujahrsgeld von dreissig Mann/Stimmen!

Der Paketpostleiter war nicht immer anwesend, und sein Gegendienst war nur ein VB, also ein Vertragsbediensteter. Er war dreimal bei der erforderlichen Prüfung durchgefallen, und es hätte ihm der Dienstvertrag gekündigt werden müssen.
Der Gewekschafter Blazina intervenierte, nachdem er sich allein mit dem wie ein Häufchen Elend dasitzenden Unglücksraben unterhalten hatte. Und danach gab es keine Probleme mehr mit vergessenen Massensendungen und nichtbezahlten Aufträgen. Ausserdem galt dieser »Nichtbeamte« als Musterbeispiel eines loyalen Bediensteten und war alles andere als ein Pechvogel.
So paradox es klingt: Es schien, als wollte die Gewerkschaft am liebsten Angestellte haben, die freiwillig auf alle ihre Rechte verzichteten. Damit sie eine Linke nach der anderen drehen konnte!
Kollege Gaffl gab auch eine vierstellige Summe her. Sein Rayon wurde irrtümlich vergrössert. Deswegen kam er nach kurzer, unzufriedener Zeit zu den Verteilern, also in C-Verwendung.

Ich hingegen war zu blöd, um mir das Wohlwollen zu erkaufen, und beendete das fruchtlose Gespräch um eine zusätzliche Abfindung für meinen Gewerkschafts-Vertreter. War immer noch in D eingestuft und sammelte trotz meiner B-Matura Absagen, wenn ich um Höherverwendung ansuchte.

Ein Wahlzuckerl Blazinas war, dass während seiner Amtszeit im Postamt 1130 die Auswurfzeiten nicht verlängert werden sollten.
Zuerst wurde die Bezahlung für die »freiwilligen« Dienste beschnitten. Wir bekamen von einem Samstag auf den anderen fürs Zeitungen Austragen nur noch etwa die Hälfte der Überstunden bezahlt. Und Arbeitszeitverkürzung war in aller Munde. Bei uns wurden die Auswurfzeiten verlängert. Wir kartierten dann eine halbe Stunde länger, was zweieinhalb Wochenstunden zusätzlich bedeutete. Und wenn man bedenkt, dass diese Post auch noch ausgehoben, eingefächert, eingeteilt und zugestellt werden muss, vervierfacht sich diese Zeit.

Eine Unterschriftenaktion wurde gestartet. Siebzig von vierundsiebzig Kollegen fühlten sich von der Gewerkschaft nicht mehr richtig vertreten (=alle ausser den Vertretern, die am liebsten sich selbst vertraten). Die Unterschriftenliste wurde in die Direktion zur Gewerkschaftszentrale geschickt.

Kollege/Obmann/Bundesrat Norbert Tmej schäumte. Wurde gerade beim Schätzen einer Perlenkette gestört. Wütend schleuderte er die Kette auf den Boden. Der beistehende Zentralsekretär schäumte auch, da es sich um seine Perlenkette handelte, die er anlässlich einer Dienstreise nach China, am Platz des Himmlischen Friedens, erhalten hatte. Die Unterzeichneten drohten an, die Gewerkschaftsbücher zurückzusenden und auszutreten. Kollege/Obmann/Bundesrat versprach, den himmlischen Gewerkschaftsfrieden zu beenden und den Ärschen mit den Gewerkschaftsbüchern Feuer unterm Hintern zu machen. Der Zentralsekretär meinte, er sei der Arsch und mit dem Feuer unter dem Hintern gemeint und feuerte zurück. Getroffen! (Diese Geschichte ist frei erfunden und rein hypothetisch. Jede Ähnlichkeit mit Vorfällen am 6. April 1989, als Bundesrat Norbert Tmej in der Generaldirektion angeschossen wurde, ist rein zufällig, absolut ungewollt und entspringt lediglich der Phantasie des Autors; Anmerkung der Rechtsvertretung.)

Vorerst trat niemand aus, und es wurde nichts mit der Bücherverbrennung. Der Initiator der Unterschriftenaktion wurde Bezirksrat der Grünen Alternative in Penzing. Hatte seine politische Karriere als Jugendvertrauensbeamter der Gewerkschaft gestartet.

