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BEST OF VERÖFFENTLICHT:
PRINTERVIEW

»Südschwedenfreund!«

Peter Rosenauer ist als Greenpeace Aktivist natürlich ein Globalisierungsgegner.
Der »Rainbow-Warrior« ist auch Tierrechtler und somit – ebenso natürlich – grenzüberschreitend polizeibekannt.

 

»Früher begann der Tag mit einer Schusswunde«, schrieb Wolf Wondratschek 1969. Selige Zeiten, die ebenso wie die 68er-Revolte vergangen sind. Heute kann ein Tag auf einer Demo auch das Leben beenden. Man kann recht schnell tot sein, wenn man sich zur falschen Zeit am falschen Ort befindet. Der Schreiber dieser Zeilen trifft Einen, der es genau wissen muss – und dieses Risiko trotzdem auf sich nimmt.

Wie war denn das, die Sache mit dem Elitepolizisten, der jetzt für die grosse »Krone« und die ORFZiB vom Gipfelsturm aus Genua über Deeskalations-Strategien berichtete? Möglicherweise ist der Experte für Deeskalation (siehe Foto), wahrscheinlich ein Verfechter der Erziehungs-Methode »gsunde Watschn«, wonach sich jedes Problem ganz einfach mit ein, zwei Ohrfeigen (oder einem Gummiknüppel) lösen lässt... Und dann etwa ohne Fernsehen und ohne Krone ins Bett?

»Bei der Wiener Sondereinheit Wega versucht man durch Training die Reizschwelle der Beamten immer mehr zu erhöhen«, schrieb die Neue Kronen Zeitung am Sonntag, 22. Juli 2001 zum blutigen G8-Gipfeltreffen im italienischen Genua. Das Blatt ist erprobt mit Kriegshandlungen, führte es schon seinerzeit den ehemaligen Wappenspruch des Feldherrn Radetzky im Schilde – und als Slogan: In deinem Lager ist Österreich. Dass der Hauptmann der Wiener Einsatzgruppe Alarmabteilung (Wega) als »erfahrener Polizeioffizier« (Neue Kronen Zeitung) seinen Beamten immer ein leuchtendes Beispiel sein muss, ist ebenso klar wie der »Provokateur« Rosenauer aktenkundig ist. Freut man sich da, wenn man durch so ein Foto relativ bekannt wird?

Früher erkannte man Kiberer/Krimineser/Stapozisten an Zigaretten der österreichischen Marken Falk und Memphis. Am Bullenschnauzer sowieso. Und am durchs lange Dienstkappeltragen (bis man die Uniform ablegen konnte) schütter gewordenen Haaransatz. Sowie an der unverzichtbaren Herrenhandtasche, die diese Spezies so stilsicher wie unverwechselbar auszeichnete wie nur sonst noch Fahrschein-Kontrollore. Es hätte an Kränkung der Beamtenehre gemahnt, wenn man getarnt aufgetreten oder unerkannt geblieben wäre; beinahe sowas wie Selbstverleugnung. Jeder in der Bevölkerung wusste wer ein »Lauscher« (Spitzel) war und wann ein »Zund« (Tipp) oder »Wams« (Verrat) gefragt und angebracht war.

Heute sitzt der unäuffällig joviale Typ neben dir im Stammlokal, redet übers Koksen, betreibt Bodybuilding und raucht Marlboro Lights. Am ehesten wäre er noch am BacardiCola erkennbar. Haben sich viele während der langen Bereitschaften in den Kasernen an-(und die meisten nicht wieder ab-)gewöhnt, sagt einer aus der Anarchoszene, der am liebsten unbekannte, vermummte – aber besonders radikale »Chaoten« outet, die komischerweise ein Kabel unter der Maske runterlaufen haben und komischerweise nie von der Exekutive gejagt/erwischt/verprügelt werden. Schon eher waren diese »Agent provocateurs« gesichtet worden, wie sie sich zwanglos mit den Einsatzkräften unterhalten hätten... Auch lief einer dieser Spezies bei der Opernball-Demo 2001 schutzsuchend ins Koat – echte AnarchoMethode, oder?

