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BEST OF UNVERÖFFENTLICHT: HOWARD MARKS


Das High-Light jeder Hanfmesse

Howard Marks ist eine Kifferlegende, unlängst war er in Vösendorf – Hanfmesse, wo sonst?
Und jetzt kommt »Mister Nice« ins Kino auch noch!


Most Wanted: Während seiner aktiven Zeit hatte er einen Spitzenplatz auf der Liste der Top-Verbrecher der USA. Ein beachtlicher Werdegang von Kenfig Hill in Wales über Oxford als Student bis ins globale Business des Haschisch-Schmuggels, wo er es zu einem der Größten brachte, die mittels internationalem Steckbrief gesucht wurden.

»Nun, ich wollte garantiert nicht der größte Drogenschmuggler werden. Jedoch wie so vieles im Leben passieren solche Dinge, die alles komplett verändern, zufällig, indem sie sich einfach mit der passenden Gelegenheit ergeben.«

Und weil wir uns auf einer Hanfmesse befinden, stellt sich beinahe schon automatisch die Frage: Hat er selber auch angebaut, Hanfpflanzen eigenhändig gezogen?

»Ich habe keinen grünen Daumen, ich bin und war immer nur am fertigen Produkt interessiert. Das können andere besser.«

Und heute raucht er noch immer Joints oder greift er lieber zum Hanfgebäck, den so genannten Hasch-Cookies?

»Jaja, freilich rauche ich auch weiterhin, warum sollte ich es nicht tun? Manchmal versteige ich mich zu den Cookies. Aber es dauert mir zu lange, mich davon zu erholen – vielleicht eine Altersfrage. Am besten vor dem Schlafengehen aus Entspannungsgründen.«  

Eines seiner bekanntesten Statements lautet: Der Konsum von Hanf oder Hasch sei Menschenrecht.

»Es ist mein verdammtes Menschenrecht, jede Pflanze, die in der Natur vorkommt, frei anbauen und konsumieren zu dürfen. Warum sollte ich das nicht so sehen?«

Nun, andere sehen das nicht so: 1988 wurde Howard Marks in Spanien von der US-Behörde gekidnappt und verschleppt, vor den Augen seiner Frau und im Beisein der gemeinsamen vier Kinder. Hätte er Widerstand geleistet, wäre seine Frau auch verhaftet worden, schreibt er in seinem Bestseller »Mr.Nice«. Lebt er noch in Spanien? Und gibt es Probleme, wenn er im Zuge der Vortragstätigkeit auf Reisen geht?

»Ja, genau so war das damals. Nein, ich bin weggezogen. Seit etwa acht Jahren lebe ich in Leeds in England. Probleme habe ich inzwischen nicht mehr. Allerdings kann ich nicht in jedes Land einreisen mit meiner Vergangenheit. Ich kann definitiv nicht in die USA um medizinisches Marihuana zu bekommen. Auch China lässt mich nicht mehr ins Land. Wie auch Australien…«

Gibt’s dafür offizielle Begründungen oder nur als reine Schikane?

»Ich bin bei denen unerwünscht, weil ich deren Gesetze gebrochen habe. Aber ich wurde von diesen Ländern nie verurteilt. Schwamm drüber, damit werde ich leben müssen!«

Während seiner kriminellen Laufbahn brachte er es auf 43 Identitäten, 89 Telefonnummern in der Vor-Händy-Ära und 25 Import-Export-Gesellschaften, die einem einzigen Zweck dienten: Der Verbreitung von THC. Und nun verbreitet sich ein Film über ihn. Ist es schockierend, wenn man sich als Figur auf der Leinwand sieht?


»Es ist eher verstörend, viel mehr! Ich mag es und es ist eine Ehre, sein Leben verfilmt zu sehen. Außerdem ist Rhys  (Ifans, Hauptdarsteller; Anmerkung) ein Freund von mir, er stammt von Wales wie ich, und ich kenne ihn seit seiner Zeit bei den Super Furry Animals.«

Glückwunsch, gab es eigentlich einen Ghostwriter für das Buch, das nun als Vorlage zum Film diente?

»Nein, warum sollte ich? Bei meinem Leben hatte ich ja auch keinen Ghostwriter – und hätte den auch nicht benötigt. Am Buch habe ich neun Monate geschrieben. Ich finde, für alle guten Dinge im Leben sollten man sich neun Monate Zeit nehmen...«

Inzwischen, 65 Jahre alt geworden, sieht er aus wie einer der Rockband »The Rolling Stones«, hat vier erwachsene Kinder. Bleibt da noch irgendeine Erwartungen ans Leben? Und wie ist das Feedback der Kinder?

