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BEST OF VERÖFFENTLICHT:

»KAWEIS POSTREPORT – DER MISSBRAUCH DES AUFRECHTEN GANGES«

[Leseprobe, Seite 164]

Nicht rar, aber immer rarer

Gab aber auch noch andere, mit denen der Amtsdirektor überhaupt nicht zufrieden war: Mein Vorgänger war Jo Mucki und schwer alkoholkrank und ernährte sich von viertellitrigen Kellerknirpsen und machte sich nach einem kurzen kannibalischen Frühstück – ein »Kellerknirps« beim Fleischhauer – ans Zustellen; und da dies nicht immer reibungslos, aber immer öfter mit Verspätung ablief, häuften sich die Beschwerden. Jo Mucki konnte nicht mehr. Statt Unterstützung bekam er die Kollegialität des ÖGB zu spüren. Anstelle medizinischem Beistand wurde ihm die Hilfe der Gewerkschaft zuteil. Er kaufte Bier und Wein immer beim gewerkschaftlichen Verteilerschalter. Wenn er nichts mehr kriegte, weil er schon merklich Schlagseite hatte, schickte er einen jüngeren Kollegen, der dann anstandslos die gewünschten Getränke bekam. Jo Muckis Verfehlungen füllten Bände und Künetten. Einmal stolperte er und fiel mitsamt seiner Post in eine unzureichend abgesicherte Baugrube. Oder er bekam überraschend dienstfrei, weil er auf dem Postklo die Posthose nicht mehr rechtzeitig aus der »Gefahrenzone« hatte bringen können und sich beim Entleeren vollgemacht hatte.

Nach einigen Monaten hatte der Amtsdirektor den armen Jo Mucki zum Westbahnhof abgeschoben, hatte mit einer Disziplinaranzeige gedroht, falls Jo Mucki das vorgeschriebene Versetzungsgesuch nicht unterfertigen wollte. Ein unstillbares Verlangen. – Endstation (Sehn-) Sucht! – Von der Sprache Goethes in die Shakespeare 'sche richtig übertragen: »Railhead Yearning«: Der Bahnhof lockt. Ein Strassenbahn namens Verlangen, würde es Tennessee Williams nennen, aber für mich war es nur: Eine Scheisse namens Westbahnhof. Der Job bei den Briefträgern war nichts mehr für Jo Mucki. Kam ins Ausgedinge, bekam das harte Gnadenbrot und doch noch den wohlverdienten... Und wenn er nicht gestorben ist, dann säuft er noch heute.

Endstation Verlangen (Railhead Yearning)

Ähnlich erging es einem weiteren Kollegen, der von den Studiosi liebevoll »penis okularis« genannt wurde. Von der Sprache der angehenden Akademiker in die der Briefträger übertragen, hiess das Nudelaug. Das »Nudelaug« war intelligent/gebildet/belesen. Fähigkeiten, die für die Post nicht gerade von Vorteil waren. War ein ausgezeichneter Schachspieler und kannte Zitate aus Theaterstücken und Opern. Hörte Ö1 und rauchte A3. Zum Schluss wog er weniger als ein Kind und war hilfloser als ein Baby, nuckelte aber unentwegt an der Flasche wie ein Säugling. Die Posthoheit fand es an der Zeit, sich von ihm abzunabeln.


Vielleicht vertrug er das rüde Amtsklima nicht? Er liess sich andauernd volllaufen und war sehr selbstironisch. Als gelernter Goldschmied endete er bei der Post. Zum Schluss hatte er sogar Wasser in der Lunge, obwohl »er nie Wasser getrunken hatte«. Ein gnädiger Anstaltsarzt schrieb ihn für den Zustelldienst untauglich. Und so kam »Nudelaug« schlussendlich auf den Westbahnhof und musste dort in Tages- und Nachtschichten, acht Stunden lang, ankommende Postlastwägen ausladen. Im Vergleich dazu ist das Zustellen doch ein Morgenspaziergang und eine leichte Tätigkeit, die auch von Frauen ausgeübt werden kann. Hoffentlich konnte er auf dem Westbahnhof seinen Humor behalten.

