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Ich bin ein SuperSPAR, holt mich hier raus!


Der Lebensmittelpunkt der Erde. Oder: Wahnsinn mit Methode?
Nur so bringt mans zum Milliardär. Eine Anleitung in 2 unüberlegten Schritten.


Erlebnisbericht von Karl WEIDINGER (aka »kawei«, Schriftsteller mit 7 Buchveröffentlichungen)

Spare in der Not, dann hast du in der Zeit.
[1.] Der vermeintliche SPAR-Kurs.

»Uhu« ist für mich – ich bin ein armer Buchautor – ein Begriff aus der Ornithologie. Für Bastelarbeiten rühre ich im Joghurtbecher etwas Mehl mit Wasser an. Dieser Mehlpapp klebt hervorragend und tut auch was für die Struktur des ausgebesserten Manuskriptes. Denn mein Handeln und Denken im kargen Hier- und Dasein des Autorenlebens ist durch die Erziehung zur Sparsamkeit bestimmt. »In Übereinstimmung mit Grundsätzen der Sparsamkeit, Zweckmässigkeit & Wirtschaftlichkeit«, wie die Satzungen des Rechnungshofs lauten. Denn Sparen muss ja auch der Staat, vorzugsweise an der Kultur und am Sozialen, also am Autor und seinen Konsumenten. Und befördert das Ersparte mit schaufelbaggerartigen Gesten wieder zurück ins Gesellschafts- und Geschäftsleben (Beispiele: Eurofighter Festspiele, Salzburger Festspiele, Bauernsubventions-Festspiele). Nach dem Motto: Geht's den Reichen gut, geht's auch den Armen gut (und die dürfen den Reichen beim Prassen zuschauen) – so wie früher »Brot & Spiele«.

Kekse mit Motten. »Geht's der Wirtschaft gut, geht's auch der Bevölkerung gut«, ist das Credo. Sonst schwächelt die Konjunktur, die Wirtschaft kränkelt und braucht wieder eine teure Nichtraunzer-Kampagne. Mit den bekannten Folgen an die Wand gemalt oder affichiert: Verlust des Wohlstands, der Freiheit, der Demokratie: Abendland untergangwärts! Damit es unseren guten Reichen wieder besser gehen kann (sonst kommen die bösen fremden Reichen!), also müssen wir den Gürtel enger schnallen. Und ich tue es gerne! Sparen, wo's geht. Hier ein paar nützliche Tipps zur Nachahmung:

Jeder Teebeutel lässt sich mehrfach nützen. Man lässt diese auf der Wäscheleine trocknen. Sogar als Gesichtsmaske können sie wiederverwendet werden. Oder als Rauchware sind sie ebenfalls geeignet, getrocknet. Vorher werden sie ausgekocht und abgebrüht; immer länger, eh klar! Apropos Rauchen: Tschicks immer bis zum Filter geniessen, hilft auch sparen (sogar dem Staat die Pension). Denn die Lungentorpedos werden eh immer leichter.

Klopapier lässt sich durch geschickte Falttechnik effizient nutzen. Kurse in Origamie, der Kunst der Falttechnik, helfen weiter. Ein Quell der Ersparnis und leicht zu entwenden. Das darf man als Anleihe sehen. Mit jeder Konsumation erwirbt man ein Recht aufs anteilsmässige Flauschpapier zum Arschauswischen. Also ist es legitim, sich sein auf den Kaufpreis aufgeschlagenes Deputat eigeninitiativ zu organisieren. Und am Nachhauseweg mit dem gebunkerten Häuslpapier an keinem Zigaretten-Automaten vorübergehen, ohne die Rückgeldlade zu kontrollieren. Und an einem Einkaufswagerl sowieso nicht – könnte ja noch eine Münze im Schuber sein.

