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FALCO: Letzter Alive-Gig mit Drahdiwaberl


Falcos Bas(i)slager


Die Wolken der Verklärungs-Spezialisten haben sich 2008 wieder verdichtet: 10. Todestag und Filmstart von »Verdammt wir leben noch«... Um der Wahrheit die Ehre zu geben: Hier die unverklärte Schilderung des letzten Live-Auftritts von Falco bei Drahdiwaberl.
Und Karl Weidinger, Autor und Drahdiwaberl-Akteur seit anderthalb Jahrzehnten, war dabei.



Text by kawei (Schriftsteller | see: Books) Fotos by Conny de Beauclair, www.wegotit.at, Klaus Hundsbichler


Der in die Wand genagelte Kalender weist den 25. Juni 1996 aus, und es ist in der Arena, Postanschrift 1030 Wien, Baumgasse 80: ein stinknormaler Dienstag soweit. Zweck der in Bälde beginnenden Veranstaltung ist das alljährliche Open-air zum Schulschluss. Kein Wunder: Stefan Weber ist noch Lehrer und weit entfernt von seiner Frühpensionierung wegen Morbus Parkinson. Falco, noch regelmässiger Livegast, ist mit einer Schülerin aus Stefan Webers Oberstufenklasse liiert.

Überhaupt Stefan Weber: Kuhbuben-Böcke, Gang wie ein Cowboy, nur das Pferd fehlt, als er sich im Zentrum der Ansammlung im leicht angegammelten Hinterbühnenbereich aufbaut. Die Gürtelschnalle gross wie das Staatswappen. Im Schritt seiner mit Lederschnüren verstärkten Cowboyhosen drückt der Sattelknauf, hat es den Anschein. Mr. Drahdiwaberl himself wirft sich in Positur, räuspert sich deutlich vernehmbar und schraubt seine Stimmlage um eine weitere Oktave höher. Krächzend eröffnet er die nachmittägliche Besprechung: »Bitte Herrschaften, absolutes Scheiss-, Brunz- und Wichsverbot. Jeder, der jetz' no muass, dearf des nua mehr auf da Bühne!« Das sagt er regelmässig vorher, der Herr Professor, zu dem jeder in der persönlichen Begegnung nur »Stefan« sagt. Und: »In Anlehnung an die Tradition des Wiener Aktionismus«.

Das bevorstehende Konzert wird – wieder 1x – als das Letzte angekündigt, obwohl es im vorhergehenden (wie auch im drauffolgenden Jahr) ebenfalls ein solches »Letztes« Konzert gab. In Anlehnung an die Tradition der Rolling Stones, die auch immer wieder die »Letzte« Tournee ausrufen.  

In der Arena, backstage, gehts hoch her. Sammelpunkt wie immer vorher um 16:00 Uhr. Ringsum bilden Campingmöbel eine Art Abgeschlossenheit in dieser devastierten, 1976 freibesetzten Trutzburg, belagert mit Requisiten wie Dildos, Tiermasken, Fleisch, Innereien, Theaterblut. Und Beuschl, das Lieblings-Requisit des Herrn Professors, dem man eine erotische Beziehung zur Blunzn nachsagen könnte. Manche sagen auch, er wäre auch am liebsten »blunznfett« – aber das macht dem Herrn Professor nix!

Sonja Penz und Christa Urbanek et.al. füllen Theaterblut in Plastikbeutel und schreien immer wieder um »RuhääHH«, während der Herr Professor bedächtig seine in der Schule kopierten Zettel mit dem Programmablauf austeilt, wobei sich der Lärmpegel immer wieder auf überschulisches Niveau erhöht. Ganz oben steht das Motto vermerkt: »Die letzte Schweinerei«. Und darunter: »1000 Jahre Österreich: Einzug der Akteure, Kirchenprozession, Transparent, Goldüberreichung von Zilk (Skrepek) & Mad Mat Schuh – Zertrümmerung der goldenen Schallplatte, Nadja als pischende Nonne – Mulatschag Exzess«, so die kunstvoll hingekrakelten Worte des Herrn Professors, die er als Akteurs-Anweisung für diesen denkwürdigen Tag gerade händisch verteilt.

