TEXT|LIFE of KAWEI •|highlights •|web •|print •|books •|krimi •|postreport •|werbegang •|mail-besteller

BEST OF VERÖFFENTLICHT: kaweis Werbegang:

»DIE VERHAFTUNG DER DUNKELHEIT WEGEN EINBRUCHS«

 

Den Gesetzen des Beginnens
gehorchend kann nicht beliebig
wo angefangen werden –
also wird
auch hier keine Ausnahme gemacht
und auf der Maxingstr--8 angefangen:

Hör mal wer da demnert. Es war einmal auf Numero Acht (# 8) ein Knusperhäuschen in der Maxingstrasse zu Hietzing, samt einer dazumals winzig kleinen Werbeagentur namens Demner & Merlicek, die sich für eine der grössten und eine kleine Angestellte aus dem Burgenland als Geisel äh: Sekretärin hielt. Als Eilpaketfahrer kommst du ins Spiel, weil die Demners ihre tägliche, nicht alltägliche Post »in einem« zugestellt erhalten wollen. »In einem« bedeutet als Sack. Und dieser Sack enthält geschnürte Bunde, stossweise und gestapelt, verflixt und zugenäht. Denn Postmann kann die Sendungen nicht mit dem Fuss reinstampfen, sondern muss alles fein säuberlich abpacken, wobei man stossweise Verwünschungen über den grössten Feind der Postlerschaft, die Werbung, und sonstnochwas fahren lässt. Also stürmst, schneist oder regnest du (so genau weisst du es nicht mehr) eines schönen Tages in den hinterhöflichen GartenPavillon in KnusperhäuschenGestalt rein. Wie jeden anderen Tag auch – ganz gleich, ob es regnet, stürmt oder schneit. Die tussige Dusette vor ihrem DOS Gerät, das sich Computer schimpft, schickt sich sinngemäss zu sagen an: »Herr Briefträger, ich kenn sie!«

Darauf antwortest du wie weiland Fury. Mit Wihihi. Soll heissen: Wie|was|wer_ich? Und nach der Pause ihres Ent- und Niedersetzens, sagst du wahrheitsgemäss: »K-ka Wunda, binjatäglichda.« Das Mundwerkzeug lahmt wie üblich. Die Düse des Dusnzeugs vor ihrem DOS lässt sich nicht zügeln und galoppiert davon. »Nein persönlich, hab sie schon privat gesehen«, meint die PostDusn standesgemäss. (Kannst dich nicht des Eindrucks erwehren, dass sie einen Stand auf dich hat.) In deinem sowas von Sprachlos vergisst du sogleich den Postsack abzuhalftern und dich in Zaum zu halten. »O-o m-mein Gogott«, erwiderst du erfahrungsgemäss.

Einer der Obersten erscheint zeitgleich mit dem Gesagten, fast erwartungsgemäss. Nach dem Uniferkelei Skandal gingen die einen als Aktionisten in die Wiener Kunst ein, und die anderen – die sich nicht so richtig auf den Tisch scheissen getraut hatten – hauten auf den Putz und auf den Tisch und griffen in die Scheisse und gingen in die Werbung ein. – Wie ein Demner, ein Puttner und wie sie sonst noch alle (sc)heissen mögen!

Die PostVerantwortliche unterbricht das Gespräch. Scheint ihr nur eine winzige Zutat zu fehlen, um statt hübsch wirklich schön zu sein. Eventuell sieht ihre LebensPlanung nicht vor, als Vertraute des Postmanns in der Agentur gebrandmarkt zu sein. Durch den jähen GesinnungsWandel lernst du den ersten TopKreativen und dessen Auswirkung auf NormalSterbliche kennen. Sie zischelt »el cheffe« in deine Richtung. Fällt ja weiter nicht auf, dass die Sekretärin den PostAmigo auf Spanisch unterhält. Soll das ein taugliches Mittel in der Werbung sein, was Heimliches innerhalb eines Gesprächs verschlüsselt mitzuteilen? De-E-eM-eN-E-eR-?, buchstabierst du lautlos, jedoch sie schweigt sich grimassenlos aus. Von ihr kommt nix. Niente. Nada.

¡No responsa! is auch a Antwort, denkst du. Etwaige EsperantoKenntnisse stecken in Kinderschuhen – nicht weiter erwähnenswert. Und Balboa (nicht Rocky, sondern der Eroberer und Entdecker namens Vasco), der in dieser Geschichte auch keine Rolle spielt, musste sich mit Händen und Füssen verständigen, bevor er den Einheimischen diese abhacken konnte. Reines Missverständnis!

