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BEST OF VERÖFFENTLICHT:
PRINTERVIEW

»Is scho genug Nenning?«

Schriftsteller kawei [:Bücherlink:] begibt sich ins Revier des Auhirschen. Zu Besuch bei DDr. Günther Nenning. Eine Institution –: die Ikone der »Krone« – Österreichs ehemaliger Parade-Intellektueller wird 80.

»Schriften zur Zeit GmbH« verspricht das Türschild aus Messing. Das legendäre, von Friedrich Torberg gegründete FORVM war dereinst hier in der Wiener Museumstraße 5 untergebracht. Und wie als Ergänzung steht handschriftlich auf der Tafel hinzugefügt: »Knopf lang und fest drücken«. Noch einmal kurz durchgeatmet und frisch drauflos gedrückt, lang und fest. Augenblicklich springt die Tür auf, denn der Knopf ist Glocke und Türöffner zugleich. Ein verwinkelter Korridor mit Läufern auf dem Boden und Bildern an den Wänden tut sich auf. In dieser – auf den ersten Blick als gutbürgerlich einzuschätzenden – Keimzelle einer Familienidylle spielt ein kahles Baby im Gang mit Bausteinen und brabbelt vor sich hin. Ein junger, als Intellektueller zu bezeichnender, Mann biegt um die Ecke und fragt stumm mit den Augen. Die unzähligen Karikaturen von Deix & Co haben alle etwas gemeinsam.

»Verzeihung, bin ich hier richtig--?«, ist die erste Frage, bei der sich das Gedachte »beim Auhirschen« gerade noch vermeiden lässt. Schneller als die beiden Söhne geben die Witzbildchen Antwort. Richtig! Interviewtermin mit DDr. Günther Nenning. »Aber bitte!«, sagt das Empfangskomitee in Gestalt der beiden Nenning-Söhne, samt dazupassender Geste und zustimmendem Brabbeln. Der ältere, bereits sprechfähige Sohn, der sich als Leopold vorstellt, fügt hinzu: »Bitte weiter in den Salon«.

In seinem Revier lässt Nenning höchstpersönlich dann etwas auf sich – und den Interviewjäger warten. Während dessen schweift der Blick, in Ruhe, gelassen über Dutzende von Bücherregalen. Kaum eine Wand ist verschont geblieben. An jeder Mauer gibt es die friedliche Koexistenz von Nenning-Bücherstapeln mit berühmt gewordenen Fotos. Immerhin verdient dieser Mann das Prädikat »Ikone« wie kaum ein zweiter.

Die Ikone der »Krone«. – »Nenning schreibt für Österreich« steht da, und »Post darf öffnen!« darüber im eingeschweißten Zellophan der Schutzhülle des letzten Bestsellers. Und da ist es schon, das Foto mit Hut aus der Zeit der besetzten Hainburger Donauauen im schicksalträchtigen Jahr 1984. Aber wo, nur wo, ist jenes mit dem Hirschgeweih anläßlich der konstituierenden »Pressekonferenz der Tiere«? Wahrscheinlich im Schlafzimmer.

Nach bangen Minuten gibt das Parkett verräterische Laute von sich. Fast wäre man versucht zu schreiben: »kündigt das Geäst im Unterholz des Parketts das Nahen des kapitalen 79-Enders an«. Das Warten hat sich gelohnt und nun ein Ende. Der frühe Forum-Großmeister und späte Vater naht vernehmlich in seinem bekannten großväterlichen Idiom röhrend: »Wo isser, da Herr vom Uhudla«. Nach 6:28 Minuten schlurft er, noch äsend, um die Ecke. Die Ikone im österreichischen Journalismus, die am 23. Dezember 2001 den 80. Geburtstag begeht, naht in alternativ angehauchter Pracht einer nicht ganz korrekt zugeknöpften Strickweste und einer antiken Jogginghose. Nach Momenten der Sprachlosigkeit folgt die Ansprache wie durchs Zielfernrohr mit dem Finger am Abzug des Mini-Disc-Rekorders.

Nenning für A, Au und Autoren.


Schöner Blick aufs Volkstheater. Gehen Sie da auch hin, hie und da?

DDr. Günther Nenning: Nein. Sehr selten. Da muss mich scho wer sehr heftig dazu auffordern.

Kommen wir zum Journalismus: Ihre Wandlung vom Rebellen zum angepassten Kolumnenschreiber in der gutbürgerlichen, manche sagen »reaktionären«, Kronenzeitung war ja keine alltägliche und vorhersehbare.

