TEXT|LIFE of KAWEI •|highlights •|web •|print •|books •|krimi •|postreport •|werbegang •|mail-besteller


BEST OF VERÖFFENTLICHT:

»KAWEIS POSTREPORT – DER MISSBRAUCH DES AUFRECHTEN GANGES«

[Leseprobe: ZUGABE, Seite 248]

Hello Werbung, Goodbye Post.

Das übl(ich)e Postlerleben geht weiter, aber du bereitest deinen Abschied vor. Dir wird das alles zuviel. Musst Prioritäten setzen. Krankenstand, längerfristig. Frühpension, meint Schatzi. Das willst du nicht, weil du dich dann später mal für diese unbotmässige Erschleichung rechtfertigen müsstest. Ausserdem siehst du es als Gnade an, von deiner Galeere, die sich Post nennt, als RuderSklave abspringen zu können und nicht unterzugehen oder gar abzusaufen. All die Zeit bei der Post – bei aller Völlerei – war eine grosse Leere für dich. Die Werbeagenturen auf deinem Rayon waren aber sowas wie Vorbestimmung. Du liest: Besser mit 20 Job hoppen als mit 45. Du hattest bei der Post nix verloren. Hast also auch nix mehr zu verlieren. Ausser Pragmatisierung, PensionsAnspruch, LebensStellung, Vorrückungen, BiennalienSprünge, fixer Gehalt und dergleichen Scherze mehr. Du willst gewinnen und ein bisschen texten. Also musst du von der Post – mehr oder wenig freiwillig – von Bord gehen.

Speedy ist ein Freund von dir, der trotz seines Geschwindigkeit verheissenden Spitznamens die Sicherheit nicht ausser Acht lässt. Das bezeugt ein ordenverziertes Postwagerl, auf dem eine Plakette über »10 Jahre unfallfreies Fahren« prangt. Die Auszeichnung für öamtc Mitglieder fiel aus einem Brief heraus (har-har!). Ein Jahrzehnt »unfallfrei« mit dem Postwagerl muss ihm erst einer nachmachen. (Jo Mucki verunfallte in eine Künette mitsamt Postwagerl!) Speedy geht auf dem 4er Rayon austragen. Du auf dem 12er. In Hietzing hat jeder Zustellbezirk einen eigenen Nicknamen. Wie die Züge der Bundesbahn Pendler, Gepäckstücke und Namen von Lyrikern tragen wie Gottfried Keller (immer noch besser als G.KellerAbteil), Hugo v. Hoffmansthal, Stefan Abzweig, Karl Heinrich Waggonerl etc.

Dein 12er ist der André Heller. Der 4er der Hans Moser, der 11er der Heinz Conrads, der 33er der HansKrankl usw. Du verabredest dich mit dem Speedy auf seinem Rayon zum Abschiedfeiern. Auf dem 4er gibt es noch an Prominenz den Filmregisseur Franz Novotny, aber der tut nichts zur Sache, wenn er nicht gerade zufällig ein schlechtes Pferd für einen guten Film erschiesst (oder umgekehrt). Ihr trefft euch zu deinem tränenreichen AbschiedsEssen in der »Villa Hans Moser«. Die Postdirektion weiss noch nichts davon. Weder vom gemeinsamen Essen noch von deinem geplanten freiwilligen Austritt, der eine Selbstkündigung wird, da du ja schon die längste Zeit unnötiger Weise pragmatisiert bist. (Irgendwie fühlst du dich als 1. MobbingOpfer, obwohl es den Ausdruck noch gar nicht gibt!)

Die Krönung der Behaubung. Endlich tut ihr das, was nur Gäste und Flugzeuge können, und ihr trudelt in der behaubten Behausung des Hans Moser ein. Im früheren Leben – nach Auswanderung und Ableben des Mimen, der mit bürgerlichem Namen Jean Julier geheissen hat – war statt einem Fresslokal in dieser Hütte die Botschaft von Zaire untergebracht. Aber weil die alle zu neg-- also, weil sie kein Geld hatten, wurde den Ambassadores die Herberge aufgekündigt, ein Feinkosttempel daraus gemacht und dem Ganzen eine Haube aufgesetzt. Dort tut sich normaler Weise nie etwas, nur einmal (=heute) schaut das wirkliche Leben vorbei in Form gewöhnlicher Menschen. Die wahre Krönung soll erst durch eure Aufwartung in Form einer Heimsuchung erfolgen. Mit Würde... Würde dem Fass die Krone aufsetzen!