Der topkreative »el cheffe« kommt dir nach seiner ersten Erscheinung vertraut vor. Erstaunt bist du nur, dass er aufs Stichwort »oh mein Gott« nicht mit »ja, was wünschen sie von mir?« reagiert hat. Das ist deine Vorstellung von Kreativen! Dabei ist dir, als hättest du »el cheffe« schon zuvor gesehen und suchst Blickkontakt. Seine Augen trotzen der Stellung und rutschen hilfesuchend in den Höhlen umher. Im Wegdriften begriffen, rollen seine Sehbälle in den grossen Schädel zurück. Schon bald sollst du dich (wie seine Augen) in einer schützenden Höhle verkriechen wollen.

Der geheimnisvolle Mann, der Gespräche verstummen lässt, trägt ein englischbraunes Sakko mit LederApplikationen an den Ärmeln, als käme er direkt vom Reitstall. An den schlanken Beinen baumelt munter eine erdfarbene Stoffhose mit Schlag zu jeder nötigen wie unnötigen Bewegung. Auf den hängenden, fast schon traurigen Schultern wohnt ein gut bemessener, rundlicher Kopf mit kurzem Dackelhaar und wagenradgrossen rehbraunen, unwirklich und wirklich zugleich, in die Welt staunenden Augen. Über einem fleischigen Mund, wie gemacht fürs bewegte Mienenspiel, ist eine stattliche Nase montiert, deren sprungschanzenähnlicher Ansatz zu gross geraten vorkommt, weil das wulstige NasenGeflügel die Oberlippe vom FrontGezähne abhebt. Das verleiht dem GesichtsInhaber den Anschein eines leichtfertigen_(bis)_unbeherrschten Spassvogels. Dem geschwungenen Hasenmund läuft ein HamsterbackenAnsatz entgegen. Den phlegmatischen Gesichtsausdruck im gut sonnengerösteten Antlitz – als hätte er Kariben als Vorfahren oder zumindest ein Solarium daheim! – verstärkt ein melancholisches Augenpaar. (Vielleicht denkt er an seine karibischen Vorfahren oder an die Stromrechnung auf seiner Sonnenbank?) Dadurch wird sofort ernsthafter Tiefsinn vermittelt, der sich bei einer gemeinsamen NahrungsAufnahme besonders vorteilhaft einstellen würde. Durch braven Schnitt gebändigtes kastanienfärbiges Haar schickt sich zum altersbedingten Schütterwerden und zur Freigabe des ZentralGestirns an. Oberhalb der energischen Brauen furcht sich eine Falte zur Linken und faltet sich eine Furche zur Rechten. Unschwer zu erkennen als GedankenschartenEinkerbungen, geprägt von der undelegierbaren Last des unentwegten Nachsinnens. Der merkwürdige GesichtsSchnitt gibt gottoberstem »el cheffe« etwas unberechenbar Lustiges.

Seine verrenkte Körperhaltung bemüht sich cool und verlangsamt zu agieren, obwohl das innere Tempo eine höhere Schlagzahl vorgibt. Er meistert dich in SekundenSchnelle wie eine überwindbare Stromschnelle und befindet, dass du ihn nicht weiter interessierst und schickt sich in StromesSchnelle an, über die Türschwelle seines Büros zu strömen. Seine rechte Hand schnellt vor, als möchte er sie dir zum (Ab) Schütteln geben. Dann beginnt er im Enteilen mit dem Ärmel zu schlingern, als würde er rüttelnd daraus Ungeziefer beuteln wollen. Ist ihm die Hand eingeschlafen? Oder hat er eine gute Idee, die es unverzüglich gilt, aus dem Ärmel zu schütteln, während andere sich ihre Kampagnen aus den Fingern saugen müssen? Und ist Schreiben (allgemein & speziell für Werbeagenturen) nur Hand- oder doch Kopfwerk?

Damn! Er hält inne, dreht sich um die eigene Achse und dechiffriert deine Erscheinung als Postillion, obwohl du nicht auf die zivilisatorische Segnung der postalischen Uniform, zwecks leichterer Zuordenbarkeit, vertraust. Er setzt einen Blick auf, wie ihn Menschen machen, die mit WatteStäbchen verloren in Ohren bohren. Der geschulterte Sack bringt Bunde und spricht Bände. Weihnachten liegt dir, ihm und dem Kalender so fern, dass du sicher nicht die Personifikation einer Erfindung der Coca Cola Werbeabteilung, wie der logofarbene Santa Claus, sein kannst.

Wie dem(ner) auch sei! Er sieht dich ungläubig an, als hättest du ihm gerade erklärt, dass das »HoHoho« des Weihnachtsmannes von HoHoHo TschiMinh abgeleitet worden wäre. Scheint nicht weiter gewillt, länger als nötig an der PostSchleuse zu verweilen. Ebenso wie er gekommen ist, verabschiedet er sich still und heimlich – auf französisch? – und ihr, die ihr euch schon kennt, seid wieder ungestört. Ein oder zwei Worte möchtest du noch über die Chefität verlieren – die PostVerantwortliche definitiv nicht. Für heute ist genug geredet, also schleichst du von dannen, nachdem sie den Sack binnen Nullkommanichts wortlos ausgeleert und ausgehändigt hat. Ohne zu erfahren, ob er das schon war, der Meister Demner.