Nach »McDonalds Massaker« und »Fresst die Reichen« sowie dem Programmpunkt »Ausgeflippter Lodenfreak« weist der kunstvoll gestaltete Zettel noch etwas durchaus Übliches aus. »Ganz Wien« steht auf dem Programm. Und daneben die Sensation, welche es für Drahdiwaberl-Mitglieder nie war, nicht ist und nie und nimmer sein wird: »FALCO«. Jemand im Kollektiv der zahlreichen Akteure durchbricht das professorale Schwadronieren und fragt keck: »Na wird er auch kommen, der Herr Superstar?« 



EinsatzBesprechung: »Bitte Herrschaften, absolutes Scheiss-, Brunz- und Wichsverbot. Jeder, der jetz' no muass, dearf des nua mehr auf da Bühne!«, sagt der Herr Professor etwa 3 Stunden vor der Aufführung (hier hinter Nadja und seiner Tochter Moni).
Die Nadja ersucht das Publikum, doch bitte den Mund zu öffnen... Nachher wird sie wie immer sagen, wie weit in die Reihen sie es geschafft hat druckvoll zu urinieren [Rekord: 15 Reihen].
Und dahinter – mit weissem Leiberl (bitte genau schaun!) – der Helmi, meine Hauptfigur mit dem Mopedauto AIXAM, in meinem 7.Buch..


Achja: Falcos Bas(i)slager: FALCO war bei diesem Wahnsinn von Anfang an dabei – und kam immer wieder gerne zurück zur Drahdiwaberl-BühnenOrgie – besonders wenn seine eigene Tournee wegen 192 Vorverkaufskarten abgesagt werden musste. Bei Drahdiwaberl hatte er immer sein TausenderPublikum... Wenigstens für 1 Nummer...


Ruhig wird es im Ambiente des Hinterbühnenbereichs. Stefan Weber dreht seinen, von Szenefriseur Erich Joham schwarzgestriegelten, schütter werdenden Rockerschopf, samt Schnauzbart wie ein Gesetzesloser, in die Richtung, aus der gesprochen wurde: »No sicher! Er hat sogoa angruafn, ob er mitmachen kann! Jo und er kummt mit ana Strech-Limo.« – Doch damit gibt sich der Wissbegierige aus der basisdemokratischen Drahidwaberl-Meute nicht zufrieden: »Und von wo hat er die her und wer ist noch mit ihm mit?« 

»Die Stretch-Limo kummt vo sei'm Manätscher Markus Spiegel, und gehen tuat er jetz mit aner ehemaligen Schülerin vo mir«, sorgt Stefan Weber für schnelle Aufklärung, um mit seiner Akteurs-Besprechung rasch fortfahren zu können. Natürlich darf Falco immer mitmachen bei Drahdiwaberl, Ehrensache, und er
tut es auch bei fast jedem Auftritt. Hat den Anschein, als wäre Drahdiwaberl immer irgendwie Falcos Bas(i)slager geblieben. Und diese eine, ganz besondere Nummer hat die Band jederzeit drauf. Damit hatte sich Falco von Beginn an in den Vordergrund gespielt – während der nötigen Umziehpausen des Herrn Professors, der sich als amerikanischer Präsident in Stars & Stripes zum »ausgeflippten Lodenfreak« wandelt. 

Hektik um 19 Uhr. Die Securities ziehen auf, wuseln herum. Alles bereitet sich auf den Ansturm für den Chaos-Abend vor. Doch dann müssen Tore geöffnet, Hindernisse entfernt, Wege freigeräumt werden. Um eine weisse Stretch-Limo einzulassen. Wie ein glänzender Fremdkörper bahnt sich dieser mobile Alien den Weg ins Hinterste, grindige Innerste der Wiener Arena, dem ehemaligen Gelände des Schlachthofes Sankt Marx.

Und andererseits: Mad Mat Schuh, der mächtig grimassierende Entertainer verzichtet auf das Backstage-Entree, trabt grossspurig durchs bereits vor Ort sich mit Alkohol aufwärmende Publikum. Bis er den Hinterbühnenbereich erreicht hat, ist er nass wie ein begossener Pudel, über und über angeschüttet. Wie nach dem Motto: »Schau da! Ein Star!« – Platsch! Jeder spendet Bier, um es dem Star als infantile Form der Zuneigung in Schüttform angedeihen zu lassen. – In Anlehnung an die Tradition der Wiener Schule des Aktionismus? Alles unterwirft sich der Choreographie des Wahnsinns. »Aktionismus pur«, wie es der Herr Professor schon seit Wiener Aktionismus-Zeiten predigt, obwohl das Chaos natürlich immer unkalkulierbar bleibt – das haben Chaosse so an sich.

