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BEST OF UNVERÖFFENTLICHT:


»Halt mein Leben«

Heilwig Pfanzelter, Lottofee,
Land & Leutin, Chansonette & ProgrammAnsagerin a.D.
– will intervierwed werden und autorisiert dann nicht? – dennoch hier im O-Ton vom Band:

 

Vorgeschichte: Wien, am 2. 11. 1998: Lieber Herr Weidinger, vor einigen Wochen las ich Ihren sehr vergnüglichen Artikel über Miki Malör. Das brachte mich auf die Idee, dass Sie auch mein Chanson-Programm interessieren könnte. Jedenfalls ich lade Sie herzlich dazu ein und würde mich ganz besonders freuen, wenn Sie kommen würden. Lieber Herr Weidinger, bitte rufen Sie mich an, wenn Sie gerne Karten hätten. Also, vielleicht schon bis bald in der Broadway-Bar, Ihre Heilwig Pfanzelter.

»Am liebsten bin ich mit dem Fahrrad unterwegs. Es ist grün, und ich liebe es – ist noch mein erstes. Das habe ich mir vor 33 Jahren mit meinem ersten Geld gekauft. Ist noch voll verkehrstauglich, funktioniert sogar noch Vorder- und Rücklicht mit Dynamo – was nicht so selbstverständlich ist. Das brauche ich nicht einmal absperren, weil es so alt ist. Das klaut kein Mensch.

Schon gar nicht hier in Hietzing. Sogar im Winter fahre ich damit, wenn er so milde ist wie heuer und kein Schnee liegt. Nicht weil ich volksnah erkannt werden will, sondern weil es schneller geht. Zum Einkaufen. Aber nur in Hietzing. In der Innenstadt wäre es mir zu gefährlich und die Luft auch zu schlecht. Und natürlich radle ich damit auch auf den Küniglberg. Zur General-Ansage, die es ja in der Form, wie ich sie gemacht habe, seit 16 Jahren gab und nun nicht mehr geben wird.

Wir werden von Programm-Trailern abgelöst. Die jüngeren Kollegen von der ORF-1-Primetime werden von Ö3 übernommen, und um mich muss man sich keine Sorgen machen. Ich habe ja noch die Moderationen von ›Land & Leute‹ sowie die Lotto-Ziehung am Sonntag in der Live-Sendung ›6 aus 45‹.

Wir alle haben es einen Monat vor der Einstellung der »General-Ansage«, wie das haus- & ORF-intern heisst, erfahren. Einsparungen!

Ich zahle meine ORF-Gebühren – im Gegensatz zu Ihnen – seit Beginn an, per Dauerauftrag. Nein, das ist kein steuerlicher Abschreib-Posten. Ich bin ja fix angestellt, habe eine Fix-Gage für alle meine Arbeiten. Was sagen Sie da: Da könnte man sich auch ein neueres Fahrrad leisten? Ja sicher (lacht), aber das ist mehr eine Prinzip-Sache.
Halt mein Fahrrad. Richtig traurig bin ich über die Abschaffung des Ansagerinnen-Jobs nicht unbedingt, aber ein bisschen wehmütig darf man da schon sein. Man muss sich ja nun wieder völlig neu orientieren. Das war ja meine Hauptbeschäftigung im ORF, 14 Tage im Monat.

Es ist eigentlich immer schon im Raum geschwebt, als die Deutschen und die Schweizer ihre Ansagen gekappt haben. Ich habe das immerhin eineinhalb Jahrzehnte gemacht. Und das war eine bewegte Zeit. Zuerst war das noch voll Live. Da hat man Tag und Nacht zwischen allen Endungen und Sendungen durchs Programm geführt. Das war noch ein richtiger Moderatoren-Job mit so ungefähr 25 Einstiegen. Das wurde im Lauf der Zeit immer weniger, aber es war immer ein sehr persönlicher Kontakt, eine Beziehung über den Fernsehschirm.

Am 7. Dezember 1953 bin ich im Zeichen des Schützen in Bludenz in Vorarlberg geboren worden. Ich habe zwei Schwestern, die noch im Ländle leben und eher einen anderen, traditionelleren Weg genommen haben. Ich bin die mittlere. Schon früh reifte in mir der Gedanke, zum Theater zu gehen, um zu spielen und zu singen. Doch zunächst erfüllte ich den Wunsch meines Vaters und habe einen bürgerlichen Beruf erlernt, um selber für mich sorgen zu können. Mein Vater war Gärtner, er ist leider heuer im Jänner gestorben, meine Mutter Hausfrau. Auf Wunsch meiner Eltern habe ich zuerst die PädAk gemacht und bin dann auch Lehrerin geworden. Daneben habe ich Schauspiel- & Gesangs-Unterricht genommen. Daraufhin sind dann Engagements an das Theater für Vorarlberg, an das Stadttheater in St. Gallen sowie Engagements für freie Produktionen erfolgt.
Halt der Lauf meines Lebens: 1986 habe ich meine Tätigkeit beim ORF in Wien begonnen und verschiedene Aufgaben übernommen. Zuerst Programmsprecherin, dann Lotto-Moderatorin sowie Sprecherin für diverse Sendungen in Ö1 und der TV-Sendung Artefix. Seit 1996 mache ich auch die Präsentation von ›Land & Leute‹. Das war ein gutes Jahr für mich: Danach kamen die Texte und Chansons meines ersten Soloabends ›Was also ist die Zeit‹. Im Jahr darauf folgte mein zweiter Chansonabend ›Ach die Liebe‹. Mittlerweile ging dieser Abend schon über 50 mal über die Bühne. Der dritte Soloabend beherbergte schon die ersten eigenen Lieder, die speziell für mich geschrieben worden waren – ua. von Elisabeth Augustin und Werner Schneyder. Heuer im März war die Premiere: ›Halt mein Leben‹ hieß das und feierte im Wiener Odeon seine Erst-Aufführung. Auch mit diesem Programm werde ich wieder die Bundesländer bereisen, um Land & Leute damit zu beglücken!
Halt meine erste Ansage Ich komme ja von der Bühne und Singen wollte ich immer schon. Das war ein lang gehegter und geheimer Wunsch von mir. Vor ein paar Jahren hatte ich das Gefühl: Jetzt möchte ich damit an die Öffentlichkeit, jetzt fühle ich mich reif dazu!
Aber es war eine große Mut-Sache, das zu machen. Es war das, was in meinem Innersten brannte. Das Lampenfieber zwischen TV-Kamera und Bühne ist überhaupt nicht vergleichbar.