Egal, man hat ja selber nichts zu verheimlichen und lässt sich nicht zu strafbaren Taten verleiten; man ist ein offenes Buch oder fallweise ein offener Akt. Peter Rosenauer ist so einer. Einer wie er neigt zu »Erregung öffentlichen Ärgernisses« und dem »Einnehmen von aggressiven Haltungen«, steht in seinem Akt. Er ist kein unbeschriebenes Blatt mehr und wird es auch nie wieder sein können.

Da kann manchem Polizeihauptmann schon mal die Hand auskommen. Wie geschehen bei der Opernballdemo am 22. Februar 2001 in der Wiener Innenstadt. Und das Doku-Foto kam dann auch irgendwie aus und um die Welt. Tja, der Film in der Kamera des Reuters-Fotografen wäre eine begehrte Trophäe gewesen, konnte aber nicht erhascht werden. Aber stattdessen gab es dafür Festnahmen und »Jagdgesellschaften«. Eine richtige Hetz für die Einen – und eine echte Hetzjagd für die Anderen. Und Prozesse folgten. Da schau her – fragt sich der Kenner der Szene – sind wir vielleicht etwa nicht mehr in Österreich, sondern schon in der zivilisierten Welt?

Den Prozess gabs für Peter Rosenauer wegen Beleidigung einer Behörde. Hatte er doch vorher öffentlich alle Anwesenden des Wega-Einsatzes pauschal verunglimpft. »Negafreunde« werden Demo-Teilnehmer immer wieder von Polizei-Seite genannt, sagt Rosenauer. »Aber Nega ist schon diskriminierend, das haben die Opinionleader bereits eingesehen.« Also sagen die Beamten hinter vorgehaltener, interner Hand stattdessen nun eher »Südschwede«.

Mit Schweden hat Peter Rosenauer auch so seine Erfahrungen. In Göteborg war's. Schüsse fielen. Auf Demonstranten. Aber wie durch ein Wunder gabs keine Toten wie in Genua, das vor Tagen vom Hafenort zur Metapher für jugendlich-globalisierte Entrüstung mutierte. Dort trafen sich die »Grossen 8« und sagten sinngemäss – zumindest will es die Demo-Szene so wahrgenommen haben –: »Was kümmern uns die kleinen 7 Milliarden. Wir reissen uns alles unter den Nagel und teilen untereinander auf. Und was wir nicht brauchen – Müll/Abgase/Soffwechsel-Endprodukte beim Immerreicherwerden – hinterlassen wir dem Rest der Menschheit. Und was gibts da zu protestieren? Kann ja jeder reich werden....«

»Die Bosse im Turbokpitalismus halten sich heutzutage Politiker wie früher die Magnaten ihre Mätressen. Die werden zuerst gefickt und dann verarscht. Und erobern können sie sich selten was. Hie und da reissen sie ihren Galanen einen Brüller oder ein Schmuckstück heraus. Wie zB. bei den sinn- und nutzlosen UMTS-Versteigerungen«, sagt der 34-jährige Oberösterreicher, der aufs Handy wegen der besseren Organisiertheit und nützlichen Abrufbarkeit nicht verzichten will. Eigentlich war Peter Rosenauer ein unpolitischer Mensch, Grün-Sympathisant höchstens. Es waren ganz normale, fast unverdächtige Stationen eines Werdeganges: Rocker Bundesheer Koch Biker.

War! – Nun ist er für das amtliche Österreich so sicher in der Anarchoszene wie in Radetzkys Lager dereinst Österreich gewesen war. Er meint, dass »alles von oben gesteuert sei«. Denn anfänglich, bei den ersten 10 bis 20 DonnerstagsDemos gab es ein gutes Einvernehmen mit der Exekutive. Man half sich gegenseitig, wo es nur ging, man konnte sogar die Akkus beim Klassenfeind in Uniform aufladen. Man half sich front-überschreitend und fühlte sich schon fast wie Verbündete zwischen den beiden, anfänglich gar nicht so feindlichen Lagern. Kontakte wurden geknüpft und Freundschaften ausgetauscht. Einmal wurde die DonnerstagsDemo sogar von den abfällig als »Bullen« titulierten ExekutivBeamten gerettet, sagt er. (Aber so weit gehen die Tierrechte nicht, dass auch Bullen in Uniform schützenswert wären!) Die Rapid-Wien-Ultras, etwa 200 gewaltbereite Fussball-Anhänger, wollten die donnerstägliche Wandertags-Demo stürmen und einmal so richtig aufmischen...

