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BEST OF UNVERÖFFENTLICHT:

Eingebettet – Apologese Now!

Am 2. Kriegstag kam es zwischen den Truppen-Verbänden ORF und ORF_ON zu besonderen
»Einbettungen« – eine unkoordinierte Aktion oder ein Outing, wie es zynischer nicht sein könnte?

Pentagon-Speak. War-dogs schlagen an. Die wilde Meute in Marsch gesetzt. Kommentar-Flugkörper bis an die Zähne aufgerüstet. Wort-Missiles zu jeder Zeit im Bild. Schlag auf Schlag seit dem Erstschlag.

Präventiv-Einbettungen an der TV-Front und im Studio, ständig auf Kriegskurs. Der vom ORF gerufene »Krieg gegen Saddam« nimmt den Globus als Geisel und die TV-Welt in Beschlag. Im Hagel der Sprachgeschosshülsen über die Lufthoheit von Antenne/Satellit/Kabel erreicht die Wort-Munition präzise jenes vorrangige Ziel namens TV-Konsument. Heftige Kampfaktivitäten auch unter den alliierten Berichtbestattern um Redezeit.

»Faszinierend« (E. Freund), »unglaublich« (I. Turnher) und überhaupt »größer als alles Bisherige« (P. Arnett, mittlerweile nicht mehr NBC). Doch die »Koordinierung« (B. Karner, noch BH bald ORF) kriegte bereits am 2. Kriegstag Begleitschäden ab, die die eingesetzten Massen-Berichtungs-Waffen bei ihren Luftschlägen nicht vorhersehen konnten.

Im weltweiten Web-Stützpunkt der visonären Hilfe verirrte sich von am A-Day ein Target, das nicht mit GPS nachjustiert werden konnte. – Oder sollte es gar ein gezielt geführter Enthauptungs-Schlag sein? Eine Koalition der Unwilligen? Auf jeden Fall so was wie ein medialer »Massive Ordnance Air Blast« (MOAB).

Tod: Live! Die Führung der IT-Streitkräfte ze(it)igte statt Luftunterstützung einen Kollateral-Schaden. In Echtzeit und Dauerfeuer: Während im Programmtext gespenstische Ruhe herrschte, rückte die TV-Operation neben der Headline »jetzt in: ORF2« mit den aktuellen Live-Bildern ungehindert weiter vor.

Die Einbettungen waren höchst aktuell, gingen aber nicht mehr mit den alten Sendungstiteln konform. Auf dem Vormarsch im Kampf um die Quoten-Schlacht feuerte die automatisch ferngelenkte Live-Kamera neben den alten Sendungstiteln regelmäßig Bilder ins Internet und überzog das Web mit »Dokumenten des Grauens« und einer »Angst-&Schrecken-Offensive«.

Und mit Konnotation, die – ungewollt – interessante Aspekte barg: Anhand dieser »allerhöchsten Präzision« gab es einen imposanten Sidekick in einem gänzlich neuen Zusammenhang.

Shock & Awe! Die Internet-Plattform leistete ihren Beitrag zum »Stahlgewitter« (E. Jünger). Die optimale Synergie zweier Waffengattungen wie TV und Internet. Oder wie Panzer und Hubschrauber. Wer sich informieren wollte, konnte am www-Nebenschauplatz mehrere punktgenaue Treffer mitverfolgen: Zur Primetime stand da der »Der Alte« geschrieben – nebst einem Bild von Prof. Paul Lendvai an der stürmischen Flanke des ORF_ON Platoons. Eine solche Ankündigung erscheint zu respektlos, um normal sein zu können. Irgendein Verantwortlicher muss »Sondersendung« (mit 3 Rufzeichen) dazugeschrieben haben! – Leichte Heiterkeits-Artillerie in ernsten Zeiten? Oder gar eine Smart Bomb? Jedenfalls weder Hack-Attack noch Fake-Bilder. Sondern nur das »normale« Programm zu Friedens-Zeiten, diesmal mit Neben-Bedeutung: Die nächsten (überholten) Sendungstitel in Zusammenhang mit »jetzt in: ORF2« vermochten gar noch unfreundlichere Assoziationen zu wecken.

Friendly Fire: Eine Aufzählung wie ein Body-count: »ModernTimes (Das Gesundheits-Magazin)« – zur Explosion in Bagdad. »Auf schlimmer und ewig (Picknick mit Hindernissen)« – im Studio oder im Irak? Sowie die unfassbare Ankündigung »Mord ist ihr Hobby (Todes-Karrussel)« zu Donald Rumsfeld – noch dazu neben einer Werbung, die »Mc Donald's Live on Tour« seherisch einbettete. »Friendly Fire« würde so was im Kriegs-Jargon heissen! – War TV je entlarvender? Noch nie haben sich zwei Medien so ergänzt. »Information mit Verantwortung«, lautet der ORF Aktions-Slogan speziell für den Krieg. Verheerend! Oder sollte das gar zu denken geben? So was schafft kein Harald Schmidt und auch kein Hackerangriff...


Man beachte auch die flankierende Werbung, rechts:
McDonald's [Rumsfeld] LIVE ON TOUR.

Abgelehnt von:
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Einer wortwörtlich: »Die Geschichte derhebt niemand, wie gut sie auch sein mag – viel Glück!«
Übrigens: Das war der Auslöser! Deswegen diese Website gemacht.

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