Am nächsten Tag, einst im Mai. Stürmst wieder mit dem Sack daher, in dem sich auch der eine oder andere BewerbungsBrief als blinder Passagier versteckt hält. Halb so stürmisch, wehst du ins Häuschen auf der Maxingstrasse #8 mit dem GartenPavillon und lässt den Sack niederregnen. Das Gespräch um deine Erkennung knüpft an, wo es am Vortag unterbrochen wurde. Durch vortägigen Vorfall gemahnt, vermeidet ihr, mystische Personen von höherem Ort und Wert in Worte wie Gott|Satan|Luzifer zu kleiden oder Namen wie Demner, dessen Erscheinung nicht dauerhaft in deinem Arbeitsspeicher bleiben will, unwürdig auszusprechen.

»Kanns sein, dass ich sie schon in da Südsee gsehen hab?«, eröffnet sie dir diesmal. »M-mitn P-Packelbus?«, stellst du dich etwas komisch an. »Nein, privat«, meint sie. »H-hab heia nokan Urlaub ghabt«, versuchst du nachzulegen. »War eh am Samstag«, gibt sie mit ihren Nachforschungen nicht auf. Schön langsam demnert es dir. Mit der ›Südsee‹ ist ihre LieblingsDisco im Land der Burgen gemeint. »I-in StoobSeeSüd, n-nicht Inseln, die-die-die...«, beginnst du um dein Leben zu stottern, weil du erkannt worden bist. In der Südsee, schrieb wer (George Simenon) einst (in den 30erjahren), ist alles wirklich und unwirklich zugleich. In der Aufregung fällt dir kein einziges wirkliches, unwirkliches Eiland in the Sun ein, das vom offiziellen Entdecker namens Balboa nach der Durchquerung des Isthmus von Darien im zentralamerikanischen Panama, inmitten des Pazifiks in südlicher Richtung, zuerst gesehen und später auch so benamst wurde. So erreichte er am 29. September zweitausend-minus-vierhundert-siebenund-achtzig den Pazifischen Ozean, den er als Südsee bezeichnete. Balboa erhob im Namen Spaniens Anspruch auf das kleinste Gewässer der Welt – und weil er schon dabei war – gleich auf alle sich darin befindlichen Inseln. Durch eine Intrige am spanischen Hof wurde er als Gouverneur von Darien abgesägt und drei Jahre später durch seinen Schwiegervater Pedrarias Dávila in Panamá enthauptet. So einfach ging das damals! Anspruch erhebst du keinen. Weder auf alle Ideen der Demners noch auf Vollständigkeit ihrer Poststücke. Es verwundert dich viel mehr, dass so einer wie du im O-Gymnasium einen 5er in Geografie haben konnte. Immer noch besser als das Schicksal eines Eroberers – jedoch du driftest ab... Nicht mal Hawaii, weder Polynesien noch Mikronesien oder irgendein Futzelchen Ozeaniens, mit den von Kevin Kostner eroberten Osterinseln Rapa Nui oder Tahiti, von wo Taboo und Tattoo ihren Ausgang nahmen, liegt dir auf der Zunge.

Worum gehts überhaupt? Diese ›Südsee‹ liegt eigentlich in Stoob-Nord. Denn Stoob-Süd, als ausgelagerte Insel von Oberpullendorf mit Stadtrecht seit zweitausend-minus-fünfundzwanzig, wird erst in den 90ern als IndustrieZone entdeckt/gegründet/benamst, dann lange Zeit als Geisterstadt angesehen und nach Werbekampagne der Agentur GESCO auch als solche anerkannt werden. Früher oder später wird Oberpullendorf sogar so modern sein, dass es sich dort eine DrogenSzene leisten kann.

»I-in StüdSoob«, stammelst du in ungewisser Vorahnung der unbegründeten Wirtschaftsregion, »hiich, mein, dort...« In StüdSoob, wo du dich gerne aufhältst, schaut dich jeder für einen Volltrottel an. (Vielleicht könntest du schon bald den Anspruch erheben, ganz Burgenland erobert zu haben?) »U-un falls mi kennen, w-was haltens von mir?«, fragst du unerschrocken weiter in den unbekümmerten Tagen der spriessenden Adoleszenz. Wenigstens das hättest du dir sparen können. »Is schon okay«, haucht sie gefühlvoll, fast schon intim. Entweder kennt sie dich gar nicht unwirklich, oder sie ist gar nicht wirklich aus dem Burgenland, folgerst du daraus. Also muss sie an Wochenenden in deiner näheren Heimat weilen. Um spezielle Örtlichkeiten zu frequentieren, an denen sich Jugendliche verdingen und in der spärlichen Freizeit austoben – so, wie du es tust. Oder um das andere Geschlecht kennenzulernen, bis zur Perfektion? Um den karg bemessenen Verdienst in stille|heimliche|ungültige Anteilnahmen umzuwandeln – so, wie sie es tut. Damit sich Burgenlands Gastronomen Häuser wie Burgen, Autos mit Sternen und Boote aus Edelhölzern kaufen können. Wohlgemerkt – von der Finanz unbemerkt!