Daheim mit alten Socken in der Wohnung herumrutschen. Das erspart dem Parkett die Pflege. Und alte Socken nicht wegschmeissen, sobald löchrig. Und Geheimtipp: Für die Sollbruchstelle an der grossen Zehe gibts sogar einen »Joker« in dieser Millionenshow der Ersparnis: Nach dem ersten Loch auf die andere Fussseite wechseln. Dort, bei der kleinen Zehe, kann man das Sockenloch umfalten. Schon hat sich die Lebensdauer verdoppelt. Und immer ähnliche Socken kaufen, dann kann man aus den »Hinterbliebenen« wieder eine Patchwork-Sockenfamilie zusammen stellen!

Durch Rasieren ohne Rasiercreme oder gar noch teureren Schaum lässt sich – als Sekundärnutzen – ein »Peeling« einsparen. Mit alten Rasierern kann man immer noch Gurken schälen. Und Gewand waschen ist ökonomisch und -logisch gesehen sowieso Wahnsinn! Wer bei Regen spazieren geht, entlastet die Umwelt durch weniger Tenside und somit auch das eigene Börsel. Und gesund ist es zusätzlich! Handtücher erspart man sich durch Körpertrocknung an der frischen Luft (aufpassen: Exhibitionismus!).

Und beim vormals »Konsum« (nun Euro- oder InterSPAR) sind die Tagesreste von Schinkenfragmenten zu 39 Eurocent wohlfeil, um sich daraus ein schmackhaftes Kreativmahl zuzubereiten. Wöchentlich zum DM/Schlecker/Bipa, um sichs Gewand mit einem Testflakon zu desinfizieren wie bei einer olfaktorischen Kontamination. Das erspart die allzu häufige Wäsche, denn eine der grössten Errungenschaften des Barocks war der sparsame Wasserverbrauch (Queen Elisabeth, die Erste, pflegte die Zeremonie des jährlichen Bades). Und nicht vergessen: rechtzeitig verduften, sonst muss man was kaufen. In Abwasch oder Dusche brunzen bringt der Menschheit auch wieder mindestens 5 Liter Ersparnis von kostbarem Trinkwasser. Zeitungen liest so einer wie du in der Warteschlange vor der Supermarkt (=SM) Kasse. Und mit diesem, leicht zu bewerkstelligenden Sparen lässt sich etwas vom Lebensstandard des Staates oder der Reichen finanzieren. Denn man gönnt sich ja sonst nix und spart nicht nur für sich allein.
– Nein, so bringt man's garantiert nicht zum Milliardär.

 

Nur so bringt mans weit.
[2.] Der wirklich effiziente SPAR-Kurs.

Und nun zu den Nutzniessern: Lebensmittel sind ein Punkt, ein Mittelpunkt der Erde. Der Lebensmittelpunkt, auch in den Supermärkten dieser Welt. Und die haben Besitzer-Familien. Wie diese reich geworden sind, weiss ich nicht, habe aber eine Vermutung. So wie der kleine Schriftsteller sich die grosse weite Welt vorstellt: Zuerst vergrössert man sein Imperium und dehnt die Öffnungszeiten über alle Grenzen aus. Dann »gewährt« man negativ wachsende Sozialleistungen, falls Betriebsräte und -Ratten (siehe VW) für eigene Vorteile ihre Mandantschaft verraten und verkaufen. Solcherart kürzt man Löhne immer weiter unter grossem Weh-Geklage und Wut-Gezeter. Auf dass man die nichtarbeitenden Share-holder mit einer Rendite von mindestens 20% bedienen kann. Eh klar, dass die eine Belohnung brauchen, um bei Laune gehalten zu werden. Weil die arbeiten ja nix. Denen ist fad. Die müssen den ganzen Tag lang ihrem Geld beim Wachsen zuschauen. Diese Zeit hat das arbeitende Volk nicht, um ihrem Geld beim immer weniger werden zuzuschauen!