»Nein, nix mehr, weitere 25 Jahre Knast gehen sich ja nicht mehr aus (lacht). Die Kinder sind flügge geworden und aus dem Haus. Ich bin auch nicht mehr verheiratet. Manchmal sind die Kids stolz auf mich, etwa auf einem Festival oder wenn sie in einen Club in London reinwollen. Oder wenn ich wo als DJ auflege, was ich gelegentlich tue. Dann berufen sie sich auf ihren alten Vater.«

Und wäre das nicht die optimale Gelegenheit, Generationen übergreifend gemeinsam einen Joint durchzuziehen?

»Nein, definitv nicht. Da mische ich mich sicher nicht ein. Ich berate sie vielleicht, wenn sie darauf Wert legen sollten. Aber ich brauche sie weder zu ermutigen noch zu entmutigen. Das tut schon die Gesellschaft selbst.«

 



Howard Marks ist KULT und das »HIGH-LIGHT jeder Hanfmesse. Der als »Nister Nice« durch die Kifferwelt tourende Hippie ist nun auch im Kino angekommen. Als Bio-Pic mit Rhys Ifans unter der Regie von Bernhard Rose wurde das kuriose Leben des Rekord-Schgmugglers
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Back to the Roots, zurück zum Hanf:

Cannabis sativa ist eine der ältesten Kultur- und Nutzpflanzen der Menschheit, seit mehr als 5000 Jahren, wurde jedoch behördlich verboten im 20. Jahrhundert. In Kalifornien bestand vor einiger Zeit (im Jahre 2009) die Chance, per Volksentscheid einen Dammbruch in der westlichen Welt vorzunehmen. Wann wird das Zeug endlich frei?

»Ich hege Hoffnung, dass endlich Bewegung in die Debatte kommt. Ich war erstaunt, dass ausgerechnet die USA hier die Vorreiterrolle übernommen hatte. Eine höchst angenehme Überraschung und eine freudige Entwicklung soweit.«

Viele Fans sehen ihn als Vorkämpfer und Märtyrer. Immerhin wurde Horward Marks zu 25 Jahren Haft in den USA verurteilt, von denen er sieben Jahre absitzen musste. Bezeichnend auch, dass Gouverneur Schwarzenegger, der in Kalifornien das Volk 2009 entscheiden ließ, es in Österreich nicht einmal zu einer ehrlichen Debatte, geschweige zu einer Volksabstimmung, gebracht hätte.

»Hier zeichnet sich eine Veränderung, ein willkommener Wandel ab. Kalifornien ist und war immer schon liberaler eingestellt. Aber wenn es einmal frei gegeben ist, dann wird jedes Land in der restlichen Welt ernsthaft darüber nachdenken. Das kann nur einen positiven Effekt haben, die Richtung ist vorgegeben.«

Ganz egal, ob es nun ein Menschenrecht gibt, jede in der Natur vorkommende Pflanze anbauen und frei konsumieren zu dürfen, worauf sich Howard Marks immer wieder beruft..

»Man braucht sich ja nur anzuschauen, wer sich fürs Verbot eingesetzt hat: die Kunststoff-Erzeugung, die Pharma-Industrie, ja sogar die Alkohol-Lobby hat sich auf den höheren moralischen Standpunkt gestellt. Inzwischen denken schon mehr Leute darüber nach und erkennen die Hintergründe. Es ist ein soziales Experiment, aber zeitlich begrenzt – und die Zeit dafür ist so gut wie abgelaufen.«

Apropos Historie: Eine der ersten Forderungen der Sozialdemokratie war, jedem Arbeiter sein Recht auf zeitweise Berauschung zuzugestehen. Selbst der Kampf gegen den Alkohol während der US-Prohibition zielte in Wirklichkeit auf die Kneipen und Lokale ab, damit die Arbeiter nicht zusammenkamen und im Suff umstürzlerische oder gar gewerkschaftliche Pläne schmiedeten.

Howard Marks sieht das ähnlich: »Um nicht verrückt zu werden, zeitweise. Wenn man sich das Arbeitsleben anschaut, wird man darauf getrimmt zu funktionieren, um stupide und monotone Arbeiten, die wir alle erledigen müssen, effizient erfüllen zu können. Da kann man schon auf Marihuana angewiesen sein, um weiter funktionieren können, als Beruhigungsmittel und als Hilfsmittel.«

Der medizinische Nutzen von Cannabis sativa scheint unbestritten und liegt in der Beruhigung, der Anfallslinderung und der Krampflösung. Wenn man sich hingegen die Nebenwirkungen der pharmazeutischen Mittel für diese Anwendungen anschaut, kann einem schnell angst und bange werden.