Mittlerweile haben sich einige andere, seltsame Kreative zu euch gesellt und sich auf den von dir gebrachten Sack gestürzt. Alle eint was Gemeines|Gemeinsames: (1) eine gediegene Unrasiertheit, (2) elegante Nasenfahrräder von elitärer Designerhand geschnitzt sowie (3) durch Gummiringerl im Nacken gebändigte Zottelbälge. Ein Sonderling mit Osterinsel-Kinn kommentiert den Erhalt des Postbeutels mit: »Voller Sack toller Ideen!« Als oller Sack bezeichnet, fühlst du dich etwas ge- und betroffen und willst dem vorlauten KinnHead gleich einen Rempler auf die Kinnlade geben. Damit er sieht, dass man dich im Dienst nicht ungestraft beleidigen darf. Ein Moment hältst du inne – weil du weiterschaust, bevor du zuhaust. Obwohl keine Zeit fürs Rasieren, ist er zu schön angezogen, um mit dir zu raufen. – Soll sich lieber die Haare raufen! Das Gehörte recycelst du im Dienstkopf phonetisch: Dass du ein voller Sack mit tollen Ideen bist, schmeichelt dir. Das Lächeln wird selig, und du bist froh, nicht vorschnell geraufhandelt zu haben.

Typical Mail oder Typical Male? Die bohrenden Fragen der PostDusette sind verebbt. Besieht dich eindringlich von oben bis unten, ihr forschend durchgehender Suchblick bleibt länger als nötig an der Ausbuchtung im Schritt hängen. Am liebsten wärs dir, sie würde sich auch auf deinen vollen Sack stürzen. Jedoch tut das nix zur Sache, ist höchst(wahrscheinlich) frauenfeindlich, sollte es auch nackten Tatsachen entsprechen.
»Wie-wo-was fürne Aufregung und wofür d-die?«, versuchst du das Thema zu wechseln, als du eine aussortierte Zeitung namens WieWo erspähst. Willst nicht, dass sie das Gespräch über kleine heimatliche Verfehlungen weiter fort führt – in die in Stoob-Nord gelegene ›Südsee‹. Innerlich inständigst betend: Hoffentlich verschweigt sie das deinerseitige Auftreten als grenzdebiler Postler, den es jedes Wochenende wie einen Cowboy in den Saloon zieht. Oder wie Magneten zum NordPol. Oder Piraten eben in die Südsee.

Die Aufregung der Demners rührt von der bevorstehenden Entsendung der b-e-s-t-e-n Beiträge nach Cannes zum Werbefilmfestival. Als aufstrebende Agentur mit Knusperhäuschen, nein:mit GartenPavillon, trachtet man danach, den begehrtesten Preis in der Branche zu gewinnen. Ein kreativ bebrilltes Trachten-Pärchen mit gebündeltem Künstlerhaar rasiert als bartstrotzende Verstärkung ums Eck und beginnt sich für die Post zu interessieren – innigst ins Gespräch vertieft. Haarsträubend kriegst du grosse Ohren im Nacken wie der böse Wolf – etwas an den Haaren herbeigezogen.

»Achgottchen, stell da vor, hat des Trottelvieh von Weibstück die Designer falsch zusammengestellt!«, hörst du eine SprachMelodie, wie du sie bisher nur von Verarschungen kanntest. Ungeteilt ist deine Anteilnahme. Für so eine Formulierung bräuchtest du eine Woche. In der Werbung geht sowas locker von den Lippen wie ein Flatus im Forest. Abgesehen davon, dass die Behauptung auch ein ziemlicher Schas im AgenturWald ist. Und du warst der Ansicht: DesignerSachen würden fertig geliefert; so teuer wie das Klumpert ist! Ums Aufstellen gehts, erfährst du. Entweder ist der Andere ebenso unbeleckt wie du, oder der Eine hört sich selber gern beim Reden zu:»Da gibts nämlich welche unter Designers, die sich so wenig mögen, dass man ihre unter Schmerzen abgegebenen und um ein Butterbrot verkauften Exponate nicht im selben Raum aus- und aufstellen darf, falls man was auf sich hält.« – Wau, ist das eine Welt voller Sorgen und Probleme!