Im Journalismus steckt der Hund, dass der Journalist zu den Leuten kommen will. Und wenn er die Wahl hat zwischen 3 Millionen Leuten oder daheim zu sitzen und es ihm fad, so macht er halt ersteres. Die Kronen Zeitung ist gut österreichisch, gut grün und gar net so anti-sozial. Sondern durchaus sozial. Also nicht brutal und globalkapitalistisch. Sondern – wenn es das gibt – für den sozialen Kapitalismus. Mir ist das nicht genug! – No, Sie lachen...

Und wie sehr spielt da Geld eine Rolle?
No, des weiss i gar net. Ich schreib etwas, und die zahlen dann etwas. Wieviel weiss ich gar nicht (schmunzelnd). Der Journalist hat die eigentümliche Eigenschaft, dass er von etwas leben muss wie der Bäcker, Schuster usw. Und nach 50-jähriger Berufstätigkeit lebe ich ganz gut. Es ist komisch: Die Leute könnten ja auf die Idee kommen und sagen: »Is scho genug Nenning – 50 Jahre sind genug!« Aber ich warte in Ruhe, bis sie auf die Idee kommen. Es wird scho einmal wann soweit sein.

Aber welcher Mund wäre dazu berufen?
Jeder Herausgeber hat das Recht zu sagen: »Dankeschön, das war's – ich mag dich nimmer!« Ich bin sehr froh, dass ich Beschäftigung finde. Aber mir wär' anders auch nicht besonders fad. Schreib ich halt zum 25. Buch noch zwei, drei dazu.

Auf Maschine oder Computer?

Ich schreibe mit der Hand. Ich leg die Füsse auf den Tisch, nehme ein paar Bogen weißes Papier und fange links oben an und schreibe.

Und das ist in einem nachvollziehbaren Zustand?

Gerade deswegen. Weil ich mit der Hand schreibe und die Umsetzung in den Computer nicht möglich ist. Und zwar perverser Weise, wenn es geschwind gehen soll. Dann schicke ich's mit der Hand, und alle können es lesen.

Die nächste Frage trau ich mir gar nicht stellen?
Na, fragen Sie nur. Sie sind ja nicht verpflichtet, etwas G'scheites zu fragen.

Also gut: Sie sind – wie Sie selber sagten: »mit 79 auf den letzten Drücker Vater geworden«: Ist das Umfeld in der Kronenzeitung so fruchtbar?
Ich bin ja nie in der Redaktion. Ab und zu geh ich's besuchen. Nein, die Fruchtbarkeit kommt aus dem inneren Glück. Eine Zeitung ist etwas Schönes. Aber nicht genug zum Fruchtbarwerden. Ich weiss nicht: Ich habe bisher einfach soviel Glück gehabt. Ich zitter' eh: Ob das Glück weiter anhält.

Ein bisserl was davon wird schon auch verdient sein!
Pfah, es gibt Leute, die sind so gut und gehen trotzdem neben den Schuhen. Da gehört scho Glück oder Gnade dazu. Aber es gibt doch so viele schlechte Leute in guten Positionen, das ist doch ein Rätsel.

Ruhm ist heutzutage eine Heimsuchung wie früher Heuschreckenplagen!
Der Ruhm ist ein leerer Schatten. Was mich freut, ist: Dass mich die Leute kennen und mögen. Die Kehrseite ist, dass mich sehr viele Leute wahrscheinlich nicht mögen und nicht kennen. Wennst da nicht du selber bist, bist verloren. Mich freut das: Die Leute bleiben stehen um zu reden. Ich bin eine Art gesprochene Zeitung.

Das war wahrscheinlich nicht immer so; beim Forum...

Das hat sich überlappt. Meine Forum-Tätigkeit war ein Viertel Jahrhundert lang. Parallel dazu hat's gegeben das Fernsehen. Da haben mich die Leute erkannt und ja auch mit mir geredet.

Trauern Sie dem Club 2 im ORF nach? Anders gefragt: Wäre es Ihnen lieber, wenn Sie statt Ihrer derzeitigen Arbeit den Intellektuellen wieder ein Forum bieten könnten wie dereinst den Club 2?
Das »statt« ist das, was ich nicht mag. Ich arbeite gerne, wie man eisenbahn-technisch sagt: auf mehreren Schienen. Weil wenn dann die eine oder andere wegfällt, is es noch kein besonderes Unglück. Damals zu Forum-Zeiten habe ich viel mehr Fernsehen gemacht als jetzt. Des Fernsehen ist ja eine furchtbare Geschichte. Aber ich rede mir ein – das ist sicher a Blödsinn –: Wenn ich Fernsehen mache, hört sich die Furchtbarkeit für einige Minuten auf.