Das wissen weder Speedy noch du. Ihr dürft essen, was ihr wollt. Irgendwer, der sich grossspurig »Maitre« nennt, würde euch gratis bekochen. Das hat Speedy so vereinbart. Hans Moser kennt er nur aus den Erzählungen der Briefträger, wenn von dessen sprichwörtlichem Geiz die Rede ist. Film von ihm hat er noch keinen gesehen. Nur die Getränke wären für euch Briefträgers im BeinaheStatus von Angestellten zu bezahlen. Das kann ja nicht die Welt sein! Also geht ihr frisch ans Werk und schreitet in Zivil – das war vorher vom livrierten Personal, mit dem ihr euch blendend versteht, ausdrücklich gewünscht worden – zur Tat, zur Tafel, dass sich die Tische biegen sollen. Und die Balken auch, weil ihr euch soviel gegenseitig zu erzählen habt. Speedys Freundin hat Lippenstift in der Farbe »SportCabrio« aufgetragen.

»Siehst aus wie a Model!« – Zu dick aufgetragen; ein Sportmodell? Nein, wie a Beauty! Nicht nur ein gewöhnlicher Typ, stellst du gleich unter Beweis, was du schon in der Werbung gelernt oder zufällig aufgeschnappt hast.
Dein Ding, äh deine Nase wird länger.
Auch etwas zu dick aufgetragen. Du bekommst gleich einen Testarossa, einen roten Kopf. Speedys Dusn kommt schon besoffen an und wird noch betrunkener, was du zuerst gar nicht für möglich halten kannst. Das geilt dich auf. Man sieht ihr an, dass sie mit einiger Regelmässigkeit zum Glas greift. Speedy spricht und plaudert es aus: »Wenn s’ die Regel hat, issi imma a Wochn ongsoffen, owa die restliche Zeit rührt s’ nix an, ausser meinen...«
So genau willst du es nicht wissen und schon gar nicht näher darauf eingehen, also fängst du aus Notwehr an, über dein Lieblingsthema zu sprechen.
Du redest über Werbung, als würdest du schon 20 Jahre nix anderes machen. Du brillierst in Unwissenheit und Dummsprech – aber bist brillant. Dozierst dich weg wie ein präpotentes Arschloch, das an der Uni Vorlesungen abhält. Endlich kommt zu euch der bekömmliche Gruss aus der Küche. Amüsierkeule, sagt der Ober und verharrt verweilend, ebenso unverfroren wie eingefroren erwartungsvoll blickend.

Speedys Freundin ergreift Besteck/Initiative/Wort: »Muass do ollas franzesisch stengan? Geht des net auf Deitsch a?«
Da weisst du auch keinen Rat, fürchtest dich vor dem fuchtelnden Messer. »Irgendwas«, bestellt Speedy.
Der Kellner im Frack nickt und macht sich auf den Weg, eine Runde Bier und Spritzer, deine Bestellung, zu bringen. Fernet gibt es nicht, weil es in einem HaubenLokal nur exquisite (schon wieder so ein französisches Wort) Küche und ebensolche Gerichte gibt, mit denen man sich nicht den Magen verderben kann, und deswegen würde auch kein Magenbitter geführt bzw. vor dem Essen gereicht. Aber Rotwein, der von ihnen, wäre auch ganz gut. Das reicht dir schon! Ein schlichtes Nein zum geäusserten Wunsch hätte auch gereicht. Du nimmst es mit Gelassenheit und einem »bitte, bitte einen bitteren Bitter!« zur Kenntnis und bekommst Sekunden später ein Bitter Lemon, mit dem du schon garnix anfangen kannst. Also bestellst du einen anderen Schnaps und bist froh, nicht auch noch den Reim »aber einen Liter« in deinem Übermut angehängt zu haben!