Früher war dem Einen seine Frisur ausgefallen, mittlerweile sind es nur noch seine Haare. Die Haartracht ist keine Haarpracht. Passt – wie man in seiner Heimat sagt –: wie der sprichwörtliche Arsch aufn Eimer. Oder die DesignerFaust aufs BrillenAuge. Achgottchen, und falls er wirklich so ein piefkinesischer Frauenfeind ist, warum trägt er ausgerechnet ein NasenFahrrad wie Nana Mouskouri? Nana, seine Brille scheint nicht nur von Mme Mouskouri abgeschaut, falls nicht sogar gestohlen zu sein. Also planst du, die Blätter, derer du am Postamt habhaft werden kannst, auf DiebstahlsMeldungen der griechischen SchlagerIkone zu durchforsten. Brillenlos geworden und somit ärgstens gehandicaped muss die Arme sich nun durch ihre Auftritte quälen, um ihr heilendes Liedgut tastend über die Bühnen der Welt zu bringen.

Ein postsortierender PferdeschwanzTräger hält eine WerbeZeitung mit dem Bild einer dir bekannten Person in Händen. Der andere legt in trauter gedanklicher Übereinstimmung der täglichen Routine die EigenAnzeige zwecks Archivierung zur Seite. Als dein scharfer Blick auf das Papier trifft wie Winnetou auf Old Shatterhand in der Prärie, fällt dir wieder ein, woher du topkreativen »el cheffe« kennst – ohne zu wissen, wer er wirklich ist.

»Ha-ha! Da-da sis dieser englische Komiker!«, freust du dich gackernd im Brustton der Überzeugung, um endlich die Unterbrechung zu was Lustigem|Unpeinlichem zu nützen. Weit gefehlt. Wie die Distanz zwischen Karl Mays Wirkungskreis in Radebeul im Erzgebirge und dem Zentrum seiner Erzählungen im Wilden Westen. Ein halbes Dutzend giftiger Pfeile äh: Blicke belehrt dich eines Böseren. Einer der Westmänner zu Hietzing skalpiert dich mit seinen Augen. Ein Typ in BlueJeans – mit Nackenmähne hinterm winnetou-braunen Gesicht – getöntem Lidschatten (weil der Flaum nicht säumen will) im Bartbereich und daroberhalb eine Silberbüchse in Brillenform an den Ohren angelegt, taxiert dich von oben nach unten und wieder zurück. Weniger vom Scheitel, mehr von der Sohle her. Und du musst es gestehen: Hast nicht mal Massschuhe an. Bist also sicher kein edler Wilder. Sonst wärst du barfuss hier oder wenigstens in OkassionsMokassins.

»Dös is dör Hörr Jan Mariusz Demner, sie Dölm«, befleissigt sich einer von Rang & Adel, um dich hochnäsig aufschauend Mores zu lehren. Nun, diese Gewissheit ist teuer erkauft worden.
»Fallse se net auskennen, haltense den Mund«, springt sogleich der Postjagende in Massanzug|Massschuhen|Massbrillen bei, um dich für die MajestätsBeleidigung zu massregeln. So durchgeknallt_gestylt wie der ist, trinkt der sicher nur mehr aus Masskrügen. Gewiss tut ihm deine Wenigkeit Leid, weil du deine Unbedarftheit bezüglich der wichtigsten Dinge auf Erden aushalten musst. Mehr noch tun dir seine Schuhe Leid, weil die müssen ihn den ganzen Tag aushalten. »K-kann ja nich jeden kennen«, stammelst du nassforsch wie ein begossener Pudel, der sich nicht weiter aufpudeln, sondern schleunigst aufs Gassi möchte. »G-gibtsnich, d-die Ähnl...«, resignierst du unbemerkt.

Niemand will dich eines weiteren Blickes würdigen. Ein Verdacht bleibt haften wie Hundescheisse an Massschuhen. Oder die Briefmarke an eines Komikers markanter Zunge. Oder das berühmte Blatt Papier an klebrigen Fingern. Firmennamen, glaubst du, sind Produktnamen. Dass es so patente Kerle wie Olla|Philips| Hipp|Wrigley wirklich gibt, hättest du nie für möglich gehalten. Wer ist eigentlich dieser el-kreative top-cheffe, der in Natura so lustig aussieht? Und was is des Pudels Kern?

Ja! Mariusz Demner muss der britische Komiker sein, dessen Name dir nicht und nicht einfallen will. Schwer zu glauben und noch schwerer vorstellbar, doch du bist felsenfest überzeugt. Deswegen hat er es als einzige Agentur Österreichs nicht nötig, eine internationale Allianz einzugehen. Hat ja das Knödel aus seinen Filmchen, die in allen TV Kanälen laufen wie Abwasser in richtige Kanäle. Und als ultimatives Indiz, dem in TalkShows Beweiskraft erwächst: Gibt kein gemeinsames Foto der beiden!