Wie bitte?
Ein, zwei Mal im Monat komme ich dran. Aber nimmer aktiv als Moderator. Nur mehr passiv. Ich bin ja scho ein alter Hund. Um Gottes Willen: Da muss man ja schön ausse lachen aus dem Kastl für die Leute.

In anderen Kulturen gab es die Tradition der Alters-Weisheit, Rat der Ältesten...
Ich halte das für ein Verhängnis, dass die Erfahrung der Alten weggeschmissen wird. Die Indianer waren viel besser als unsere heutigen Medien.

Es gibt noch Medien, bei denen die Alten das Sagen haben. Wäre da etwas zu ändern?
Bei den großen Medien und scho gar bei der »Krone« braucht man nix ändern. Das brauchst du dir nur anzuschauen und zu sagen: »Passt es dir oder passt's dir nicht!«

Wird da Einfluss genommen?
Ein, zwei Mal im Jahr sagt vielleicht wer: »Weiss nicht, ob wir des wollen!« Aber wenn einer eine Zeitung herausgibt, muss er ja einen Einfluss darauf haben. Aber es ist verblüffend geringfügig. Das hat freilich damit zu tun, dass ich ja nicht blöd bin. Ich weiss scho, wo ich was schreiben kann. Für die »Krone« oder die »Presse«: Ich schreibe für jede Zeitung anders.

Ihre Kolumne heisst »Anders gesehen«, da liesse sich vortrefflich entgegnen, dass Sie den exakten Blickwinkel haben. War der Titel ihre Krone der Schöpfung oder gar eine Schöpfung der »Krone«?
Den Titel haben die gefunden. Wir haben uns lang überlegt: Wie könnte denn das heissen. Und »Anders gesehen« heisst ja: Die »Krone« will jemanden, der anders ist als die anderen. Ich halte das für einen sehr guten Titel.

Wie ist denn überhaupt die Annäherung an die prozentuell auflagenstärkste Zeitung der Welt, die Kronenzeitung entstanden: Magnetismus?
Halbautomatisch in der Hainburger-Au-Besetzungszeit. Ich war ein Häuptling in der Au. Und die Sache wäre nicht gewonnen worden, wenn sich nicht die »Krone« voll hinein gekniet hätte. Dadurch ist eine wechselseitige Sympathie entstanden. Die dauert jetzt scho seit 1984, also an die 20 Jahre. Ich nehme an, es spielt a Rolle, dass die »Krone« grün ist und dass ich grün bin und dass mir so zusammen kommen. Das hat aber mit den Partei-Grünen nix zu tun!

Da gibt es auch Leute, die der Zeitung eine andere Farbe aus dem Spektrum zuordnen!
Was für a Farb?

Eine ähnliche, ich weiss ja auch nicht!

Wos n. Geh bitte. Sogs. Du weisst es sicher.

Ich kann's nicht sagen, ich will mich ja nicht klagen lassen!

Sei net feig. Meinst des Blaue?

Bissi dünkler!

Wos ist dünkler? Des Schwarze?

Vorher im Spektrum!

Des Hellschwarze. Weisst, des Schwarze steht für de »Krone« a net schlecht. Das Klerikale.

Eine andere ERD-Farbe?

Das BRAUNE. Das is a furchtbarer Bledsinn. Da is doch nicht ein Ton diesbezüglich. Sonst wär i net dort.


(Schweigen im Walde. Es entsteht eine längere Pause! Ein ferner Pumperer ist zu hören. Irgendwo muss das Bild mit dem Hirschgeweih von der Wand gefallen sein oder zu bluten begonnen haben. Endlich bricht er das Schweigen.)

Schluck. Schluck.

Ja, da weiss ich jetzt nicht mehr weiter; ich muss ja das so abtippen, wie wir das gesagt haben und wenn ich mich jetzt vertue und meine eigene Meinung raus lasse, kann ich's Interview weg schmeissen!
Jaja. Scheuslich. Scheuslich... Wenn ma von Farben reden: Die »Krone« is solide Österreich treu. Und das hiess bis Feber (2000, Anm.) eisern Rot-Schwarz. Noch und noch und jeden Tag. Naja, des is trotzdem nicht kommen. Was übrigens heisst: Allmächtig is die »Krone« a net. Ich find das gut. Und jetzt stellt sich heraus: Schwarz-Blau is gar net so schlecht nach soundsovielen Jahrzehnten.