Eine Scheisse namens Westbahnhof

So wie früher. Er rannte durchs Postamt und schrie: »IbinaTrottel-ibinaTrottel-ibinaTrottel!« - Beklemmende Ruhe. Jene Ruhe vor dem Sturm. Wie immer, wenn ein Aussenseiter der Gesellschaft - jenseits der gängigen Dummheit in ihrer etablierten Normalität - auf sich aufmerksam macht. Sofort fand sich die Ansammlung geistiger Minderleister, vereint durch Hierarchie und Hackordnung, ein. Galt es doch, Spass zu haben auf Kosten eines Einzelnen, der Masse Unterlegenen. Die Stimmung war am Überschwappen, bevor ein poetisches Meisterwerk - mit kurzem U - folgte: »Fut Nur Gut Wenn Stinken Tut«

Da hatte irgendjemand schon etwas von Ernst Jandl gehört. »Nudelaug« lobte seine zuletzt gehabte, die demzufolge sehr gut gewesen sein musste. - Schluchzendes Gekicher. Sobald dies verebbt war, setzte die Geschichte dahingehend fort, dass dem »Nudelaug« sein Sexualleben mit einem Löwenzahn vergleichbar sei. Auflösung: Nach einem Blaser (Oralsex) sei bei ihm aller Same wie weggeblasen. Da ging es zu wie beim Tennis. Aufschlag - Volley. Jeder Schmäh jagte die Schmähung. Abserviert wurde gemeinsam durch kollektives Johlen.

»Nudelaugs« Lieblingssprech hatte die Theorie der Differenz zwischen Mensch und Hund bezüglich der Wirksamkeit der Gravitationsrelevanz zum Inhalt. Beim Hund, so hatte er erf-orsch-t, gehorche der testis sinistris stärker den Gesetzen der Schwerkraft, während beim homo sapiens der testis dextris eher dem Erdmittelpunkt zustrebe. Von der Sprache der Forscher in jene der Verarscher übertragen - oder in Amtssprache ausgedrückt: »Beim Hund hängt s linke Ei weiter runter und beim Menschen s rechte.« Sowas interessierte mich immer! Er hatte seine Kenntnisse aus Sauna- und Zustellgängen. In der Schwitzkammer machte er einst sieben (Bier-)Durchgänge, bis er einem unter ihm Sitzenden/Schwitzenden auffiel. Er fiel auf ihn, was diesem gar nicht gefiel, da er es gerne heiss, aber weniger gern warm hatte.

Das andere wusste er von friedlichen Hunden, die er während des Zustellganges beobachtete. Darüber konnte er sehr lange in den Amtsräumen philsophieren, bis der Amtsdirektor den nudelaugigen Ovo- oder Evolutionstheorien Einhalt gebot und diese Provokationen samt dahinter stehenden Postosophen zum Westbahnhof verfrachtete. Vorher erstattete der Amtsdirektor noch Disziplinaranzeige wegen Trunkenheit im Dienst, die dem Kollegen dank Gewerkschafts-Anwalt zehntausend Schilling Disziplinarstrafe, zahlbar - bar - in zehn Monatsraten, eintrug. Der Amtsdirektor räumte auf. Zahn um Zahn. Und Nudelaug um Nudelaug.

Dieses Buch bringt allen was!

 

 

WEITERFÜHRENDES

Klappentexte aus kaweis Postmappe

Vorwort von Herbert Hufnagl | Seite 4

Leseprobe | Seite 130

Leseprobe von Seite 164

Leseprobe | Seite 182

Leseprobe von ZUGABE | Seite 248

Dienst-Beschreibung | Seite 237

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kaweis Postreport
»Der Missbrauch des aufrechten Ganges«
von Karl Weidinger
[vollprivatisierte 4. Auflage – All Letters Totally Remixed!] mit 256 Seiten, Hardcover, gebunden, färbiger Schutzumschlag, mit Illustrationen von Andreas Rampitsch, Vorwort von Herbert Hufnagl, ISBN-3-901561-18-8.



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