KronzeugenRegelung oder weggelegter Zwilling? – Beschliesst, nicht eher zu ruhen, bis der Sache völlig auf den Grund (oder Leim) gegangen worden ist. Noch ist dir das alles eher peinlich. Am liebsten wärst du in ein winziges (Erd|Wand|Körper) Loch gekrochen. Doch keine Höhle da zum Verstecken. Ausserdem musst du auf deinen leeren Sack warten. Oder glaubt wer, sowas Gewöhnliches wie ein Postsack bekäme über Nacht Asyl in der durchdesignten Werbeagentur? Im Ab- und Untergehen wird dir weitere Unterhaltung zuteil, obwohl du gar nicht mehr wissen willst, worum es eigentlich geht. Ausser eventuell ums geheime 2. Gesicht, die dunkle Seite, von Mister Demner.


Des P(ostr)udels Kern – und die Auflösung der Aufregung: »Na, nen Goldnen Löwen. Für Demner und Österreich«, sagt die PostDusn und tut, als wäre nichts geschehen. Obwohl sie auf die Frage nach dem Grund der Hektik mit ziemlicher Verspätung reagiert – wenigstens nicht auf Spanisch. Alle, die den Kopf frei haben, nicken unverdrossen, mit Tiefblick und Senkhaupt wühlend. Der Wille zu weiterem Gespräch belebt die Konversation neu. »F-fia Demner und Österreich, dachte fia Dem-ner-licek«, versuchst du witzig zu sein, frisch ausgestattet mit Mut und runderneuerter Zuversicht. Manche Persönlichkeiten lassen sich dadurch charakterisieren, dass sie keinen Umkehrpunkt erkennen.
»Ja eh, Achgottchen«, ist keine im Geringsten zufrieden stellende Antwort vom findigen DreitagesBartl, der Pferdeschwanz und Designerbrille unter ›12. Besondere Kennzeichen‹ im eigens für Cannes beantragten Reisepass eingetragen hat und besser auf Designer als auf Frauen zu sprechen ist. Gedanklich immer noch in der Südsee und noch nicht an der Croisette, sagst du, während du deinen Blick schweifen lässt: »W-warum ka Goldne Palme?«
»D Palm d Ör gibts bö dön Filmföstspöln«, belehrt dich ein Suchender, der wieder gut auf dich zu sprechen ist.

Das ist es also, das grosse vereinnahmende Thema!
»U-und Goldne Rose?«, wagst du einen weiteren Versuch.
»Wird in Montreux vergeben«, sagt wer und meint verliehen.
»D-deh t-te deh te deher Goldne Bär?«, morst du und willst nicht und nicht nachgeben. – »Jibts in Berlin«, meldet sich ein Gastarbeiter aus dem Land der Doofen, Nachkomme der Cimbern und Teutonen, zu Wort. – »U-und Goldnen Leopard?«, fühlst du dich wie ein QuizMaster und den Allwissenden auf den Zahn. – »Gibts bei n Filmfestspielen Mitte August in Locarno«, weiss schon wieder wer Antwort – der MassMensch ist an der Reihe.

Das beherrschte Getue um Höflichkeit nervt – und ist bald vorbei. »Ä-ähem und die Goldene Wühlmaus?«, damit schlägst du dem Fass den Boden aus. Alle kramenden Micky Mäuse halten ihre Köpfe|Blicke|Stimmen wie auf Befehl gesenkt. Schweigen gesellt sich zur Wühlrunde. Einige der besten Köpfe des Landes beteiligen sich nicht mehr am Postsortieren. Möglicher Weise haben sie gefunden, wonach sie suchten. Und du wirst einer eingehenden Musterung unterzogen, wie du sie nicht mal beim Bundesheer über dich ergehen lassen musstest. Die PostDusn händigt dir den leeren Sack aus, während du erstmals bewusst über »die Werbung« nachdenkst. Erkennst plötzlich, dass hinter dem StylingWahnsinn Methode stecken muss: Die richten sich so seltsam einheitlich her, um ihre Zugehörigkeit zur Branche zu bekunden! Solch eine Gleichschaltung schaut nach geheimer Verabredung aus. Muss den tiefen Wunsch widerspiegeln, ins stärkende Gemeinschaftsgefühl dies alten Zunftwesens zurückzukehren...