Sodann zwingt man Personal mit negativ korrelierender Intelligenz in den Laden. Man macht freiwillige Schulungen: »Wer nicht will, braucht nicht kommen!« Das heisst aus der Sprache der Bonzen übersetzt: »Wer nicht kommt, braucht hier nicht weiterwollen!« Und dann hetzt man das interne Controlling auf die Schwachstellen. Ein betriebswirtschaftlicher Faktor ist es nur, wenn sich zu Ungunsten der Konsumenten verrechnet wird. Und das passiert in den Filialen, in denen meine Wenigkeit verkehrt, täglich/stündlich/minutiös.

Falsche Auspreisung, Aktion am Flugblatt, super. Aber an der Kasse? Leider nein! Nicht rechtzeitig umgestellt! So ein Pech auch! Kein Wunder bei dem unqualifizierten Personal. Na wer will sich da lang & breit & gross darüber aufregen, wenn die Warteschlange hinter einem zischt? Und niemand darf behaupten, dass in diesen mannigfach falsch ausgepreisten Waren etwa gar System dahintersteckt.

Exakt heute passiert: Feldgurke um 0,69 Euro pro Kilo ist ein Angebot, deswegen schlage ich zu, ansonsten wäre sie, die Feldgurke, beim Zielpunkt oder im BILigen LAden garantiert wohlfeiler. An der Kasse, oh Überraschung: 0,99 Euro macht etwa 30 Prozent, die ein Kunde, der es eilig hat, selten bemerkt. Und wenns bemerkt wird: Was soll das überforderte Personal machen? Verächtliches Getuschel, böse Blicke des armen Schweins hinter der Kasse. Und der fürs Gemüse zuständige, arme Neoösterreicher schaut gleich drein, als wolle man ihn in seine Balkan-Heimat abschieben. Nein, nein, man sagt eh nix! Is scho gut! Und die Besitzer-Familie des SuperSPARmarkts hat wieder 30 Prozent Subvention pro verkauftem Produkt erwirtschaftet. Heute habe ich gesagt: »Wenn ich jeden meiner Kunden um ein Drittel bescheissen könnte, wäre ich auch Milliardär wie der Herr Tanne/Fichte/Föhre!« Aber das stimmt nicht, obwohl ich pro Jahr um etwa um 3.000 Euro einkaufe, er ist mein Lebensmittelpunkt. Punkt! Oder – frei nach Hamlet –: Wahnsinn mit Methode?

(Und einen Tag später passiert. Eine Dame bekam ein Sackerl von der Feinkost, worauf ein Zettel über 80 Euro (in Worten: ACHTZIG EURO) angetackert war. Kein Scherz, man hat sich exakt um die Hunderter-Stelle vertan, kleines Versehen... hihihi! Nur schade für Spar/Tanne, dass die Kundschaft nicht per Bankomatkarte bezahlen wollte, weil sonst wärs garantiert nicht aufgefallen. Also wenn ich jeden Tag meine Buchkunden so übers Ohr hauen könnte, wäre ich auch schon Milliardär und könnte mir den eingangs beschriebenen SPAR-Kurs mittlerweile komplett ersparen.)

Veelmann Feines Duo: Duo von Keks mit Made? Und seit die letzte Regulierung den Konsumentenschutz ausgehebelt hat, passieren immer tollere Dinge (siehe Foto), zufällig in derselben Filiale. Und was bringt eine Reklamation? Einen Schimmelbrief »hat unsere Qualtitässicherungsabteilung den Vorfall und die Rückstellmuster untersucht. Ich kann Ihnen daher nun folgendes mitteilen: Durch umfangreiche Massnahmen zur präventiven Schädlingsbekämpfung (...) können wir sicherstellen, dass es in unserem Lager bzw. in der Produktion nicht zu einem Schädlingsbefall kommen kann«, schrieb Magistra (FH) Silvia S. von Schneekoppe.