Tja, siehe oben; ich darf nix sagen dazu, muss neutral sein!
Na warum net? Sag was dazu. Is jo gschwindelt. Bitte: Einer kommt mit seiner Meinung von einer Zeitung, die auch eine Meinung hat. Alles andere is g'logen.

Ex-Vizekanzler Busek hat gesagt: Gegen die »Krone« kann man nicht regieren. Hat er sich unter- oder die »Krone« überschätzt?

Es kommt aufs Kaliber an. Der Busek ist ja nicht das oberste und größte Kaliber. Und da kanns scho sein, dass die »Krone« stärker ist als er. Aber wennst dann jemand hast wie n Schüssel (lacht), der hat sich überhaupt nix gschert und is durchkommen.

Da muss ich jetzt doch Max & Moritz zitieren: »o weh, o weh, wenn ich das Ende seh« – nur eine freie Assoziation. Fällt mir nur so ein.

Schad. Dass Di net traust. S wär a viel bessers Gespräch.

Okay! Ist Nenning auch der Mann, der den Gangster-Rap salonfähig gemacht hat? Zitat: »Wiss'z was?« – also voll trendy im Gossenslang: »Ich hab euch voll durchschaut. Ihr hasst gar nicht Österreich, ihr hasst euch selber!« tönte es am Nationalfeiertag ungewohnt aggressiv aus ihrem Kommentatorenkasten.
Das stimmt ja. Das ist eher etwas, das christliches Erbarmen verdient, als dass man Gegenwut hat. Natürlich packt einen die Wut, wenn sie sich ununterbrochen an Österreich abputzen. Aber es sind eigentlich unglückliche Seelen, die da schreiben. Die sich nicht trauen, zu etwas zu stehen. Du bist nun einmal in dem Land geboren! Oder durch den Schornstein geworfen worden vom Storch? Und das hat Auswirkungen auf die Seele. Und wenn man die partout ausreissen will, wird man halt ein bisserl neurotisch.

Professor Erwin Ringel und Paul Watzlawick sahen das möglicherweise anders. Vielleicht ist ja gerade dies der Humus für große Köpfe, große Geister?
Große Österreicher waren immer auch gegen Österreich. Siehe Thomas Bernhard. Aber das waren halt große Köpfe. Da hat immer durchgeleuchtet – und manchmal haben sie es sogar gesagt oder geschrieben –: Dass sie Österreich lieben!

Ich kann ja auch trotzdem ein starkes einmaliges Verhältnis wie zu meinen Eltern haben, welches sich durch Konfliktfreude äußert. Ein Land – und das sehe ich genauso wie Gotteslästerung –, ein Land muss ein bisschen Lästerung schon aushalten, wenn Sie mir diese Privatmeinung gestatten?
Freilich, freilich. Wir halten die Österreichhasser noch ein paar Jahrtausend lang aus.

Ich möchte mich, wenn's recht ist, gegen den Ausdruck Österreichhasser verwehren. Dadurch dass sie zeigen, dass ihnen Österreich nicht wurscht ist, zeigen sie ja ihre Liebe. Und Hass ist sowieso negative Liebe.

Ich vermute das schon auch, aber es ist halt sehr verborgen. Die kleinen Geister können sich das Doppelte nicht leisten. Die müssen entweder gegen ihr Land sein oder dafür. Die großen Geister sind beides.

Und in zänkischer Absicht, wie in der Literatur formuliert: Warum darf man Österreich nicht hassen?
Es tut wahrscheinlich Österreich sogar gut. Jede Form von Kritik und Negativität tut gut, wenn es sich um jemanden handelt, der stark ist.

Und was kümmert es schon die Eiche, wenn sich die Wildsau daran reibt?

Jojo. Die Wildsau is doch eh ein liebes Tier.

Und nun von der Au zu den Autoren.

Die österreichische Schriftstellerin Efriede Jelinek hat mir im Interview [:hier nachlesbar:] mitgeteilt, dass sie sich nicht gegen die Kronenzeitung und Nenning wehren könne, denn es herrsche Redefreiheit – was am allerstärksten für die »Krone« gelte. Stört Sie das nicht ein bisschen, dass Sie Autoren-Porträts schreiben, worin Leute zwangsbeglückt werden?
Wenn irgendwer über jemand schreibt, wird der zwangsbeglückt; das ist unvermeidlich.