»Cannes ignorieren, heisst die Zukunft ignorieren«, erzählt der internationale WerbeGuru John Hegarty, einst im Mai, bevor das Advertising Festival losgeht. Im Gegensatz zu heimischen, wahrscheinlich für (Kän)Gurus gehaltenen Superhirnen, hat Hegarty schon hie & da gewonnen – so sicher wie Weihnachten im Dezember. Hat leicht reden! Die ganze Aufregung nur, weil der Konkurrent um Österreichs KreativVorherrschaft namens GGK im Vorjahr durch Texter Gert Winkler und Filmer Franz Novotny zweitausendminusfünfzehn einen Bronze Lion für die Zigarettenmarke MEN gewonnen hat. Ansporn genug, wie Udo Jürgens’ Sieg beim SongContest, zweitausendminusvierunddreissig. Alle Bemühungen seither blieben vom selben, nicht erfolgenden Erfolg gekrönt, obwohl jährlich über 250 Preise vergeben werden. Wie nach einem böswütigen Motto: Für jeden einen, nur für die Demners keinen!

»Cannes kanns«, sagt einer, um dich in diese Welt zu holen. »Can-Can? Cannes’ Biz is Cannabis«, moderierst du dich ab und denkst: Cannes kann mich! Lässt die Suchpartie wühlend in ihrem Designerhaufen von designiertem Altpapier zurück, der nun nicht mehr deiner ist. Cancun in Mexico ist dir lieber, mitsamt Hardrock Cafè, wie du es von AnsichtsKarten kennst. Und um es nachzutragen, wie du ihnen die Post und sie dir dein Verhalten: Der einzige Österreicher, der in Cannes Gold holt, wird lange Zeit Hugo Simon auf ET im Springreiten bleiben. Doch der ist kein Kreativer, sondern ExtraTerrestrischer – obwohl ja alle wissen, dass die einzigen wahren Kreativen Österreichs Köche & FreeSire sind. Wahrscheinlich weil beide Berufe mit&unter Hauben sowie Wärme&Warmen arbeiten. Simons Erfolg: Fürn Hugo – weil BeuteGermane.

Da wäre Ausserirdischer besser. Jedoch: Ist die DemnerSchar nicht auch NICHT von dieser Welt? Lange Rede, kurzer Sinn: Alle CannesTeilnahmen sind fürn Hugo und werdens noch lange sein. BoutiqueSchrenzen fangen an, ihre Pullover|Shirts|Westen als Kunstwerke auszustellen. HaarStutzer fangen an, sich Stylist & Couturier oder wenigstens Kopfkünstler & Figaro zu nennen. Bei den FreeSiren ist überhaupt seit Grecht & Bundy jeder mindestens Weltmeister. WürstelDompteure, GulaschkesselHengste & KaiserschmarrnRührer fangen an, sich als KüchenZamapano, GourmetMozart, HerdMogul, CuisineKönig, MampfZar oder wenigstens als TopfKünstler & SpeisenKompositeur anzusehen. Bedingt durch eine vom wilden Schwein gebissene Journaille, die vor keiner neuen Formulierung mehr zurückschreckt, wird alles nur noch preisgeil!


Die PostDusn flüstert dir auf gut Deutsch, dass du immer zu warten hättest, bis der Postsack leer sei. Darum reisst du dich sicher nicht, kriegst jedoch Einblicke. Für die restliche Zeit, bis die Demners (nach Cannes oder in die Lehargasse) wegziehen, wirst du es vorziehen, den Sack voller Ideen wie dein Mundwerk gut zu hüten. Dabei bist du froh, dass dich niemand kennt, sobald du unwirklich_wirklich in deinem Element bist. So beschliesst du, dich gleich kommendes, verlängertes Wochenende in die Südstaaten (statt in die Südsee) aufzumachen – um dich zuzumachen. Keinesfalls willst du für Gesprächsstoff sorgen. Deswegen muss kurzerhand dein AufführungsRevier verlegt werden. Und es soll noch geraume Zeit dauern, bis in Cannes der jenseitige & frischgeschaffene Bewerb ›Noch nie zuvor eingesetztes Medium‹ mit dem ONE WayRitt von Hary Reithofer quer durch Österreich gewonnen werden wird. Bis dahin ist noch manch mühsames Gewässer zu überqueren.

(Und weil noch Platz ist – und weil PiefkeSchnösel sich nicht wortlos schleichen kann, lässt er euch und noch was zurück: Entweder ist er ein engagierter Pädagoge und will Mitglied in Robin Williams’ ›Club der toten WerbeDichter‹ werden oder er hat einen Termin beim MedienExperten Dr Peter Diem? Oder er will auch nur die ihn umgebende Ungebildetheit veranschaulichen, als er abgehend Horaz’ »Carpe Diem« so überkandidelt absondert, dass ihm einer abgeht – wahrscheinlich. Und was könnte das nun in aller Tragweite deines T[r]agewerks zu bedeuten haben?

cave diem (Fürchte den Tag – für Arbeitsscheue!)
carpe canem (Nütze den Hund – für Krankenstände!)
cave cannensis (Fürchte Könner aus Cannes, für alle Werber!)
und carpe cannabis (Für alle gültig, auch NichtLateiner!)