Nicht verboten war es dem Liebkind der Gewerkschaft und der Amtsvorstehung, während der Dienstzeit auf dem Postamt Haare zu schneiden. Dafür wurde ihm eigens bei seinem Zustelltisch eine Steckdose montiert – und angeschlossen. Die Gewerkschaft sprach sich gegen eine eigene Kaffeemaschine beim Kartiertisch aus. Folglich waren sie den Zustellern verboten. Wie verdiente dann der Verteiler das Geld fürs Frühstück, wenn sich alle Kollegen ihren Kaffee selbst brauen und vielleicht jeder sein eigenes Süppchen kochen würde? Oder hätte man die Versorgung der Überstundengeier einstellen sollen? Wenn sie seit vier Uhr früh Überstunden machten und pro Bier einen oder zwei Kaffee probierten. Immerhin brachten sie es manchmal auf über vierundzwanzig Arbeitsstunden – noch dazu an einem Tag. Sollte man diese arbeitsamen Geschöpfe, die es zu Hause nicht aushielten, verdursten lassen? Arbeit gab es genug. Seltsam war nur, dass alle, die bis achtzehn Uhr kartierten, eine Menge Überstunden bekamen, während alle anderen leer ausgingen, obwohl sie tags darauf mit doppelter oder dreifacher Post voll ausgingen – war ganz normaler Dienst.

Deswegen wurden die Überstundengeier auch Kollegenmörder genannt. Diesen musste Stärkung in Form von Kaffee und Bier verkauft werden, damit sie nicht schlapp machten. Wo kämen wir hin, wenn jeder selbst eine Kaffeemaschine hätte? Und einen Kühlschrank. Und eine Schermaschine, und einen Rasierer undundund.

Achja! Fünfunddreissig Krügel im Schatten. Aber am Postamt gab es keinen Schatten, sondern Abhilfe mittels eines Ventilators. Diesen liess der Leiter der Zustellabteilung [mit Sanktus der Gewerkschaft] oberhalb seines roten Kopfes montieren – und anschliessen. Wenn er in Rage geriet und sein Kopf noch röter wurde, ventilierte er seinen Zorn. Ich kämpfte gegen Windmühlen und hoffte, diese würden ihren Betreibern auf den Kopf fallen.

Überhaupt nichts auf unserem Postamt ging ohne die Gewerkschaft. Jede Versetzung oder Höherverwendung brauchte deren Segen. Durch sie wurde alles erst möglich. C-Beamtinnen konnten ohne weiteres in B verwendet werden. Junge Innendienstlerinnen bekamen Kuraufenthalte bewilligt. Mittdreissiger konnten mit der Leitung der Zustellabteilung betraut werden, obwohl es genügend Kandidaten mit besseren Voraussetzungen und mehr Dienstjahren gegeben hätte. Ohne Gewerkschaft lief nichts. Das wusste selbst der Dümmste. Deswegen waren in meinem letzten Postjahr, ohne dass ich es zu diesem Zeitpunkt schon wusste, auch 98,6 Prozent aller Beschäftigten ÖGB-Mitglieder. Ich, als dümmster Mitteleuropäer, legte mich mit diesem Staat im Staate an. Als wollte ich allein gegen die Mafia kämpfen!

Dieses Buch bringt allen was!

Leseprobe von ZUGABE | Seite 248

Dienst-Beschreibung | Seite 237

 

--Nur noch 1 Klick entfernt: JETZT WIRD RABATT GEMACHT.

kaweis Postreport
»Der Missbrauch des aufrechten Ganges«
von Karl Weidinger
[vollprivatisierte 4. Auflage – All Letters Totally Remixed!] mit 256 Seiten, Hardcover, gebunden, färbiger Schutzumschlag, mit Illustrationen von Andreas Rampitsch, Vorwort von Herbert Hufnagl, ISBN-3-901561-18-8.





JETZT WIRD RABATT GEMACHT,
BIS DIE GANZE BUDE KRACHT...

So simpel wie möglich:

1 kawei.Buch um 18 Euro.
2 Bücher = 30 Euro [Ersparnis 6 €]
3 Bücher = 40 Euro [Ersparnis 14 €]
[ab dem 4. Buch ist 1 gratis = bei 5 Exemplaren jedes Buch um nur 10 Euro].

Ins COVER KLICKEN und BESTELLUNG MAILEN – oder zum BESTELL-CENTER.

--BESTELLUNG am schnellsten per EMail

--go HOME
--zum BESTELL-CENTER
--eMail to kawei.txt