»Aperitif, nohoh Digestif, uhhm«, sagt der Pinguin und watschelt hinter die Theke und kommt wenig später wieder mit einer Runde Klaren. Ihr prostetet wie noble Leute, und die Tafelrunde trinkt gleich aus. Nur du schüttest den Schnaps ins BitterLemonGlas, damit alles seinen Sinn hat, und fühlst dich wie ein feiner Pinkel. Speedys Freundin hat schon wieder was auszusetzen. (Wäre besser, sie würde beim Trinken aussetzen.) Ruft nach dem Gaston, äh Kellner, nein Ober. »He, du sogst an Ditschestif, dabei is des a gonz a nurmaler Obstla. Hearst Oida, verorschen konnst sunstwen, owa net mi!«, feuert sie eine feurige Breitseite nach dem Feuerwasser ab. Der Kellner richtet sich seinen HemdBug merklich indigniert wirkend und kann diesen Umstand kaum verbergen. »Gnä Frau-uhu, IST Vogelbeerenschnaps, kein Dige-, ein Aperi--egal!«
»War« sagst du, nachdem er entfleucht ist.
»Hä!«, fragt dich dein unwissender Kollege, nachdem euch seine Freundin in Richtung (schon wieder so ein französisches Wort!) Toilette verlassen hat. »War – Mitvergangenheit oder mit Vergangenheit – wurscht! Jetzt ist er vergangen und mir is des Essen vergangen, Speedy, warum hom mas net umgkehrt g'mocht: Saufen gratis und des Fressen zoima! Warat büllicher, du oida Pülicher«, stabreimst du im Zustand fortgeschrittener Lustigkeit, als hättest du einen in der Krone (einen Hausmartin?/Wolf?/Rausch?). »Werma umdisponieren!«, sagt Speedy auch schon etwas angeschlagen. Vergisst aber sofort wieder darauf, als... Als dir sichtlich auffällt, dass Speedys Freundin keinen BH mehr anhat, nachdem sie vom Klo zurück torkelt. Ihre Hängeduttel streben der Schwerkraft gehorchend dem Erdmittelpunkt zu. Die beiden Nippel beulen die Bluse aus und blicken angriffslustig in deine Richtung – so, als wollten sie angegriffen werden. Während jetzt auch Speedy aufs Klo »abschlauchen« geht, nimmst du die zuvor beschriebenen Gegenstände etwas näher in Augenschein. Du hast in schlaflosen Nächten eine Kategorisierung der unterschiedlichen Charakteristik der Mammalien erfunden. Es gibt drei Gruppen, komischer Weise fand die Klassifizierung in Piringerisch – deiner Urheimatsprache – statt und kann nicht übersetzt werden. Abhilfe bietet am ehesten ein etymologisches Wörterbuch oder ein KurAufenthalt in Piringsdorf: Also, hier die drei Gruppen mit den drei Unterduttel-- äh Untergruppen:


__ 1|_Miberl___ __ __ 2|_Streuer__ _3|_Woscher

__ 1|1 Gölissendippl__ 2|1 Tolln ___ _ 3|1 Ruibm
__ 1|2 Mausfäust___ _ 2|2 Kropfn__ _ 3|2 Striezel
__ 1|3 Polsterzipf ____ 2|3 Schupfer _ 3|3 Bagunder


Dein grösster Traum und Karrierewunsch wäre es, mit dieser festgelegten Ordnung einer eingehenden Katalogisierung in die Geschichte einzugehen und deinen Dutteltester, eine Bretterwand mit ausgeschnittenen Löchern, patentieren zu lassen. Oder wenigstens einmal bei Gerti Senger der Öffentlichkeit präsentieren zu können. Und eventuell, wenn Zeit bleibt, einen Reim noch dazu:
»Die Gertchen hat ein Bärtchen. Das zeigt sie ihrem Bertchen dann im Gärtchen!«

Speedy kommt vom Häusl zurück, noch bevor du zur Erkenntnis »Striezel« gekommen bist, und befindet sich mit dem Kellner auf Kollisionskurs, der aber aus einer unbestimmten Vorahnung heraus dem CrashKurs ausweichend entgehen kann. Speedy wird durch das jähe Manöver etwas aus seiner Umlaufbahn geworfen und streift im Vorbeigehen einen Sesselhaxen. Der darauf weilende Gast dreht sich den Inhalt eines Löffels MorchelTerrine oder sowas Ähnlichem auf Französisch über sein Hemd und die Schalkrawatte von Adelmüller. Das hälserne Schmuckstück schaut aus wie vom Fadlmüller (Ferkelmüller, für hochdeutsche Leser, die sich ans legendäre Diner erinnern sollten!).
»No pardon?«, souffliert der Angeschüttete auf Esperanto, wahrscheinlich auch jemand aus der Werbung, den du noch nicht kennst. Du prägst dir das Gesicht ein und willst in deinen WerbeZeitungen nachsehen, falls du nicht darauf vergisst. Speedy par(l)iert die Anrede im Vorbeitaumeln (da er nicht des Französischen mächtig ist, obwohl die Sprache der Post französisch ist) mit einem simplen »Geh scheissen, Oarschloch!«, was aber wiederum der solcherart Angesprochene nicht verstehen kann oder verstehen will, weil Speedy schon zu weit weg ist. Seine asymptotische Umlaufbahn nähert sich wieder eurem Tisch, und ihr bestellt noch eine Runde, nur das BitterLemon brauchst du sicherlich nicht mehr dazu.