LESEPROBE | Seite 18 | Kapitel.01 [unlektoriert]

Leseprobe | Seite 148 [KAP.11]

Leseprobe | Seite 196 [KAP.16]

Leseprobe | Seite 329 [KAP.33]

Leseprobe | Seite 372 [KAP.38]

Leseprobe | Seite 466 [KAP.49]

Zurück | WERBEGANG [ANFANG]

Rezensionen & Stimmen [KRITIK]

 

 

Das Buch, von dem Harry Rowohlt
meinte: es werde seinen Weg machen!

--BESTELLUNG am schnellsten per EMail

»kaweis Werbegang
Die Verhaftung der Dunkelheit
wegen Einbruchs«
von Karl Weidinger [UhudlaEdition] – Das Buch Arial:
Wahnsinn (o)der Werbung,
Schutzumschlag von Prof. Ernst Fuchs,
gebunden, Hardcover, 500 Seiten.

 


JETZT WIRD RABATT GEMACHT,
BIS DIE GANZE BUDE KRACHT...

Und das so simpel wie möglich.

1 kawei.Buch um 18 Euro.
2 Bücher = 30 Euro [Ersparnis 6 €]
3 Bücher = 40 Euro [Ersparnis 14 €]
[ab dem 4. Buch ist 1 gratis = bei 5 Exemplaren
gibts jedes Buch um nur 10 Euro].

Ins COVER KLICKEN und BESTELLUNG MAILEN – oder gleich zum BESTELL-CENTER



»...eine Spur der Verwüstung durch die WerbeBranche gezogen wie Attila der Hunnenkönig.« – [Dr G Walsch-Jelinek of Transpotext|Commworld]

»...gute Texter haben keine Zeit für Bücher, und Sie haben schon zwei geschrieben?« – [Haide Rosar of Young & Rubicam] – »Seit 10 Monaten mehr keinen Sex gehabt. Da könnte ich in der Zeit, in der sie mit ihren Chefs bumsen, ›Krieg und Frieden‹ schreiben!« – [Antwort des Autors]

»A Supertexter, owa menschlich a totales Oarschloch!« – [the HorstMan of A3]
– »Einspruch, nehmenS des zrück, i bin sicher ka Supertexter!« – [Antwort des Autors]

»Kawei, das Selbstvertrauen aus Beton, der Al Bundy von Österreichs WerbeSzene« – [DI Kari Witt-Dörring of PK_P beim ORF TopSpot]

»Die Verhaftung der Dunkelheit wegen Einbruchs... Ein Titel, der seinen Weg machen wird!« – [Harry Rowohlt of Hamburg]

KARL WEIDINGER
[THE LORD of the piRINGS
DER HERR der jahresRINGE]

Ein Burgenländer aus Piringsdorf, seit über dreieinhalb Dutzend und mehr als 4 Dezennien Lebensjahren, mit kawei verhaftet. Ein Alter, in dem richtige Genies schon richtig tot sind: Mozart[35], Jesus [33], Schubert[31], Hendrix [28], Schiele [28], Morrison [27], Büchner [24], Trakl [24]. – Nur Falco [41], Kafka [41] oder der Erfinder von Short- & KrimiStories, Edgar Allen Poe [40] sowie Jaromir »Schwejk« Hasek [40] wären selbst mit etwas Glück nicht mehr einholbar. – Lady Diana [36], Michel Hutchence [37], Puschkin, Van Gogh [37] und Ödön von Horvath [38] gingen zwischen Fertigstellung, Lektorat und Drucklegung drauf als Vorbilder. Also nix mit Genie. Schon eher Wahnsinn [ohne Methode].

Speisekarte speziell für Haflinger & Knastologen: Arretiert zu 1,8 Promille des Jahrtausends in Piringsdorf und 22% des Jahrhunderts in Wien eingesperrt. Ein Zehntel Säkulum in Posthaft, ein Dutzend Jahre Schul-, Wirtshaus- & Werbungs-Arrest. Der Rest ist Schweigen, äh: Schlafen. Dunkelhaft! Nun [wieder] draussen.


»kaweis Werbegang - DIE VERHAFTUNG DER DUNKELHEIT WEGEN EINBRUCHS«
ist ein autobiografischer Schelmenroman von kawei. Das dritte Erstlingswerk nach »Der Missbrauch des aufrechten Ganges« [kaweis PostReport] und »Der Herr vom Uhudla« [kaweis UnterstufeLesebuch]. Eine schonungslose Abrechnung. Kein Kniefall vor den Grossen, sondern Kreativmuskelspiel der unangepassten Kleinen, die mit Eulenspiegel, Hanswurst, Kasperl oder Zilk auch schon einige Siege erringen konnten. Denn nur wer nicht genial tot ist, kann noch der Welt seinen Buchrücken zudrehen...

--go HOME
--zum BESTELL-CENTER
--eMail to kawei.txt