2 Stunden später: Auftritt! Das Konzert startet wie vorgesehen. Stefan Weber erhält die Goldene Schallplatte überreicht, Nadja uriniert darauf (alles echt: Goldene Schallplatte wie Golden Shower!), schüttet die im Rahmen verbliebene Pisse in die ersten Reihen des lechzenden Publikums. Peter Paul Skrepek ist, wie die Gebrüder Rabitsch (Keyboarder Thomas als Bandleader, Bernhard spielt Trompete und Percussions), ein Überbleibsel aus der original Falco-Band des legendären Donauinselfestes von 1993 (Bertl Pistracher am Bass, Thomas Lang am Schlagzeug, der Rest der Originalbesetzung). Jetzt in der Wiener Arena in der Baumgasse 80 führt Skrepek als stimmgewaltiger »Bürgermeister Zilk«
durchs Programm. Im Aufgangsbereich der Bühne wie immer grosses Gedränge. Der nächste Programmpunkt muss mindestens von Skrepek als »Bürgermeister Zilk« angesagt werden, deswegen braucht er das Mikro am richtigen Fleck im Bühnenlicht.



R geht offda Strossn... »Ganz Wien« steht am Programm: Und daneben die Sensation, welche es für Drahdiwaberl-Mitglieder nie war: »FALCO«. Hier mit seinem Gibson Les Paul Bass, den er nie mit Plastik schützte – obwohl das Musikinstrument etwa 20x so teuer war wie seine Versace-Klamotten. Das einzige, das er wirklich geliebt hat: seinen BASS.


Lonely & Mulatschag: Immer der krönende Abschluss, auch wenn man besonders bei Provinzaufführungen der männlichen Landjugend ihre Nöte ansieht, die sie in einer verschliessbaren Einzelkabine per Ejakulat ins Klopapier entsorgen möchte... [Zitat aus dem kawei.Buch]

Jedoch als Bühnenrolle »Zilk« hat Skrepek – eine ironisch bis höllische Dramaturgie! – nur eine Hand  (nach dem Briefbombenattentat von 1993) zur Verfügung... Also muss er jemanden bitten, ihm das Mikro richtig hinzujustieren. Und der Schreiber dieser Zeilen macht sich erbötig, nimmt dem fulminanten Skrepek als gehandicapten »Bürgermeister Zilk« das Stativ ab und will es ins Zentrum des Geschehens stellen. – Na mehr brauchst du nicht…

Der Erste, dem das nicht behagt, ist der (inzwischen verstorbene) Schlagzeuger Peter Kolbert: »Bist deppat, net zu mir, weida umme!«, reagiert er im Kommandoton, nachdem sein Blick den auf dem Boden festgeklebten Programmzettel gestreift hat. Also wandert das Mikro aus dem Zentrum, seitlich in Richtung der Gitarre von Helmut Bibl. »Öha! Net do her, andre Richtung! Geh nach rechts mit dem Zeug – olles nur net zu mir«, sagt der ansonsten recht schweigsame Gitarrist.

Als Drahdiwaberl-Akteur auf der Bühne tut man allerhand, aber nie einem Musiker zuwiderhandeln. Sodann gehts mitsamt Stativ drollig weiter in Richtung der Bassgitarre von Fredl Petz ans andere Bühnenende. »Bitte ned zu mir, do is jo des Mischpult a glei in da Nähe... Bitte, des geht jo ned!«
 

1-und-2-und-3-und-4! Kuriose Situation, wenn man es keinem recht machen kann. Dann beginnt Bandleader Thomas Rabitsch mit dem Einzählen, immerhin heisst es: The show must go on! Und dieser Satz hat auf allen Bühnen ewige Gültigkeit. Skrepek pfeift für einen Moment auf seine Rolle, übernimmt trotz der vorgeblich lädierten Hand das Stativ und knallt es ohne Rücksicht auf Verluste ins Bühnenzentrum. Ganz ohne auf das Lamento im Umkreis und die Bannflüche der Instrumente Schlagzeug, Gitarre und Bass zu achten.  
Wurde auch schon höchste Zeit. Und schon gehts los mit »Fanbeteiligung« (wie es Drahdiwaberl-intern so schön heisst): abgefeuerte Wurfgeschosse treten in den Luftraum, geschmissene Pfandbecher nähern sich in asymptotischen Flugbahnen, ausgerissene Grasbüschel detonieren polternd und in Brocken zerstiebend auf den bereits heftig in Mitleidenschaft gezogenen Bühnenbrettern.
 