»Und nimm de Floschn mit, sunst host a Floschn, du Floschn«, mischt sich Speedys StriezelBesitzerin ein. Der Kellner, der sicher auch einen CrashKurs mit unliebsamen Gästen gemacht hat, schwirrt heran und sagt im geheimnisvollen Flüsterton, aber immer noch gutmeinend: »Bitte meine Herrschaften, die anderen Gäste, is eh okay, owa, uhuhuuuh!« Er endet mit lautem, leidenden Ausatmen. Dann spricht er nicht weiter. Glücklicher Weise ist es noch früh am Abend und der Hochbetrieb noch nicht ausgebrochen. Ihr könnt ihn gut leiden und habt mit ihm Mitleid.
»Du trinkst jetzt an mit uns mit«, sagt Frau Speedy etwas anlässig. »Uihhhm, ich darf nicht im Dienst«, sagt der Ober echt bedauernd. »Derfma olle net, tamma trotzdem«, sagst du einlenkend/einschränkend. »Samma da net guat gnua?«, sagt Speedy mit fragendem Blick. »Nein, meine Herrschaften, ich bitte Sie!«, sagt der Ober. Speedy nimmt ihm gleich die Flasche ab und schenkt ins zuvor leer getrunkene Glas einen Schnaps ein, wobei er leider die Markierung genauso wie den Oberrand übersieht und das Gefäss zum Überquellen bringt, weil er – sicher-ist-sicher – mit dem Ober am Rand das Tisches den Blickkontakt weiter unterhält.

Speedys Schatz beargwöhnt den EinschenkVorgang mit Kennerblick aufs Label und hat die letzten Gesprächsfetzen immer noch nicht abgehakt und vergisst sogleich ihre eigene Etikette: »Wos redest von an Ditschestiff, wonn Vogelbeer auf’n Etikett steht, du Vogel. Des is ka ausländischer Schnops! Es muass net ollas besser sein, nur weul’s ausm Auslond is!«
Der Vogel im Frack, einem SüdpolBewohner nicht unähnlich, weiss sich kaum mehr zu helfen, kann sich jedoch im selben Ausmass beherrschen, wie ihr euch zu benehmen wisst. Er trinkt zur SchmerzBetäubung das Stamperl aus und versucht die Flasche wieder in seine Obhut zu bekommen. Ein etwas resoluter wirkender Kellner eilt zum AssistenzEinsatz und sagt mit Schmäh: »Gestatten, wir brauchen die Flasche zum Einschenken«, und zum hilflosen Kollegen »es sind auch noch andere Gäste da!«

»He, do bleibm!«, protestiert Miss Striezel. Der neue Kellner hat geschickt im Umgang mit schwierigen Gästen die Flasche gleich zu Beginn der Rede in seine Gewalt gebracht. Hat zuvor das ÜberraschungsMoment weidlich ausgekostet wie ihr den Schnaps. Im selben Atemzug hat er die Speisekarten ausgeteilt. Du blickst dich hilfesuchend um und nimmst das NahrungAngebot der äsenden Umgebung in näheren Augenschein. Der Küchenchef hat den umgekehrten Werbe- oder Werdegang von dir gemacht. Der ist eigentlich mehr Grafiker als Koch, weil er sich sichtlich mehr für das Layout auf den Tellern interessiert. Zu seinen Unarten gehört auch die beliebte Verwendung des ElektroMixers bei allen Suppen und Saucen. Alles ist püriert, kannst du noch ausnehmen, bevor Speedy dich aus deinen Nachforschungen reisst.

»Die Spei---Karte«, Speedy hält lachend zwei Buchstaben zu. Der alte Kellner wird wieder aktiv und erschaudert. Rücksichtsvoll gehst du gleich ins Dokument hinein. Kaninchenrück-, Lammrück- und sogar Steinbuttrücken. Bis zum LungenFilet vom KiemenAtmer. Nach der Rückenabteilung kommen die Schwänze: Ochsen-, Krebs- und Hummer-.
»Schweins- und Hundeschwänze hobt's net?«, fragst du mehr als nett.
Das wird zwar geflissentlich überhört, gibt aber einen kleinen Vorgeschmack auf das Kommende. Der Angesprochene schaltet schnell um und sagt äusserst forsch mit einem frischen Seufzer: »Wos wuhuillts denn essen?«
Speedys Freundin will schon »das Teuerste« sagen und kann gerade noch auf »das Beste« umdisponieren. Speedy sagt »Wurscht«, weil du nicht auf seinen Scherz eingegangen bist. Du sagst wegen der Erinnerung an deine Lieblingsspeise: »Wos hassen gach Berner Würstel auf Französisch?«
»Sosasch Bernoise, aber die haben wir sowieso nicht!« Nächster Seufzer.
»Gut, dann will ich halt ein Fleisch vom Grill, a Pfeffersteak!«
Der Kellner schaut etwas verstört, nickt aber und – richtig! – seufzt.
Speedy schaut ernüchtert und sagt »bring ma wos!«
Seine Freundin versucht krampfhaft den Kopf gerade zu halten und sagt nach einem angestrengten Versuch: »Ich kriege bitte das Selbe!«.
Du willst schon auf »das Gleiche« korrigieren und kannst das gerade noch abwenden, weil ihr sonst den restlichen Abend darüber gestritten und darunter gelitten hättet. Wäre sicher ins Auge gegangen. Du hast schon öfter erlebt, wie sich gute Freunde wegen plötzlicher Kleinigkeiten oder kleiner Plötzlichkeiten in die Haare gerieten. Trotzdem kann Einigung erzielt werden.