Klar, jeder Mensch braucht Feindbilder. Ziel, »es« den Studenten und dem arbeitsscheuen Gesindel einmal so richtig und anständig zu zeigen. »Es« wäre sicher ein veritabler Spass geworden! Der Sturm auf die eher friedlichen Demonstranten konnte von den V-Männern und polizeilichen Kontaktleuten gerade noch abgewendet und im Keim erstickt werden. Da hätte es dann gröberen »Personenschaden« gegeben. Vergleichbar mit den Schlachten zwischen Rockern und Mods im englischen Brighton, Ende der 60er-Jahre.

Peter Rosenauer ist 1967 geboren und Veganer seit 1997. Nicht nur fleischfreier Vegetarier. Er setzt auch auf Ernährung ohne Milch und Käse. Im früheren Leben war er Koch. Und »wenn man mitkriegt, was da passiert, dann kann man gar nicht mehr anders«. Mensch und Tier sind als Lebewesen gemeinsam leidensfähig. Da ist der Vergleich mit dem Holocaust gar nicht mehr so abwegig (obwohl dieser Vergleich von vielen Seiten als Herabwürdigung der NS-Opfer empfunden wird.) Er schafft es, fast monatlich ein bis zwei Greenpeace-Aktionen und ebensoviele für die Tierrechtsbewegung »Go Vegetarian« abzuhalten. Mit militanten Tierbefreiern hat er nichts am Hut. »Sabotage bringt nichts«, und schon gar keine konsumbewussteren Fleisch-Verweigerer hervor.

Eine Aktion kann 1 Nachmittag, aber auch 4 Tage dauern. Fixpunkt bleibt Donnerstag in Wien, wo er eigenen Angaben zufolge bei ca. 70 bis 80 Prozent der Demos mitgegangen ist. »Deswegen kenn ich auch den Background der Leute und weiss, wem ich trauen kann.« Nebenbei trainiert er seinen Körper, um widerstandsfähiger zu sein. TaeKwonDo macht er. Und verbürgt soll die Episode sein, wonach er dem autoritären Wega-Hauptmann (siehe Foto oben) seine Visitkarte überreicht habe. Mit den Worten, es sich doch in einem echten FullContactWettkampf in einem neutralen Turnsaal auszumachen. Unbewaffnet und ohne Verstärkung in Kompaniegrösse im (verlängerten) Rücken....

»Winnetou, halt jo d Pappn!«, bekam er vorerst als ablehnenden mündlichen Bescheid. Und danach eine gesunde bis saftige Watschen. Und die Ohrfeige des Hauptmannes ging als Reuters-Bild (»A protestor is hit by a policeman during a demonstration against Vienna's Opera Ball«) um die Welt und blieb vorerst nur Disziplinar-Kommission und Strafgericht verborgen. Immerhin ist der tatverdächtige »policeman« nicht irgendwer, sondern Einsatzleiter der Elitetruppe WEGA.

»Der Vorfall ist auch in der Bundespolizeidirektion Wien dokumentiert und wurde bereits routinemässig als ›Waffengebrauchs-Meldung‹ an das Gericht weitergeleitet. Dochdoch! Es handelt sich um Anwendung von Körpergewalt. Und auch die ist im Waffengebrauchsgesetz festgeschrieben«, zitierte die Tageszeitung ›Der Standard‹ am 27. 2. 2001 den Generalinspektor der Wiener Sicherheitswache, Franz Schnabl. Warum der Wega-Hauptmann zugeschlagen habe, konnte Schnabl aus Datenschutzgründen nicht erklären. Denn die schriftliche Stellungnahme des betreffenden Polizisten müsse nun – wie auch jeder Gebrauch der Dienstwaffe – von der Justiz geprüft werden. Bis dato konnte nichts über die weiteren Beweggründe in Erfahrung gebracht werden und diese scheinen sich im Sande verlaufen zu haben wie eine Demo nach Mitternacht.

