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BEST OF UNVERÖFFENTLICHT:

 

Prof. Ernst Fuchs

Surrealisten überall?

Einer der letzten zeitgenössischen Meister beim Buch signieren und im Gespräch.

Sie haben die Lupe immer griffbereit an einer Kette um den Hals gehängt, bzw. in der Brusttasche verstaut – wie ich vorher während Ihrer Privatführung sehen konnte.


Ich muss immer öfter schauen, ob a Signatur echt ist oder nicht. Ich habe noch nicht den Überblick verloren über mein Werk, nein, aber neuerdings probieren verschiedene meiner ehemaligen Drucker oder deren Nachfolger, irgendwas aus meinem Radierungs-Bereich raus zu schmuggeln. Und da bin ich jetzt etwas misstrauisch geworden. Aber es sind mir bis dato noch keine Fälschungen untergekommen, nur Nachdrucke – aber das passiert ja auch. Und wenn es nicht signiert ist...? Echt sind die Drucke schon, eine Radierung kann man eigentlich nicht fälschen. Es sind verschiedene limitierte Auflagen erschienen, die sind von mir numeriert und signiert. Und wenn plötzlich ein Blatt aus dieser Serie ohne Nummer erscheint, ohne Signatur, dann bin ich sicher: jemand hat das als Nachdruck hergestellt – also Vorsicht ist geboten.


Ihr Kult mit dem Kapperl: Entwerfen Sie die selber?

Meine Kapperl entwerfe ich selbst, die sind aus Stoffen nach meinem Entwurf. Meistens Stofftapeten, die bei mir in der Villa auch Anwendung fanden. Aus Resterln hat meine Mutter, als sie noch lebte, mir noch Kapperln genäht. Jetzt näht diese meine Tochter Marie. Ich habe gar nicht soviele Kapperln wie man glauben könnte, nur etwa 10 Stück.


Sie haben sogar schon zugunsten des Tiergartens Schönbrunn einen Jaguar (ein Auto, nicht eine Raubkatze) bemalt, wie kam es dazu?

So, wie es bei diesen Dingen immer zugeht: Wohltätigkeits-Veranstaltung, Versteigerung: Was versteigert man! Was haben die Leute am liebsten, was gewinnen s' gern...


Wovon haben Sie mehr, bzw. schneller genug: Rolls-Royces oder Kinder? Denn man sagt Ihnen ja nach, dass Sie nicht mehr ganz genau wissen, wovon Sie wieviele haben...


Doch doch, das weiss ich ganz genau: Zwei, die sind inzwischen einmalige Oldtimer, mit denen ich nie fahre. Aber Kinder (laut Biografie 15 an der Zahl, Anmerkung) sind etwas ganz Lebendiges, die entwickeln sich – was man von einem Auto nicht sagen kann. Und ein gutes Auto erspart einem sehr viel Geld, weil in der Zeit, in der ich einen Rolls-Royce fahre, müsste ich eine andere Automarke zehnmal wechseln...


Aber wenn Sie damit eh nicht fahren?

Nein, aber eine andere Automarke ist nach zehn Jahren nix mehr. Aber ein Jaguar, ein Old-Daimler, ein Rolls Royce...


Apropos Kinder: Sie sind schon mit 15 Jahren auf der Akademie aufgenommen worden. Heute würde man Ihnen den zweifelhaften Ehrentitel »Shooting-star« verleihen.


Naja, das ist gar nicht eine so einmalige Sache. Der Arik Brauer war vielleicht nicht ganz ein Jahr älter als ich. Wir sind gleicherzeit ins erste Semester nach dem Krieg gegangen. Detto war da der Wolfgang Hutter auch nicht wesentlich älter. Ich war zwar der Jüngste mit 15, aber das war gar keine Seltenheit damals. Da brauchte man keine Geburtsurkunden und Zeugnisse, man musste nur die Aufnahmsprüfung bestehen – nach anderen Dingen hat man nicht gefragt.


Für die Surrealisten wie für Ihren Kollegen Arik Brauer scheint Musik wichtig zu sein. Von Ihnen gibt es ja auch mystische Gesänge und Schallplattenaufnahmen »Von Jahwe« und »Via Dolorosa«.