Das MillirahmSchnitzel gibt es nicht, »aber sowas in der Art, huuh, also ein Rahmschnitzel, pfhuhhm, bittesehr, bittegleich«.
Irgendwer findet und spricht über Foie gras (Gänseleber). Aber darüber weisst du zum damaligen Zeitpunkt auch noch nichts. Nur, dass sowas grauslich sein muss. Der Kellner bringt dann etwas, was zum Wein passt. Nachdem ihr schon Spritzer getrunken habt, kommt er dann nach zwei Zigarettenlängen mit einem riesigen Teller, so gross wie ein Wagenrad und darauf – kaum zu erspähen, so ganz allein auf weitem weissen Fluor – ein Stück rosarotes Fleisch. Stellt beide Teller ab und will sich entfernen, ohne geseufzt zu haben. Spürt instinktiv, dass es wieder einen Beanstand (ohne Anstand) geben wird. »Heh du, wos is des?«, beharrt Miss Speedy auf Klärung. »C’est la Boeuf«, sagt der Angesprochene gelernt und weiss nicht, was er euch und sich damit antut. Seufz! »Wos genau? Deppat redn konnst mit de onderen do, owa net mit mir!« »Rindfleisch vom Mastochsen, phuuh; Sie haben Rotwein getrunken uhuund das passt am besten dazu, uuuh; eh was vom Tafelspitz.« – Fast sicher.»Wüst an Spitz, dass d’ auf de Tofel fliagst?« – Sehr selbstsicher. »Nein, uh!« – Mehr indigniert als selbstsicher.
»Guat, wo isses Ketschap?« – Am selbstsichersten des ganzen Abends.
Du bist zufrieden mit deinem Pfeffersteak oder was es schon ist, obwohl es nicht wie ein Steak ausschaut. In dir tönt noch das Gesagte nach, wahrscheinlich haben sie wo sowas wie ein Boeuffet. Wurscht! Essen würde man es schon können, da bist du dir sicher. Aber ein bisschen klein ge(b)raten ist es schon, das muss man zugeben. »Wonns aso is, bringma an weissen Spritzer!«

»Nein, uuh, zu so ‘nem Essen servieren wir keinen, uuh, Weisswein!«
»Host net g´heart, Saubartel, wirst eahm an Spritzer bringen oder brauchst erst wirkle an Spitz?«, ergreift Speedys Freundin für dich Partei.
»I wüll an Spitz, an Fernetl von Spitz«, errinnerst du dich an dein LieblingsGetränk. Der Kellner ignoriert deinen Einwand und bringt sich ein, indem er bringt: »Einen roten G’spritzten, bitte sehr-ooh!«
Das »Bittegleich« hat er in der Zwischenzeit verlernt oder es ist ihm vergangen und vom Stöhnen abgelöst worden. Speedys bessere Hälfte will auch einen. »Na Schatzi, du muasst mit’n Auto foarn, Ende der Debatte!«
Glücklicher Weise bist du mit der U-Bahn gekommen, bei der Station Unter Sankt Veit ausgestiegen und die paar Meter herauf in die Auhof--76 zu Fuss gegangen. Der Kellner will sich und, weil ja bereits die Speisen gekommen sind, auch den Aschenbecher entfernen. Wird beim Versuch bleiben. »HE, bist deppat? Do lossn! Nimm i nocha mit fias Schlofzimmer, fia nochn Happerl!«

Der Kellner ignoriert sie, sichtlich bemüht, nicht die Contenance zu verlieren. Dann fällt ihr die Gabel unter den Tisch, du schiebst sie mit dem rechten Fuss rüber, damit sie sie aufheben kann, ohne viel Aufhebens zu machen. Das will nicht so recht gelingen. Als dein Bein dem ihrigen gefährlich nahe kommt, beginnt sie deinigen Unterschenkel mit dem ihrigen zu reiben. Das ist dir etwas unangenehm. Du befürchtest eine statische Aufladung deiner PolyesterHose, weil du die Posthose aus Protest angelassen hast und weil keine Zeit zum Umziehen war. Bevor der Kellner mit einem neuen Besteck heran schurlt, bist du unter dem Tisch und hebst das Esswerkzeug auf. Nicht ohne vorher einen kurzen unbeabsichtigten Blick auf die Unterhose eurer Tischdame zu erhaschen. Sie hat ladylike die Beine weit geöffnet und links und rechts der gepunkterlten Hose steht ein Büschel Haare fürwitzig zur Seite. Das blaue Schnürl, an dem der Tampon wie eine Ankerkette befestigt ist, hängt nass herunter und klebt am Oberschenkel. So genau hättest du es eigentlich gar nicht wissen wollen! Wenigstens hat sie am Klo nicht ihr Höschen vergessen/verloren/ausgezogen. Obwohl das auch schon wurscht wäre.