Gekippt soll das Verhältnis zur Polizei Anfang Februar 2001 beim Wiener Putin-Besuch sein. »Seit der Visite des russischen Präsidenten hält man sich nicht mehr an gemeinsam gemachte Vereinbarungen und getroffene Zusagen«, konstatiert Peter Rosenauer. Und er hat auch seinen Teil dazu beigetragen. »Beleidigung einer Behörde« wird ihm nun vorgeworfen. Die Prozesse häufen sich seither, aber es gibt auch Rückendeckung und Unterstützung von vielen Seiten – aber eher heimlich als unheimlich. Einmal bekam Peter eine Anzeige wegen »Unbefugten Gehens auf der Fahrbahn«. Solange man ein Transparent dabei hätte, wäre man aus dem Schneider. Sobald die Demo amtlich für aufgelöst erklärt ist, setzt es eine Anzeige. Bekannt wie er ist, geht das auch ohne polizeiliche Anhaltung.

Einen Freispruch für »Sachbeschädigung« gab es zwar noch für die DemoBeteiligung, anlässlich der Angelobung der letzten österreichischen Regierung im Februar 2000, geschehen auf dem Autodach eines Presseautos. Die Zeiten sind mit einher gehenden Normalisierung der politischen Umstände von Schwarz/Blau härter geworden. Einmal wäre es fast soweit gekommen, dass der Container, die »Botschaft der besorgten BürgerInnen«, die seit Angelobung der ÖVP-FPÖ-Bundesregierung eine Art Mahnwache vor dem Bundeskanzerlamt abhält, von der für Strassen-Reinheit zuständige MA 48 abgeschleppt worden wäre. Konnte gerade noch verhindert werden. Seitdem ist die »Botschaft« zur weiteren Unheil-Abwehr in Form einer amtlichen Räumung immer besetzt.

Am 15. März 2001 verkündete der temperamentvolle Peter beim Zelt dieser »Botschaft«: »Ich benütze die Gelegenheit, die Einsatzleitung und den Grossteil der Wega als die Arschlöcher von Wien zu bezeichnen.« Einige der etwa 200 Demo-Gäste applaudierten spontan. Andere machten sich Notizen auf Zigaretten-Packungen der Marke Marlboro Lights und wieder gänzlich Andere, zumeist Ältere, kramten in ihren Herrenhandtaschen am Handgelenk nach beschreibbarem Zettelwerk.

Auf der traditionellen DonnerstagsDemo am 27. April 2001 überreichte dann die uniformierte Polizei persönlich den »blauen Brief« an Peter Rosenauer. Er bekam mit dem RSa eine Strafverfügung über 2000 Schilling zugestellt. Weil er bei der DonnerstagsDemo am 1. März 2001 – nach polizeilicher Abmahnung! – eine »drohende Haltung« eingenommen habe!! Und damit eine Amtshandlung verhindert hätte!!! Somit ist evident, dass er sich Feinde gemacht hat und polizeiintern auf der »Watchlist« steht wie ein ehemaliger österreichischer Bundespräsident in dessen Lager auch fast Österreich stand. Ganz?
Naja, nicht ganz...!