Es gibt von mir 350 verschiedene Tonträger, Balladen, alles Mögliche. Nur, ich habe mich bisher noch nicht mit der Veröffentlichung dieser Produktion von mir befasst. Da ist vor allem der Zeitmangel schuld daran. Ich komme ja ausser zum Schreiben und Notieren dieser Dinge überhaupt nicht dazu – wie man so schön sagt: es zu vermarkten. Ausserdem: mystische Gesänge haben keinen Markt, das weiss ich!

Aber der Markt ist dem Namen hörig.


Ja, aber da glaube ich nicht, dass es ausreichend ist. In einem anderen Feld vielleicht. Ich weiss das zB. von meinen Bildhauereien, meinen Plastiken. Da hat es eine Weile gedauert, bis sich die Leute daran gewöhnt haben, dass ich als Bildhauer und als Architekt arbeite. Die Leute sind doch im Großen und Ganzen angewiesen auf eine Art Schul- und Schubfachdenken. Kategorien: Wer ein Grafiker ist, ist ein Grafiker, ein Bildhauer ist ein Bildhauer, und ein Maler ist ein Maler. Und wenn ein Maler auch schreibt – das hat schon mein Lehrer Gütersloh, der ein großer Dichter und Maler war, erkennen müssen – ist dies etwas, das die Gesellschaft nur sehr schwer annimmt. Der Impetus zum Schreiben und zum Tonaufnehmen war immer da und hat mich genauso bewegt wie der Wunsch zu malen oder bühnenzubilden. Bei mir sind Wort und Ton ein und dasselbe. Ich bin nicht ein Dichter, der Lyrik schreibt, sondern ein Hymniker, ein Psalmist, würde ich sagen. Ich kann ohne »Mélos« (griechisch für Gesang; vgl: Melodie; Anm.) auch gar nicht dichten oder sprechen. Es ist mir ein Bedürfnis, dass diese beiden Dinge bei mir in Einheit in Erscheinung treten. Was ich schreibe, ist auch zugleich für einen ganz bestimmten Mélos geschrieben, und im Studio halte ich das fest. Ich schätze, es sind etwa 350 Produktionen da. Von denen sind einige erscheinen und die hatten auch ihre Liebhaber gefunden. Aber das sind doch eher Menschen eher seltener Natur, die sich für mystische und biblische Texte interessieren.


Heutzutage ist Remixen modern, also wird es möglicherweise in zehn Jahren »Ernst-Fuchs-Remixed« geben?


Möglich! Da es mich dann wahrscheinlich hier nicht mehr gibt, kann mir das ziemlich egal sein. Jedenfalls die Aufnahmen, die ich gemacht habe, wären dann sowieso richtungsweisend – was auch immer man damit anfangen will. Jedenfalls, an das Wort sind sie gebunden!


Über Picasso haben Sie angeblich gesagt, Sie würden ihn erst ernst nehmen, wenn er eine Frau heiratet, die so aussieht wie er sie malt?


Der Ausspruch stammt ganz bestimmt nicht von mir. Das ist eine Anekdote, die mir in den Mund gelegt wird. Der Picasso ist in meinen Augen einer der wenigen, der unter den L'art-pour-l'art-Künstlern Schönes gemacht hat: Epoque bleu, rose... und auch die späten Bilder! Ich finde die Bilder von Picasso überhaupt nicht häßlich. Ganz im Gegenteil: Sie haben etwas Klassisches, und jedes seiner Bilder ist ein Zeichen großer Begabung. Neben Salavdor Dalí und Max Ernst der große Künstler der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts.

Themenwechsel: Haben Sie über unsere »Surrealisten« in der Politik etwas zu sagen?


Nein! Das sind keine Surrealisten! Nein, das sind doch Realisten. Ich finde schon allein, dass wir dem Nulldefizit nahekommen, ist eine sehr realistische Leistung.


Und die »Meisterklasse Haider-Schüssel«: Ist es da besser, dass man die Hälfte des Jahres in MonteCarlo lebt und dort arbeiten kann?