Zurück zu Tisch & Thema: Die Anthropologin Mary Douglas brachte unsere Speisen auf eine gemeinsame Formel: a+2b. Zum Hauptelement gehören zwei Nebenelemente. Was sich hier auf dem Teller tummelt, hat mit dieser Inszenierung sowas von überhaupt nichts mehr zu tun, weil es nur mehr kreativ ist. Aus dem KüchenHäuptling würde garantiert noch was werden. Du verstehst die allegorische Bildsprache: Genau so viel oder so wenig wie Briefträger in einem Haubenlokal zu suchen haben. Die überkreative Inszenierung auf dem Teller ist auch deinen TischGefährten nicht entgangen.»Des is ka RahmSchnitzl, des is a KramSchnitzl, weil do lauter so Greanzeig und GemüseKram herumliegt!«
Speedy wär’ auch was für die Werbung, denkst du, sagst aber:
»Hot da do a Milli-Kram-Schnitzl brocht, weu's so klan ist«
Speedy salzt und pfeffert so grosszügig, als wolle er das Etablissement schädigen. Schade, dass sie zu seinem Gericht keinen Parmesan reichen. Dann esst ihr noch circa fünfundzwanzig Sekunden und seid schneller fertig, als ein Spritzer ausgetrunken ist. Speedy schneidet dabei das Fleisch einmal in der Mitte durch, genauso wie die mit Trüffelöl übergossene Kartoffel. Dann legt er das Messer zur Seite und nimmt die Gabel in die Rechte und stützt sich mit der Linken auf, als ob ihm langweilig ist, und spiesst die vier Gabelbissen hintereinander auf und führt sie zum Mund und kaut lustlos mit offenem Maul und schluckt und spült schliesslich noch nach; er wirkt glücklich und scheint nur noch den Fernseher zu vermissen (warum handyfoniert er nicht?).

Binnen Nullkommanix ist die Angelegenheit erledigt. Frau Speedy versucht eine feine Dame zu sein und seziert lang und breit hin und her und entscheidet sich für die Vorgangsweise, das Fleisch in die Fasern zu zerlegen, weil das leichter zu gehen scheint als gegen die Faser – wie es sich gehören würde. Das Ergebnis sind schöne lange Schnüre, die sie wie Spaghetti in den Mund wickelt, auf dem der SportLippenstift Zeugnis der mit Messer und Gabel ausgetragenen Kampfhandlungen gibt. Vor allem auf den Zähnen.

Danach beginnt der Wickel um den Aschenbecher: Der Ober liefert gewohnheitsmässig ein gewartetes TschickKrematorium aus. Erkennt aber zu spät, dass der alte, volle Aschinger noch da ist. Und würde sich lieber die Zunge abbeissen, als die obligatorische Frage zu stellen, die nun laut Handbuch »Der geschulte Ober« gestellt gehört. Er atmet aus, und du hörst über den 4 Jahreszeiten von Vivaldi (immer in Haubenlokalen) Hans Mosers Geist keuchen & fleuchen und knaufen & schnaufen: »Wie nemman denn den?«

»Wars in Ordnung; war schon gut, gell; hat g’schmeckt?«, fängt der Kellner schon zu beten an, bevor ihr ihn ins Gebet nehmen könnt.
Du nickst, weil du Angst hast zu antworten. Hättest ja deine Kritik begründen müssen. Du glaubst nicht, dass du in den ersten 27 Jahren deines Lebens jemals anders als erwartet auf eine solche Frage reagiert hast. Jemand anders ergreift Wort für dich.
»Wüllst mi verorschen? Wos woar’n des fia a Porzion?«, fragt Speedy.
»Des woa da PumucklTölla, weil ma nur fias Saufen zoihn«, sagt seine Alte, von der du froh bist, dass sie nicht deine ist, auch wenn du sie nie so nennen dürftest. »Wir haben Nouvelle Cuisine!«
»Des konnst deina Kusin gebm, des Patzerl!«
»Des interessiert uns net, mia wulln wos essen! Bring uns wos Onständiges, a gscheite Purzion!«
»Na, bist deppat, do nimmer, loss guat sein, Schatzi, mia gengan nochher eh zam Mäcky beim Schwedenplotz!«
»Na mia fohrn zum McDrive am Giartl.«