»Besonders wenn man sich anschaut, wie viel es braucht damit ein Mittel wirkt. Und wie wenig es braucht, damit ein Mittel tödlich wirkt. Und wenn diese beiden Werte zu nahe beieinander liegen, ergibt das eine wirklich tödliche Droge. Versuche das mal mit Rauchen. Man kann sich mit Marihuana nicht zu Tode rauchen, zumindest nicht binnen kurzer Zeit. Das braucht schon eine Weile… Schau mich an: Ich betreibe das schon ein Leben lang und es ist mir immer noch nicht gelungen.«





Howard Marks widmete sein Leben der Verbreitung des Wirkstoffes THC, enthalten in der gemeinen Hanfpflanze Cannabis sativa, dessen Straßenverkaufspreis/Marktwert seit dem Verbot (in Österreich 1961) um etwa 8000 Prozent zulegte. Dafür wurde er illegalisiert wie der Hanf und kriminalisiert als Drogendealer, obwohl Marks nie Gewalt anwendete oder - wie die Pharma-Industrie - mit harten chemischen, besonders abhängig machenden Drogen dealte.
Da ihm weder Mord noch Totschlag, nicht einmal Körperverletzung, nachgewiesen werden konnte, wurde er mit dem Mafia-Paragraphen „Bildung einer kriminellen Vereinigung“ in den USA angeklagt. Die Drug Enforcement Administration (DEA) wies ihm geschmuggelte 20 bis 30 Tonnen Suchtgift (nur Hasch, niemals Heroin oder Opium) nach.
Die US-Staatsanwaltschaft forderte dafür vierzig Jahre. 1988 wurde er zu fünfundzwanzig Jahren Haftstrafe (wegen diverser konstruierter Zollvergehen, In-Landes-Verbringung und etwaiger Gesundheitsgefährdung) verurteilt. Seit 1995 ist er wieder frei und tourt als Ikone des Hippietums und des straffreien Hasch-Konsums durch die Lande, promotet Bücher und verkauft seinen Hanfsamen.


Ein höherer moralischer Standpunkt.
Ein soziales Experiment, aber zeitlich begrenzt.

Legalize it!
Schritt für Schritt, Zug um Zug.


HISTORISCH:
Vor 100 Jahren waren Hanf-Extrakte ein Medikament und bis 1958 auf Rezept in der Apotheke relativ frei erhältlich. In der Alten Welt forderte die Sozialdemokratie ein »Berauschungsrecht« für Proletarier – als zeitweise Betäubung und Erholung vom schmerzhaften Arbeitsprozess.
In der Neuen Welt herrschte die Tugend und damit ein striktes »Berauschungsverbot« (Prohibition) – auch damit die Arbeiter nicht in Kneipen beisammen sitzen und sich organisieren konnten. Also musste der Hanf dran glauben. Die mächtigen Südstaaten-Farmer sahen sowohl Baumwolle wie auch Tabak vom Hanf bedroht. Zeitungs-Tycoon W. R. Hearst befürchtete 1935 aufgrund einer immer billiger werdenden Papierproduktion erhebliche Verluste. Der Chemiekonzern DuPont räumte für seine Kunststofffasern den natürlichen Konkurrenten aus dem Weg.
Diese Lobbyleistung führte 1937 zum Verbot für die USA. Und nachdem 1933 die Alkohol-Prohibition aufgegeben werden musste, suchte ein riesiger staatlicher Verfolgungs-Apparat neue Aufgaben, die bis heute erhalten blieben.
Mit Verzögerung kam das Verbot nach Europa. Hier zeigte die Pharma-Lobby auf (und was sie konnte: Heroin wurde legal von Bayer produziert).
Obwohl keine negativen Auswirkungen von Cannabis-Konsum bekannt waren, wurde es zusehends illegalisiert. Schritt für Schritt, Zug um Zug: 1954 erkannte die WHO – auf Betreiben der USA – jeglichen therapeutischen Nutzen ab (inzwischen völlig unhaltbar geworden!).
1961 kam das Aus mit der UNO-Resolution »Single Convention on Narcotic Drugs« – seither ist der gute alte Hanf ein Suchtmittel.