Aber wenn bei mir jemand nicht will, dass ICH über ihn schreibe, tue ICH es nicht!

Nojo. Ich mache ja keine Interviews. Ich setze mich hin und schreibe. Ob es dem, über den geschrieben wird, gefällt oder nicht. Is jo net mein Bier. Die »Krone der Dichtung« (Nennings Serie über österreichische Literatur in der Sonntags-Beilage namens »Krone bunt«, Anm.) ist ja eher so, dass sich die Leute darum reissen. Ich habe viel größere Schwierigkeiten damit, dass Leute sagen: »Schreib was über mich«.

Öha! Wer kann das sein: Namen!!! Wer? Aus der Seitenblicke-Gesellschaft?

Wenn man die österreichischen Autoren über 200 und mehr Jahre als Seitenblicke-Gesellschaft bezeichnet? Ist mir auch wurscht, nein, das ist ja blöd! Nein, der Grillparzer gehört nicht dazu. Die Jelinek auch nicht. Aber ich habe ja keine Grundlage. Ich weiss ja nicht, wer in den Seitenblicken vorkommt.

Sowas wie der halbprominente Wiener Baumeister Richard Lugner in etwa, nur auf Literatur.
Des wäre gar nicht so schlecht. Eine gute Idee! Über den eine »Krone der Dichtung« zu machen. Der is gar nicht so schlecht, hat Humor, hat den Durchblick.

Eines Ihrer Buch heisst »Nenning schreibt für Österreich«.
Eigentlich schreibe ich weder in Zeitungen noch trete ich im Fernsehen auf noch schreibe ich ein Buch, ohne dass wer von außen mich dazu stößt. Ich hege die Befürchtung: Wenn mich niemand stößt, dann täte ich gar nix schreiben. Weil es gibt soviele Sachen, die schön sind, von denen man nicht leben kann. Es ist sicher eine gemischte Geschichte. Wenn jemand anruft, freue ich mich – und leben musst auch von was.

Noch eine provokante Frage: Wenn Sie nicht aus der Trias ÖGB, SPÖ und ORF in einem Dreierschlag entfernt worden wären, wäre dann alles ganz anders verlaufen?

Nein! Das muss man von der Ursache her sehn: Ich bin ja ausse gschmissen worden, weil ich denen nicht gepasst habe. Also die Annahme, wenn sie mich gelassen hätten, wäre ich dort steinglücklich geworden, stimmt ja nicht. Mir wäre fad geworden. Ich weiss nicht, was da jetzt wäre bei der SPÖ. Ich behaupte: Fad wäre es mir!

Versöhnliches Ende: Haben Sie eine Zukunfts-Perspektive?
Dass ich nach einem gewissen Aufenthalt im Fegefeuer in den Himmel komme.

Ah, deswegen schreiben Sie soviel darüber!

Das passt mir natürlich auch bei der »Krone«. Dass sie das ganz Einmalige hat: Dass sie eine Boulevardzeitung ist und fromm ist. Das ist ja das Unglaubliche: Sie ist die weltgrößte Zeitung, papsttreu und fromm, für den Lieben Gott und Jesus Christus. Das ist doch großartig! Für so eine Zeitung muss man doch schreiben.

Sind diese Werte nicht hinterfragenswert?

Ich muss nicht mehr alles hinterfragen. Ich bin froh, dass es den Lieben Gott gibt.

Und wenn nicht?

Undenkbar. Findet auch nicht statt. Das ist die vergebliche Hoffnung aller Atheisten durch Jahrhunderte.

Und was macht Sie so sicher?

Der Liebe Gott! -----
Danke fürs Gespräch!



* 23. Dezember 1921
14. Mai 2006

DDr. Günther Nenning, frei nach Musil: ein Mann mit Eigenschaften & einer überaus biegsamen Karriere. Geleistet hat er viel. Seine Wandlungsfähigkeit und sein etwas zu jovialer Umgang mit der Macht war vielen ein Dorn im Auge.


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Und dann die Autorisierung:
»Geh Kinderl, do müsst i mi do erinnern, was i gsagt hab!
Schreib, was Du glaubst, wird scho passen!«
Aber das getapte Gespräch auf MiniDisc ist
– als Beweis – noch gut erhalten!
[Passagenweise verkauft an den AUGUSTIN sowie auch an das EXTRA der Wiener Zeitung.]
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