Ja, aber das tue ich doch schon seit Jahrzehnten. Das hat mit der jetzigen Regierung wenig zu tun. Ich finde, dass ich – im Vergleich zu anderen Künstlern – mich mit Politik nie beschäftigt habe. Sehr wohl mit Religion. Und die Alltagspolitik ist ja meistens eine Verschleierung der größeren Zusammenhänge, die sowieso in der Nationalpolitik kaum Niederschlag finden in einer Weise, die die Menschen durchschauen. Das sind große Zusammenhänge über Jahrhunderte hinweg. Wenige sind imstande, den Zusammenhang des Ersten, des Zweiten Weltkriegs zu sehen. Die Hintergründe dieser großen Konflikte – und die Hintergründe für den nächsten großen Konflikt! Das sieht man schon allein in der völligen Fehleinschätzung des Islam und der Fehleinschätzung der Religionen. Die Menschen sind alle besessen von einem völlig materialistischen Weltbild und sind deshalb schon total in der Irre, auch dann wenn's um Realpolitik geht.

Sie treten für Toleranz ein, Sie sind getauft worden mit 12 Jahren.

Das war für mich damals noch nicht so wichtig wie dann mit 26 Jahren. Da ist mir eigentlich erst durch verschiedene Erlebnisse der Sinn meiner damaligen Taufe klar geworden: als ein Geschenk der Gnade. Ich bin meinem Credo nach ein römischer Katholik. Aber ich kenne natürlich sehr wohl den Koran und auch die theologischen Schriften der Schia und die verschiedensten Bekenntnisse der Orthodoxie im Christlichen und im Mosaischen Bekenntnis, bin ein ganz guter Kenner auch der evangelischen Theologie, und ich beschäftige mich mit diesen Dingen vorwiegend – und ausschließlich, könnte man fast sagen – lese ich nie Belletristik, immer nur Philosophisches, Theologisches. Mit ganz besonderer Vorliebe lese ich die Vor-Sokratiker Parmenides und Empedokles. Das sind unglaubliche Denker, die alles das, was wir da herum reden und -grübeln in den Schatten stellen. Und das schon 500 vor unserer Zeitrechnung. (Nach Parmenides ist die Welt der äußeren Erfahrung nur Schein und beruht auf menschlichem Irrtum. Die Wirklichkeit, das wahre Seiende, kann durch die Sinne nicht erkannt werden, sondern bloß durch reines Denken; Anm.)

Sie arbeiten viel für die Kirche: »Apokalypse-Zyklus« in der Stadtpfarrkirche Klagenfurt, St. Jakobuskirche in Thal bei Graz. Stört es Ihre Auftraggeber nicht, dass Sie eher im Alten Testament daheim sind, kaum im Neuen? In Ihrer Ausstellung fand ich kaum Jesus-Darstellungen, dafür aber beinahe alle Heroen wie Esther, Moses und Christophorus aus dem Alten Testament.

Nein, nein, wir befinden uns hier in einem Raum: alles Neues Testament. Unter den Evangelien ist in erster Linie das Johannes-Evangelium faszinierend. Das lese ich immer wieder. Auch die »Offenbarung Jesu Christ«, die dem Johannes also gegeben wurde: Wie es heisst: »Dass sie ihm gegeben wurde, anzuzeigen, was in Kürze geschehen soll – und es geschieht und es geschah.« --Und die Menschen merken es nicht.

Danke fürs Gespräch!

Gedacht für den AUGUSTIN, aber kein Interesse. Das getapte Interview hat Radio Burgenland gnädiger Weise abgekauft! Und aus diesem Gespräch ist mehr entstanden. Und eine zu 100% wahre Prognose, eine Offenbarung:
Wie es heisst: ...was in Kürze geschehen soll – und es geschieht und es geschah. --Und die Menschen merken es nicht --- und dann ward es das Cover zum neuen kawei.Buch.


 


(Pictures by Erwin Gradner@Orangerie Schönbrunn)

Prof Ernst Fuchs schreibt gerade:
»Karl Weidinger mit Gratulation zu seinem ›aufrechten Gang‹ – Ernst Fuchs, 5. X. 2001«



Unpackbar:
»Weidinger, verwandt mit dem Cafe?«
Na, und a net mitm Boxer, am liebsten noch mitm Kräuterpfarrer!«

Und weil nix im Leben für nix ist, war das der ErstKontakt. Nachdem der Meister zwar gesagt hatte, dass er nix mehr läse ausser Griechischen VorSokratikern, vertiefte er sich dennoch ins aufgedrängte kawei.Werk »Postreport« und war von Buch & Grafik angetan. Ergodessen ergab sich einige Jahre später die Zusammenarbeit für den Schutzumschlag von »kaweis Werbegang: Die Verhaftung der Dunkelheit wegen Einbruchs« – Wahrlich, ein echter Meister!


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