Mächtig mächtige Feinde: Die Frage, ob er dabei noch ruhig schlafen könne, bejaht er. »Aber wenn ich in der Nacht zum Auto gehe, passe ich jetzt mehr auf!« Angst verspüre er keine. Wie auch im Ausland bei internationalen Einsätzen (Für Genua bekam er keine Einreise-Erlaubnis, weil grenzüberschreitend amtsbekannt). In Brüssel blockierte er bei einer internationalen Greenpeace Aktion den Flughafen, so dass US-Präsident Bush eine andere Route nehmen musste. In Laibach gings gleich im Sturmlauf zur amerikanischen Botschaft, wo Peter das Stars-&-Stripes-Banner einholen und durch das Regenbogenbanner ersetzen wollte. Das wusste ein »Marine« zu verhindern, der Flagge und Haltung zeigte. Peter sah daraufhin die Sterne und hatte später blaubraungrüne Streifen am Körper. Vorher ging es im schwedischen Göteborg rund, ein Demonstrant war dabei in den Rücken getroffen worden. In Schweden wurde Peter schon einmal festgenommen und wanderte dort hinter Schwedische Gardinen, nach der Anti-Atomkraftwerk-Aktion in Barsebäck. »6 österreichische Greenpeace Aktivisten inhaftiert und mit zweijähriger Haft bedroht«, meldeten die Agenturen am 26. März 1999. Denn die Greenpeace Aktion gegen den trotz AusstiegsBeschluss fortgesetzten Betrieb des südschwedischen Atomkraftwerks Barsebäck war in vielen Medien. 6 Aktivisten harrten am Dach des Reaktors aus und andere blockierten das Tor des Kraftwerks. 15 Aktivisten – darunter 6 Österreicher und natürlich auch Peter – wurden inhaftiert.

Schwer illegales Betreten des AKWs wurde ihnen vorgeworfen. Ein Vergehen, auf das in Schweden bis zu zwei Jahre Haft stehen. Greenpeace rief die Behörden auf, die gewaltfreien Aktivisten unverzüglich freizulassen. Den Kraftwerksbetreiber Sydkraft forderte Greenpeace auf, die seit 1998 überfällige Schliessung des ersten Reaktorblocks nicht weiter zu verzögern. Aufgrund schwer wiegender Sicherheitsbedenken bezüglich des veralteten Kühlsystems, der dichten Besiedelung in der Umgebung des Kraftwerks (die Grossstädte Kopenhagen und Malmö liegen nur 20 km vom Kraftwerk entfernt), dem Abschaltungsbeschluss für den Reaktorblock B1 von 1998 und der grossen Mehrheit bei der Volksabstimmung für einen völligen Atomausstieg Schwedens bis 2010 war die Schliessung des Reaktorblocks B1 längst überfällig. Daraufhin kam Peter frei und wieder heim.
Und er wundert sich jetzt im Gespräch, »dass gerade die schwedischen Bullen so deppert waren«, diesen Demonstranten damals beim EU-Gipfel anzuschiessen: »Gewalt ist generell Scheisse und immer kontraproduktiv!«

Für Greenpeace gehen alle Urlaube drauf. Mehr als 10 Aktionen sind es pro Jahr. Da gibt es vorher eine Planung, die den Aktivisten näher gebracht werden muss. Schulungen gäbs auch, dabei wird das Um und Auf von Greenpeace gelehrt: Nämlich absolut gewaltfrei zu agieren. Immer die Hände unten zu lassen! Nie Abwehrreaktionen zu setzen! Nie sich zu stark anzuspannen! Denn hochgehaltene Hände könnten als AggressionsHaltung auf einem dokumentierenden Fotobericht ausgelegt werden. Dieses verhaltene Verhalten schaffen nur die Härtesten. Und für Greenpeace-Aktivisten gehört das Gefängnissitzen dazu wie der Bereitschaftsdienst für Exekutivbeamte.

In Laibach, wie er löblich anmerkt, waren alle Einsatzfahrzeuge vergittert. Da hätt sowas wie in Genua 2001 beim 8erGipfel gar nicht passieren können. Wirklich lebensgefährlich wärs für die Carabinieri Wagenbesatzung erst geworden, wenn wer mit Molotov-Cocktail gekommen wäre! Dann wär akute Lebensgefahr gegeben gewesen, Peters Meinung nach. Also hätte es ein Warnschuss oder einer ins Bein vielleicht auch getan. "Aber darüber zu räsonieren ist müssig", sagt der Regenbogenkrieger und nimmt wieder eine seiner amtsbekannten bedrohlichen Haltungen ein.