Vor 16 Jahren war das noch ganz furchtbar. Live – allein im Studio und nur das Rotlicht. Um 20 Uhr 15 schaute damals noch so gut wie ganz Österreich zu. Und die Ansage dauerte so zwei bis drei Minuten, bis man da mit dem ganzen Programm durch war. Da hat man vorher seine Lockerungs- & Sprach-Übungen gemacht, um das auch gut durch zu stehen. Da schiesst einem schon ganz gehörig das Adrenalin ein. Nach einem Jahr zirka hat man sich dann an die ungeheuerliche Anspannung gewöhnt.

Aber die ersten Male waren schrecklich. Das erste Mal war überhaupt ein Albtraum. Beim allerersten Mal war ich so konzentriert, um nur ja alles richtig zu machen, dass ich das Rotlicht übersehen habe und einige leere & lähmende & angespannte Schrecksekunden produziert habe. Plötzlich blicke ich dann auf und nehme das Rotlicht wahr und beginne wie aus der Pistole geschossen. Deswegen war ich dann auch etwas vor der Zeit fertig und habe den zögerlichen Beginn mehr als wettgemacht...

Aber zuletzt ist alles schon etwas leichter geworden. Zuletzt wurde am Nachmittag aufgenommen und man konnte es nochmals machen, wenn es nicht so perfekt gewesen ist. Ausserdem hatten wir ja zuletzt ja auch viele Film-Zuspielungen, das wäre Live gar nicht zu bewerkstelligen gewesen. Sonst ging es ja zuletzt viel flotter zu als früher..
Halt meine Lehre. Nun bin ich mit meinem Pianisten und meinen Chansons gut und gerne zwei Stunden auf der Bühne. Das ist nicht vergleichbar. Am ehesten ist das schon wie als Lehrerin in der Klasse zu stehen – natürlich auf einem ganz anderen Level. Meine liebsten Fächer waren immer die musischen. Fünf Jahre habe ich unterrichtet an der VS Bludenz-Mitte – und das auch immer sehr gerne. Mir war es immer ein Anliegen, dass die Kinder gerne in die Schule gegangen sind. Ein Grundsatz von mir war es, die Schwächen eines Kindes über die Stärken zu minimieren. Auch als Volksschul-Lehrerin habe ich alle Kinder ermuntert zu singen. Und einen Einser haben auch alle von mir in Singen gekriegt.

Lustig war auch, dass ich ausgerechnet am Tag meiner Pragmatisierung den Lehrerberuf an den Nagel gehängt und ins Landestheater Bregenz übergewechselt habe. Die erste Rolle war die Elfe Spinnweb im ›Sommernachtstraum‹, wo ich die Titania in den Schlaf gesungen habe. Naja, vielleicht habe ich bei der Programm-Ansage auch den einen oder die andere in den Schlaf gesungen! Die erste Hauptrolle war der gestiefelte Kater, eine Katzenrolle im Musical. Später sind dann Jura-Soyfer-Stücke gekommen, dann auch immer wieder Nestroy, freie Produktionen in der Schweiz und auch Hörspiele, Lesungen und alles, was so dazugehört. Tja halt mein Leben...
Und wenn der Stress Pause und alle Programm-Ansagen Schluss machen? Tja, dann gibt es vorerst einen 14-tägigen Urlaub mit Lebenspartner Philip. Eine Reise entlang der französischen Küste, auf den Spuren von neuem und altem Chansongut. Nun wird erst einmal nach langer Zeit wieder ein Pullover gestrickt. Aber das, glaube ich, hat noch nichts mit dem Vorruhestand tun. Wie auch immer: Am besten hat mir gefallen, wie unlängst ein Journalisten-Kollege von Ihnen geschrieben hat: er werde den Pony von Heilwig Pfanzelter jetzt schon vermissen...«

 

 

© alle Pictures by ORF Lichtbildstelle 1x Dolezal

Autorisierung? – Heilwig am Telefon:
»So red ich doch gar nicht. Das ist nicht mein Stil. Überhaupt haben Sie kaum was geschrieben von meinem verruchten Leben als Chansonette.«

»Das ist alles NUR & ausschließlich O-TON
von den 38 Minuten, die ich mit Ihnen getaped habe. Aber ich glaube, ich habe es nicht..., Nein, Sie haben es nicht nötig, von mir porträtiert zu werden!« – Halt der Lauf der Dinge, Einhalt!
[Und schon wieder Arbeit für 2000 Schilling zum Wegschmeissen, und die Flecken auf dem Brief kann man sich nun leicht erklären – harhar!]

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