Der Kellner entfleucht, um nicht mitzukriegen, wie sich Miss McSpeedy (die Sparsame) den Aschenbecher, wo du vorher eine Gitane (schlecht) ausgedämpft hast und der TschickStummel noch gefährlich glost, in die Tasche zu ihrem Striezel- pardon Büstenhalter stopft. Der TschickStummel will noch ein bisschen Zerstörung anrichten und brennt dann ein böses Loch in den guten BH. Dafür kannst du aber nichts und schwätzt den anderen ein Loch in den Bauch und schwafelst ein bisschen über die schöne Zeit, die zuende geht. Miss Speedy ist plötzlich wie von der Tarantel gefi--gepickt. Sie riecht Lunte und findet in ihrer Tasche einen kleinen, da nicht hinein gehörenden Schwelbrand vor. Der BH ist angesengt, was dem ganzen eine zusätzliche erotische, pyro-romantische Komponente verleiht. Speedy will dir die Rechnung dafür präsentieren, aber darauf steigst du nicht ein. Sollst du die Reizwäsche für Speedy finanzieren, nur weil du in die Werbung gehen willst? Da kann er in den Arsch gehen! »Du hast des Vergnügen! Wenn ich´s hätterte, täterte i was springen lossen«, sagst du abwehrend, aber sehr lyrisch. »Guat. Kummst, mochma an DreierZiagel«, sagt Speedy einladend.

»NA! Wennst so gschtunkene Tschick rauchst, konnst daham bleibm! Pfooh de stinken«, sagt eure Tischdame. Bei Autos/Tschicks/Dusern setzt du auf fremd und französisch. Muss das Attribut »blondes« verdienen. Nur vom Renault gibt es noch keinen Blonden. Sobald es so einen gäbe, wärst du der erste, der ihn sich zulegen würde – wie ein solches Weib oder das nämliche Tschickpackel zum Nachtkastel. »Die Fut stinkt a«, sagt Speedy mit einem mehr als breiten Grinsen. Dir ist das ordinäre Lachen vergangen. Nicht weil du Rückschlüsse gezogen hast. Sondern, wer deine Tschick nicht mag, also dich nicht schmecken oder riechen könne – solle doch... Du musst schnell noch wohin gehen.

Nach einer knappen Viertelstunde kehrst du wieder. Die Kellnerschaft hat noch nicht abgeräumt und weigert sich beharrlich, einen neuen Aschenbecher her zu stellen, obwohl sie ihn weder im Auhof noch im Augarten brennen, sondern eh nur zu eurem Tisch rübertragen hätten müssen. Auf dem leer geschleckten Teller liegen vier gekrümmte Tschickstummel verstreut wie Tote nach einem Flugzeugabsturz, die noch nicht zugedeckt worden sind. Speedy und seine Freundin diskutieren immer noch über dessen wichtigsten Satz des heutigen Abends. Die TalkFragmente, die du aufschnappst, sprechen Bände:
»Wonn i vom Fliessbandl kumm, und du foillst glei iwa mi her, weüllst so geil bist, konn i mi net vurher duschn – i loss di nimma schleckn ob heit!«
»I hob jo mit kan Wurt gsagt, dass DEINE F. stinkt!«
Uijegerl, damit kommt er aber vom Regen in die Jauche. Denn von woher könnte der gute Speedy andere fremde »faule« Pflaumen kennen? Von bösen Zungen? Du reinigst deinen Hals mit einem Räusperer und fängst gleich zu reden an, damit du keinesfalls da reingezogen wirst. »He es do, Liebespärchen, zohlma - gemma!«, schlägst du vor, weil dir nix besseres einfällt. »Sicha, du host g´schissen – und auf uns scheisst a?« Speedy kriegt den Blues und sich nicht mehr ein. Vielleicht will er nur mit seiner besseren Hälfte nicht alleine sein. »Na, mia sehn uns eh regelmässig!«
»Owa sicher, versprochen. Du vergisst uns net bei da Post!«
»Wie kennt i eich va da Post jemois vergessen?«
Der Kellner präsentiert als finalen Seufzer die Rechnung, die er geschmalzen hat, obwohl nur die Getränke zu berappen sind. Du legst einen schlanken Schrödinger ab und seufzt auch gleich mit. Ihr streitet noch eine Weile über etwas, das auf der Rechnung ausgewiesen ist.
Geht um den Brandherd Aschenbecher, der auch noch zu brennen wäre.
»Nojo, es sads jo eh versichert gegen Glosbruch. Sog er is da owegfoilln«, fällt dir gleich etwas Kreatives ein.

