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»KAWEIS POSTREPORT – DER MISSBRAUCH DES AUFRECHTEN GANGES«

[Leseprobe, Seite 182]

Kleinkriege, die mich kleinkriegen sollten

Ich betrat das Örtchen, wo schon die anderen warteten. »Wer ist der Letzte?«, fragte ich wie beim Doktor. – »Du bist das Letzte«, gab ein fürwitziges Häusel am Häusel zur Antwort vorm Abort. War der Witze erzählende Gaudimax, und ein anderer seufzte: »Jetzt san ma komplett!«

Zuviel Betrieb, zuwenig Muße! Ich ging wieder zurück zum Kartieren und liess etwas Zeit und einen Furz verstreichen. Um dreiviertel Sieben herrschte noch immer rege Geschäftigkeit auf der postamtlichen Entleerungsstelle genannt Klo.
Nach einiger Zeit, die mir schier endlos vorkam, kam ich an die Reihe und trat ein fürs Geschäft und sperrte zu und bändigte die zu kleine Posthose auf die Knie und setzte mich. Könnte ja vorkommen, dass ich meditierend verschlief und träumte, auf dem Klo zu sein und mich vielleicht unabsichtlich entleerte! Ich gedachte meines Vorgängers Jo Mucki und nahm sein hartes/weiches, vom Dünnpfiff angeschlagenes Schicksal als innere Rechtfertigung zu besonders langen Ausflügen aufs Klo. Für meine Vorhabungen wäre allerdings auch ein kürzerer Aufenthalt ausreichend gewesen.

Eine Woche später wunderte ich mich, dass weder Warte- noch Waschraum mit Personen und/oder Pisse überflutet war wie sonst immer. Suchte wunderlich eine Kabine auf, setzte mich und legte der Macht der Gewohnheit folgend meinen Kopf auf die Papierrolle. Und zuckte zusammen. Das ungewohnt kalte Metall erschreckte meine schläfrigen Schläfen. Im Normalfall ärgerte es mich schon, wenn das Klopapier – mit einem Vergleich aus der wunderbaren Welt der Wasserkraft und der Mühlradtechnologie besehen – »unterschlächtig« eingefädelt war statt »oberschlächtig«, wie es sich gehören würde. Nach unterschlächtiger Einfädelung kann man nämlich immer nur ein Blatt abreissen. War aber überhaupt kein Papier da. Weder falsch eingefädelt, noch richtig herumliegend.
Ich hätte nun schnorrenderweise zu den ungeliebten Verteilerbeamten um Papier betteln gehen müssen. Verzichtete. Ausserdem wäre ich wahrscheinlich – zu Unrecht natürlich – zurechtgewiesen und zusammengeschissen worden. Das ersparte ich mir lieber und betätigte unnötigerweise die Spülung und nahm einen Ortswechsel vor. Und was sah ich? – Das gleiche herz(blatt)lose Bild.

Die dritte, meine Lieblingskabine, ohne Fenster nach Schönbrunn, geheizt und dunkel, sobald man das Licht abdrehte, verfügte ebenfalls über kein einziges Blatt Papier. Das war eine Koinzidienz allererster Güte – ein Zufall der sonderbaren Kategorie. Nicht einmal die leere Rolle war übriggeblieben. Aus dieser konnte man mit etwas Geschick Klopapier herstellen, wenn man die Pappe zerstückelte und sorgfältig teilte. Wie schon so oft, wenn man sich nicht vergewissert und auf die Gründlichkeit der Wirtschaftsabteilung vertraut hatte. Dann blieb nur noch die umbaufähige Klopapierrolle, die nicht allzu sehr zweckentfremdet werden musste.

Der Wirtschaftler hatte keine Zeit für solche Dinge, da er sich lieber, eine Türe weiter, in »Speising« dem Gegenteil widmete. Gottseidank hatte ich etwas zu lesen mit: Die Zeitung, die alles macht.

Das Kaliber passte genau für meinen Zweck. Manche sagen, sie wäre die Krone der Schöpfung – andere sagen, sie wäre voll für den Arsch. Genau!

Die Seite neunzehn der Lektüre wanderte an meiner lecken Türe auf und ab und verkam so zur Lecktüre. Nur etwas grob, das Papier könnte weicher und saugkräftiger sein!