Doch Skrepek als Zilk ist grandios wie auch gnadenlos in seiner Rolle als schnaubender Bürgermeister Zilk: »Lieber Freund, Sie glauben, Sie können hier mit Dreck werfen! in einem Musterbetrieb in einer mustergültigen Stadt. Und junga Freund, Sie wern ma des no bereuen, das schwör ich Ihna als Bürgermeister dieser Stadt, die schon Mozart, Haydn, einen Hitler – na guat, den ned so wirklich – gross gemacht hat. Aber der grösste Freund, der grösste Sohn. Ja, er ist ein Sohn von mir, der grösste Sohn der Stadt: FALCO...« 

Und der solcherart Angekündigte wartet noch immer ungerührt im Bühnendunkel auf seinen, nun folgenden Auftritt. In schierer Duldungsstarre verharrend steht der »grösste Sohn Wiens« noch immer höchstselbst persönlich mit mahlenden Kiefern bereit, um sich mit dem nächsten Takt ins Getümmel zu stürzen. Dann zieht er den Zipp seiner dunklen Regenjacke zu, rückt das Kapperl mit der Aufschrift »Boy« noch tiefer in die Stirn, weil er weiss, was ihn nun erwartet, und...  

Und sagt schnell noch was zu den Umstehenden, eigentlich mehr zu sich selber: »Gemmas an, Burschn!« Dann stürmt er zum in der Mitte geduldeten Mikro, gerüstet für das nun Kommende. Die anderen haben schon begonnen: Tara ra-ra. Tara ra-ra. Tara ra-ra!

(Nun kann auch der grösste Sohn der Stadt endlich loslegen: Ausweichen): »Er geht off-- (Kopf zur Seite: Platsch) --da Strossn— (Ellbogen nach oben)… Sagt net wohin-- (Treffer abwehren)… Sei Hirn voll Heavy Metal (Einschlag)...« 

Und deswegen wollte niemand den Weltstar Falco in unmittelbarer Nähe dulden. Wegen der Kollateral-Schäden. Platschende Bierbecher am Instrument. Sickernde Feuchtigkeit im Verstärker: Und dazu Erde Kot Gatsch Dreck in rauen Mengen. Treffer mit Grasbüschel. Erdbrocken im Gesicht. Kotbatzen im Mund. Und der unerschrockene Held, der sich das antut, der »grösste Sohn der Stadt«, ist schon kurz vor dem Refrain angelangt: »Des olles macht eahm kan Kummer, weil er ist in Wien...«

Echt und authentisch. Oder als Verhöhnung? Ohne aus seinem typisch nasalen Singsang-Slang, dem damals noch flächendeckend angefeindeten Falco-Sprachduktus, auch nur eine Nuance abzuweichen: »Ganz Wien!« Und dazu wieder der Backup-Chor: Tara ra-ra. Tara ra-ra…
Und auch wenn Falco seine Versace-Designer-Klamotten mit Plastik und Zellophan vor Besudelung durch »Fanbeteiligung« desöftern zu schützen versucht hatte, so war das eher nur Teil der Show. Wie seine zur Schau gestellte Attitüde, die er vor sich hertrug wie eine monströse Monstranz, eigentlich nur ein Schutzpanzer. Denn wäre er wirklich abgehoben gewesen, hätte er sicher nicht bei der Blut- und Beuschl-Truppe namens Drahdiwaberl mitgemacht. Auf dieser immerwährenden Bass-Station, seinem emotionalen Basislager, trotz all der widrigen Umstände, die ein Chaos von etwa 50 Akteurinnen und Akteuren in allen psychischen Aggregatzuständen mit sich brachte. Wie ein Jahr zuvor in Wiesen.














Rückblende:
Ein Jahr zuvor im burgenländischen Wiesen. Es war am 15. Juni 1995, an jenem Ort mit der Postanschrift 7203 Wiesen, im Festivalzelt gewesen. Das Motto lautete: »Die letzte Beichte«. Und ein Akteur aus der Anarchoszene, der sich »Fut-Tom« nannte, liess dem Falco seine Form der »Zuneigung« aus den Bühnen-Requisiten angedeihen. Der Fut-Tom tappte in eines der herumstehenden Fässer, griff sich eine zerfliessende Handvoll Beuschl, langte daraufhin nach dem »Boy«-Kapperl auf dem charismatischen Kopf des normal unter den Akteuren weilenden Hansi Hölzel und stopfte das triefende Etwas in die Rockstar-Kopfbedeckung. Und nicht genug damit: Er setzte das grauslich, gar schauerlich vor sich hintropfende Etwas dem Falco wieder auf den wohlfrisierten Bubikopf.  