»Oda beim Gschirr spüln in da Maschin dasoffn«, Speedy ist origineller.
Der Kellner sieht endlich ein, dass es sinnlos ist, und entfernt den Aschenbecher von der Rechnung. Er ist froh, wenn er euch draussen hat, weil das gesamte Lokal bereits empört in eure Richtung schaut, was auch nicht gerade die feine Art ist. Am nächsten Tag müsst ihr beide wieder Post austragen. Deswegen trennt ihr euch schön langsam. Du gehst aus Widerstand zum Würstelstand und bekommst wieder mal keine »Berner Würstel«, weil der Standler in Hietzing keine so noble Speise im Angebot hat. Deswegen disponierst du auf eine »Futquartler mit Bugl« um. Der Standler ist trotz des exotischen Ortes ein Wiener Original und weiss auf Anhieb, dass du eine Waldviertler mit BrotScherzel haben willst. Das liebe Pärchen, das mitgekommen ist, streitet noch ein bisschen »über WagenBeherrschung«. Aber nicht, weil keiner mit dem gemeinsamen Auto fahren will, sondern weil beide so gut drauf sind und als AggressionsAbbau jeder unbedingt ein paar Kilometer hinterm Volant abspulen will. Du grüsst und salütierst kurz. Sagst nicht »d’Ehre« sondern »Salü«, weil dir das Französische im Lokal eigentlich gefallen hat. Am nächsten Tag würdet ihr euch ja ohnhin wiedertreffen am Postamt. Speedys Freundin drückt ihre Striezel gegen deine vollgeschlagene Wampe und vollgesoffene Hucke, dass es dir fast zuviel wird und du noch einen feuchten Moment lang überlegst, ob es ein DreierZiegel (HuckePackFuck) noch bringen würde; falls überhaupt ernst gemeint. Und dann gibt sie dir zum Überdruss noch einen feuchten glibbrigen Kuss mit offenem Mund, der nach Tschick, Alk und Ketchup schmeckt, obwohl es im Lokal gar kein Ketchup gegeben haben kann.
Wahrscheinlich hatte sie in ihrer riesigen Handtasche ein Sackerl Notketchup, das sie von McDonalds mitgehen liess und perfekt zur Speisenfolge passte, und das muss sie in einem unbemerkten Moment auf ihren Teller gedrückt haben. Du checkst dein Geld. Unnötig, du hast alles bezahlt und bist sowieso flach wie ein FlatScreen, also ist es wurscht. Speedy borgt dir noch einen Kilo für den Nachhausweg. Bis zum nächsten Tag. Im Abgehen hörst du noch die Diskussion verebben wie ein ausfadendes Musikstück. »Owa de Oarschlöcha kriagn ka Post mehr vo mia. Do woarn ma jo de Bimbos no liaber!«
»Und sowos is a Haubenlokal, ts-ts?!«
»Na, servers!«
»Am besten woar no da Wein mitn angenehmen KöllerGruch.«
2-4-6 Trichloranisol vulgo Korkgeschmack, Stoppelgeruch – Scheisswein, würdest du heute dazu sagen. Aber dir schmeckte er damals herrlich. Vor allem, wenn man ans Schädelweh nachher denkt. Denn Genuss muss immer auch mit Reue zu tun haben. Aber du. Und du! Was ist mit dir?
– Du bereust nix.

PSSSST (Post Skriptum Termini – allerletztes PS im Flüsterton):
Der Chefkoch von der Hütte bekam eine kleinportionierte Kochsendung im BILLA-TV namens »Frisch gekocht=halb gewonnen«. Angeblich sollen Briefträger – im Gegensatz zu Hunden – seither im Lokal nicht mehr geduldet werden! Und das ist doch sehr diskriminierend und höchstermassen briefträgerfeindlich.

Dieses Buch bringt allen was!

 

 

WEITERFÜHRENDES

Klappentexte aus kaweis Postmappe

Vorwort von Herbert Hufnagl | Seite 4

Leseprobe | Seite 130

Leseprobe | Seite 164

Leseprobe | Seite 182

Leseprobe von ZUGABE Seite 248

Dienst-Beschreibung | Seite 237

--Nur noch 1 Klick entfernt: JETZT WIRD RABATT GEMACHT.
kaweis Postreport
»Der Missbrauch des aufrechten Ganges«
von Karl Weidinger
[vollprivatisierte 4. Auflage – All Letters Totally Remixed!] mit 256 Seiten, Hardcover, gebunden, färbiger Schutzumschlag, mit Illustrationen von Andreas Rampitsch, Vorwort von Herbert Hufnagl, ISBN-3-901561-18-8.

 


JETZT WIRD RABATT GEMACHT,
BIS DIE GANZE BUDE KRACHT...

So simpel wie möglich:

1 kawei.Buch um 18 Euro.
2 Bücher = 30 Euro [Ersparnis 6 €]
3 Bücher = 40 Euro [Ersparnis 14 €]
[ab dem 4. Buch ist 1 gratis = bei 5 Exemplaren jedes Buch um nur 10 Euro].

Ins COVER KLICKEN und BESTELLUNG MAILEN – oder zum BESTELL-CENTER.

--BESTELLUNG am schnellsten per EMail

--go HOME
--zum BESTELL-CENTER
--eMail to kawei.txt