GESETZLICH: Cannabis mit dem Wirkstoff THC unterliegt dem Suchtmittelgesetz (§ 35 SMG) und wird als illegales Betäubungsmittel geführt. Marihuana darf in Österreich gemäß UN-Konvention nicht angebaut, verkauft oder besessen werden. Der bedenklich gen-manipulierte THC-freie Hanf wird sogar von der EU agrargefördert. Auf wundersame Weise soll es zu Rück-Mutationen kommen, sodass der Wirkstoff THC wieder ausgebildet wird – Urban Legend?
Mit der Kriminalisierung wurden die etwa 40 bis 60 cannabinoiden Inhaltsstoffe bewusst herausgezüchtet – aus Effizienzgründen. Damit wurde das Zeug uneinschätzbarer – also gefährlicher weil stärker.
Das strafrechtliche Cannabisverbot wird teilweise als Irrweg angesehen. Ein renommierter Strafrechtler spricht von modernem Hexenwahn.
Solange das Gesetz besteht, muss die Strafbehörde es anwenden. Somit ist zu bestrafen, wer Cannabis erwirbt, besitzt, erzeugt, einführt, ausführt oder einem anderen überlässt oder verschafft.
Weniger strafbar ist der Konsum, der grundsätzlich auch ohne Besitz möglich ist.
Nach dem Anbau in den Bau: Strafrelevant ist die Suchtmittel-Gewinnung, die Trennung der THC-hältigen Pflanzenteile zum Suchtmittel-Erwerb. Der Anbau wirkt als versuchte Erzeugung (Anbahnungshandlung).
Jaja: Zierpflanze, botanische Übung oder Papier-Rohstoff: Es gilt: männliche Pflanze = harmlos, weibliche = verfolgenswert.
Im Falle eines Wahrspruchs/Urteils im Namen des Gesetzes kommt's – nach Verwarnungen und Vormerkungen – zur Haftstrafe. Ab etwa 2 bis 3 kg Weitergabe geht's relativ zwingend in den Knast – wobei vorher noch das Gnadenrecht »Therapie statt Strafe« ausgeschöpft werden darf (bei strikter Urin-Kontrolle!).

MEDIZINISCH: Während der Hanfmesse in Wien-Vösendorf fand auch der erste Cannabismedizin-Kongress Österreichs statt. Der positive Effekt ist unbestritten bei Multipler Sklerose, Bluthochdruck (Glaukom), Krebs (zur Milderung der Nebenwirkungen von Chemotherapien), zB. Historischen Quellen zufolge wird Cannabis schon seit 5000 Jahren zu medizinischen Zwecken verwendet. Die chinesische Medizin empfahl die Pflanze gegen eine Reihe von Krankheiten. Die Kräuterheilige Hildegard von Bingen erwähnt die Heilfähigkeiten von Hanf. Anfang des 20. Jahrhunderts wurde Cannabis immer weniger medizinisch eingesetzt. Einerseits wegen der fehlenden Standardisierung der Präparate, zum anderen wegen der behaupteten Gefährlichkeit als Berauschungsmittel und um angeblichen Missbrauch hintan zu halten. In Österreich, Deutschland, den Niederlanden, Spanien, Israel, den USA und Kanada und einigen anderen Staaten sind Cannabisprodukte zu therapeutischen Zwecken inzwischen erlaubt und - streng kontrolliert - freigegeben.

 
»Es ist mein verdammtes Menschenrecht, jede Pflanze die in der Natur vorkommt frei anbauen und konsumieren zu können!« - Howard Marks als »Nister Nice« im Kino

 

 

 

 
 
 
 

Don’t try this at home.
Wer anbauen will, muss die männlichen Samen von den weiblichen Pflanzen trennen, dann produzieren die weiblichen Pflanzen das begehrte Harz. Und je höher die Lage, desto näher zur Sonne, wird Cannabis-Harz als „Sonnenschutz“ produziert wird. Dazu dient in einer Grow-Box das UV-Licht zur permanenten Stimulation. Für Veganer: Ob die Pflanze darunter leidet ist nicht bekannt…

Viel Feind, viel Ehr – und ein Verbot. Der Hanf als gemeinsamer Gegner und natürliche Bedrohung. Seit dem Schulterschluss der Lobbyisten von Tabak, Baumwolle, Papier, Kunststoff und Pharma ist der Hanf (mit wissenschaftlichem Namen "Cannabis sativa") als Droge geächtet und somit verboten. Stellt sich nur die Frage: Wie lange noch?