Wo war er stehen geblieben? Achja: 3 Monate vor dem IWF-Gipfel in Prag wurde auch der Tschechischen Atombehörde ein Besuch abgestattet und diese mit der Ehre einer Greenpeace Aktion bedacht. Aber weil die Tschechen auf dem Weg in die EU sind, gab es dort vorerst die merkbare Einhaltung der Menschenrechte, und die ausgegebene Devise »Wir prügeln keine EU-Bürger« war fast zum Greifen. Wohltuend! Das war sehr angenehm und ist nicht so selbstverständlich, wie man glauben sollte. Diese noble Zurückhaltung gegenüber EU-Bürgern in EU-Staaten gilt bei Gott nicht immer und überall. Aber ein Beitrittskandidat ist da vielleicht vorsichtiger. Später kam dann doch eine Sondereinheit, und es war brutal wie beinahe überall. Auch eine Art von Globalisierung.

Anfang in Lambach: Der Protest gegen das mittlerweile fertiggestellte und eröffnete Flusskraftwerk in Oberösterreich war Peters Initialzündung. Dort im Lager kam er auch einer ProtestKollegin näher. Im idyllischen Besetzungslager entstand Söhnchen Niko-Kajatan. Dort in Lambach habe sich für Peter Rosenauer alles grundlegend verändert. Zuerst wollte er nur vorbeischauen. Weil er in der Nähe wohnte. Und er sollte geistig nie mehr weggehen von seinen neu gewonnenen Freunden. Seither ist er mit vollem Engagement bei der Sache, will er sich doch von seinem später einmal erwachsenen Sohn niemals die Fragen stellen lassen müssen: »Warum hast Du damals nichts dagegen getan?«

Er will weiter eintreten für die gerechte Sache der Umwelt, für die Rechte der Tiere – und gegen Prügelpolizei und masslose Globalisierung um jeden Preis. Ein langer Weg, das ist ihm bewusst. »Ich rauche nicht, schon gar kein Hasch. Das Auto werde ich mir auch bald abgewöhnen. Damit die Bullen mich nicht mit ein zwei Bio-Bieren intus abpassen können, um mir den Führerschein abzunehmen.«

Nur soweit ginge seine Vorsorge nicht, dass er sich die Haare abschneiden liesse. Es ist für jeden Gegner nur gar zu verlockend, daran zu ziehen. Und das passiert leider auch öfter als notwendig. Nur eins wird nicht passieren: »Das wäre der grösste Gefallen, den ich den Bullen tun könnte, wenn ich nur einmal zurück schlagen würde!«

Das würde – nicht nur in den Augen der Exekutive, sondern auch in seinen – gerechtfertigte Prügel setzen, und eine Verurteilung wegen schwerer Körperverletzung nach sich ziehen. Denn jede Verletzung eines Beamten in Ausübung seiner Dienstobliegenheit ist vor dem österreichischen Gesetz automatisch als schwer einzustufen. »Weil dann würd irgendwo in einer SondereinheitsKaserne unter Garantie ein Fass aufgemacht werdn. Wenn ich – und das sicher für längere Zeit – aus dem Verkehr gezogen wär! Und den Gefallen werde ich ihnen nicht tun...«


[Foto: Reuters, Opernballdemo 2001] »Früher sagten sie schwule Negerfreunde zu uns. Auf gut Bullendeutsch ist das kein Schimpfwort. Ebenfalls neu in der Sprachregelung: Südschwede statt Nega, Wollschädel für Araba und Duttelscheriff für Kolleginnen.«

 

Rainbow-Warrior Peter Rosenauer im Gespräch
– d
one by kawei.txt 2001

 

 

 

 

 

UPDATE 2002:
Man bekämpft die Aussage im ORF KanzlerkandidatenDuell, wonach Donnerstags-Demonstranten alle Fenster bei der ÖVP Bundespartei-Leitung eingeworfen hätten!
Nun, schwer zu glauben, bei dem BullenbegleitungsAufgebot sowie der Höhe des vierstöckigen Gebäudes in der Lichtenfelsgase 7. Man wird sehen, was dabei herauskommt? Aber es darf »nix« vermutet werden...

 


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