Na, der Falco war sauer... Der Professor Stefan Weber musste alle seine Überredungskünste aufbieten, um den Star an der Abreise zu hindern und bei Laune und vor Ort in Wiesen zu halten. Aber – und so war er trotzdem –: Falco blieb, liess sich breitschlagen und trat dennoch professionell auf: Ganz so, als würde er sich von der Öffentlichkeit alles gefallen lassen.  

Grauslich. Aber typisch für die Verhältnisse. Jedermensch war dem Falco feind, missgönnte ihm, dass er es auf die grosse Weltbühne geschafft hatte. Das ergab diesen bestialischen Neid, dieses Übermass an sadistischer Schadenfreude. Und erst nach dem Unfalltod sollten alle Löcher aus ihren Schadenfroh-Löchern kommen, um in die Welt zu schadenfrohlocken...  

Clementine Gasser, Burgtheater erprobt mit Cello, macht dann nach Falcos Schlussakkord die nächste Ansage auf Schwyzerdeutsch: »Momma, dr Mann mit dem Kocks wr do!« Weitere Gäste dieses Abends: Gerhard Ruiss (IG AutorInnen), Tini Kainrath (Rounder Girls), Thomas Gratzer und Harald Posch (Habsburg Recycling) – und man darf es vermuten: Viele »special guests« von Drahdiwaberl taten es nur wegen Falco.  

Beim nächstfolgenden »Letzten« Drahdiwaberl-Konzert am 19. September 1997 im Rockhaus (das spätere Planet Music) ist Falco nicht mehr zugegen, weil er dafür nicht extra aus der Karibik anreisen will. Das letzte Mal soll ich den Hans dann am 21. November 1997 wiedersehen. Als Überraschungsgast von »30 Jahre Ö3« in der Wiener Stadthalle – obwohl der Sender »Ganz Wien« zensiert und aus dem Airplay verbannt hatte! Im zugeknöpften Trenchcoat performt er den als Remix geplanten »Kommissar 2000« (der aber nie mehr erscheinen wird).

Auf »Ganz Wien« verzichtet Falco
. Vielleicht auch deswegen, weil die Textversion im ORF-Radio auf Ö3 ja Spielverbot hatte (während jeder MutterfuckaScheiss kein Problem hat)... Falco hegte keinen Groll, war nicht nachtragend, liess sich alles gefallen. Wenigstens hätte er in der Stadthalle nicht mit Grasbüschel und Kotbrocken beworfen werden können. Knappe drei Monate später, am 6. Februar 1998 fällt dann in der letzten Heimat des Heimatlosen, in der Dominikanischen Republik, der wirklich letzte Vorhang und gibt den Platz frei für Erinnerungen aller Art – wie auch dieser hier.
 


Ronny & Conny hinter dem Sarg, getragen von den Hells Angels. Noch im selben Jahr, September 1998, verwüstete der Hurrikan George binnen weniger Minuten das Poolhaus in Puerto Plata mit Falcos Instrumenten, Tapes & Fotos, Auf- & Auszeichnungen, goldnen Schallplatten & all dem irdischen Tand, den der Hans Hölzel dort zurückgelassen hatte. Jaja, so schnell kanns gehen. »Und dann lernen ma schwimmen, weil kräuln tan ma eh!« – Over + out.

Karl Weidinger, Jahrgang 1962, Schriftsteller und seit 1994 Drahdiwaberl-Mitglied. Zuletzt erschien das 7. Buch kawei als Krimi: »Die schönsten Liebes-Lieder von Slipknot« im Androkles Verlag: ein fiktiver Kriminalroman mit realem Hintergrund, der binnen 24 Stunden am Tag des Wiener Donauinselfestes spielt (worin auch diese Erinnerung in abgewandelter Form vorkommt). Auf der einen Bühne Drahdiwaberl, daneben Slipknot – und es passiert Unvorhersehbares im gemeinsamen Hinterbühnenbereich.

Und, wen es interessiert, auch noch 1 Story im Standard.