»Bei den von Ihnen festgestellten Spinnfäden und Maden handelte es sich mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit um Dörrobstmotten. Diese Motten haben die unangenehme Fähigkeit, dass sie sich selbst durch luftdichte Verpackungen von Lebensmitteln durchfressen können. Trotz höchster hygienischer Kontrolle ist es nicht vermeidbar, dass sich diese Dörrobstmotte fallweise in natürlichen Lebensmittelprodukten entwickelt«, stellte die sodann in weiterer Folge betraute Rechtsvertretung (eigentlich ein Maklerbüro) in erster Instanz fest.

Also was ganz Normales, quasi ein Zeichen der Natürlichkeit des Produktes. Und die zweite Instanz, eine Kanzlei in Innsbruck schrieb als Rechtsvertretung der Firma Milford/Schneekoppe, deren Produkt das Veelmann »Feines Duo« ist: »Da Sie Ihren Angaben zufolge eine lebende Made vorfanden, muss der Befall ca. 4 bis maximal 8 Wochen vor dem Kaufdatum erfolgt sein (..). Eine Verantwortung für den Vorfall trägt meine Mandantschaft daher mit Sicherheit nicht.«

Na also, und nun guten Appetit. Verantwortlich (oder gar haftbar) ist natürlich niemand. Vielleicht das arme Schwein an der Kasse? Übrigens, bis dato wurde noch nicht einmal der Kaufpreis ersetzt oder gar rückerstattet. So, und nur so, bringt man's zum Milliardär!
Aber ich? Was ist mir? – Ich bin ein SuperSPAR, holt mich hier raus!

 






Da ist mehr drinnen.
Feines Duo: Kekse mit Maden? Mit Ablaufdatum 08.03.2005 in der Spar-Filiale Siebenbrunnengasse in Wien5 erstanden. Sodann versehentlich 2 Kekse davon verspeist. – Bin ich jetzt auch ein SuperSPAR oder nur vergiftet?



Prost Mahlzeit, nix für Empfindliche oder Vegetarier.
Da schmeckt man gleich die Kraft der Maden.




Anregend für die Magennerven.
Auch der Brief der 3 Rechtsvertretungen, die damit betraut waren: »Bei den von Ihnen festgestellten Spinnfäden und Maden handelte es sich mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit um Dörrobstmotten'«

 
Na, dann ists ja gut. Gefahr erkannt, Gefahr gebannt!



Die Rechtsabteilung vertritt Milford/Schneekoppe, die für Veelmann »Feines Duo« (Duo von Keks mit Made?) zuständig ist, und weiters die Meinung, dass es nur ein Zeichen von Natürlichkeit ist – gehts noch zynischer? ABER JA: »... Eine Verantwortung für den Vorfall trägt meine Mandantschaft daher mit Sicherheit nicht.«

Jedenfalls allerhand Leben in einer frisch gekauften Packung Kekse von Veelmann »Feines Duo«.



KERNAUSSAGE: »Eine Verantwortung für den Vorfall trägt meine Mandantschaft daher mit Sicherheit nicht.« – Was aber rein gar nichts mit der Verschuldensfrage zu tun haben muss, oder?

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Noch was Schönes: Es gibt eine SPAR HOTLINE für TrottelInnen, die sich informieren wollen – wie zB nach diesem Skandal: »SPAR ruft Gorgonzola der Marke DESPAR zurück - Von Listerien befallen, die zu Durchfall und Fieber führen... Im Jahr 2008 habe es einschließlich Freitag 31 Ansteckungen gegeben, fünf davon endeten tödlich« (Der Standard, 19.12.2008) Und was keiner sagt: Die SPAR Hotline ist eine Mehrwert-Telefonnummer und kostet pro Minute wie Telefonsex oder ein Abzockerspiel im DebiloTV. Da fühlt man sich als Kunde gleich noch 1x so richtig verarscht, wenn man für jeden Anruf noch ordentlich löhnen darf.

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