Zum Drüberstreuen: Das verwendete Exemplar war die Zeitung von Waltraud Haas. Dieser Umstand bereitete mir einen zusätzliche Lustgewinn, und »Hasi« bemerkte die fehlende hintere Seite gar nicht. Denn wieder rein stecken in die Zeitung zum anderen Zeug wollte ich die echt-braune Seite doch nicht. Erinnerte mich noch recht gut an den Wirbel um den findigen Ferialpraktikanten mit dem gelösten Rätsel.

An der Papierarmut änderte sich in den folgenden Tagen und Wochen nichts – rein gar nichts! War das schon der Psychokrieg gegen mich? Angezettelt von der Gendion, damit ich nicht mehr wertvolle Kartierzeit am Posthäusel vergeudete? Oder waren das die Sparmassnahmen, um unser verschuldetes Staatsbudget zu sanieren? Oder hatte wer ganz einfach vergessen, genügend Klopapier von der Wirtschaftsstelle in der Direktion zu ordern? Über drei Wochen gab es kein Blatt Klopapier in der Zustellabteilung! Not macht Postlerfinderisch.

War eine Hinternweide, was da alles verwendet wurde. Von übriggebliebenen Bezirksjournalen über Seitenteile der Amtlichen Telefonbücher bis hin zu den posteigenen Handtüchern. Ohne die Kollegenschaft mühsam zu interviewen und hartnäckig zu befragen, begann ich mit dem Spurenlesen auf dem Klo – wie Wiennetou (aus Wien) in der Prärie.

Die Scheisszellen waren mitgenommen und malträtiert wie die Wüste nach einem Sandsturm. Da wehten Wisch-Resteln herum wie Gestrüppballen über den Duellplatz und stoben nach unvorsichtigem Türöffnen, durch den Luftzug entfacht, beim immer geöffneten Fenster hinaus.

Ich erfreute mich nun meiner Lektüre, die ich jetzt offiziell mitnehmen musste, und brauchte noch länger zur Defäkation, samt anschliessendem Reinigungsvorgang. Wenn es nicht mit zu vielen Gefahren verbunden gewesen wäre, hätte ich den Dienstweg in die Amtsvorstehung missbraucht, um die Toilette im zweiten Stock aufzusuchen.

(Nein, nicht was Ihr denkt: Nicht zum Scheissen gehen, sondern nur als Beute- oder Triumphzug, infolge papierener Beschaffungskriminalität!) Sicher hätte man sich darüber erzürnt: Was ich mir einbilde, die Toilette des Herrn Regierungsrat zu benutzen!

Sicherlich hatte dieser massenhaft Papier in seiner einsamen, unbenutzten Klause. Hatte mir gegenüber erwähnt, dass er immer zuhause, abends nach der Zeit im Bild, während der Werbung, das Örtchen aufsuchte und nie länger als bis zur Kultur brauchte.

Oder um es frei nach Brecht zu sagen: Erst kommt das Scheissen, dann kommt die Kultur!

Einige wackere Kollegen hatten sich eigenes Toilettenpapier von zuhause mitgenommen. Natürlich mussten sie weniger gut ausgestatteten Amtskameraden von ihrem Schatz abgeben, bis auch dieser verbraucht war. Nur der »Goldgräber« blieb ruhig, er schien diesen Zustand von seinem Schürfgebiet auf Rayon 26 gewohnt zu sein, wo er sich im Yukon, dem Lainzerbach, säuberte und wahrscheinlich auch rein machte!

Interventionen und Streikdrohungen verpufften wirkungslos wie ein Flatus im Forest, ein Darmwind im Dickicht, ein Furz im Tannenhain, eine Blähung in der Botanik oder ein Schas im Wald. Wenn ein Amtsgenosse einmal zu oft urgierte, kam er sofort in schlechten Geruch. Nicht, weil er nach unzureichender Säuberung roch, sondern weil er gleich als (Hosen-)Owezahrer vernadert wurde. Deswegen dauerte es eine ganze Weile, bis sich unsere Diensthintern mitsamt der Postarschlöcher wieder an flauschigem Herzblatt-Toilettenkrepp erfreuen konnten. Aber bis dahin war es die beschissenste Zeit auf diesem verdammten Scheisspostamt.

Dieses Buch bringt allen was!

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kaweis Postreport
»Der Missbrauch des aufrechten Ganges«
von Karl Weidinger
[vollprivatisierte 4. Auflage – All Letters Totally Remixed!] mit 256 Seiten, Hardcover, gebunden, färbiger Schutzumschlag, mit Illustrationen von Andreas Rampitsch, Vorwort von Herbert Hufnagl, ISBN-3-901561-18-8.



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